Rodalben Krankenhaus: Mitarbeiter verteidigen Marienhaus-Gruppe

Wichtige wirtschaftliche und personelle Entscheidungen liegen in der Hand der St. Elisabeth-Stiftung, die Trägerin des Krankenha
Wichtige wirtschaftliche und personelle Entscheidungen liegen in der Hand der St. Elisabeth-Stiftung, die Trägerin des Krankenhauses ist. Die kritisierte Marienhaus-Gruppe ist dafür nicht zuständig, mahnt die Mitarbeitervertretung.
Volker Heintz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung.
Volker Heintz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung.

Es sind die Mitarbeiter, für die die Schließung des Rodalber Krankenhauses die einschneidendste Veränderung bedeutet. Nun haben sich ihre Vertreter zu Wort gemeldet, mit einem eindringlichen Appell, der nicht nur den Verantwortlichen der Kliniken und der Politik gilt, sondern sich auch an die Einwohner der Region richtet. Dabei verteidigt die Mitarbeitervertretung die Marienhaus-Gruppe, die in der Kritik steht, weil sie sich als Betreiber zurückzieht.

Die Politik soll die geplante Fusion der Krankenhäuser Rodalben und Pirmasens am Standort Pirmasens nach Kräften unterstützen – so der Wunsch, den die Mitarbeitervertretung in einem offenen Brief an Stadt- und Verbandsgemeinderat Rodalben sowie die Verantwortlichen der Fusion äußert. „Gefährden Sie den Prozess nicht durch Blockadehaltung“, fordert Volker Heintz, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung. Es gehe darum, die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sowie die medizinische Versorgung der Südwestpfälzer zu sichern. „Laufen jetzt alle Rodalber Mitarbeiter fröhlich frohlockend nach Pirmasens? Sicher nicht.“ Die Mitarbeitervertretung erwartet vorsichtige Zurückhaltung auf beiden Seiten, die Betriebsabläufe werden sich für alle ändern. „Durch die jahrelange Konkurrenzsituation gilt es, bei der Zusammenführung Fingerspitzengefühl zu zeigen, damit sich alle Mitarbeiter gerecht behandelt fühlen.“

Von den Geschäftsführern der Kliniken, den Stiftungs- und Aufsichtsräten fordert Heintz eine schnelle Konkretisierung der Fusionspläne, damit die Mitarbeiter wissen, was auf sie zukommt. „Beweisen Sie ein gutes Händchen bei der Zusammenführung“, heißt es im Brief. Ähnliche Bitten richten sich ans Gesundheitsministerium. Doch die Mitarbeitervertretung wendet sich auch an die Bevölkerung: „Wir sind weiter für Sie da.“ Das Krankenhaus versorgt Patienten und bildet Ärzte und Pfleger aus – bis zur Schließung in Rodalben, danach wenige Kilometer weiter in Pirmasens. „Wir brauchen Sie, denn ohne Sie ist uns die Arbeitsgrundlage entzogen.“

Besonnenheit statt Emotionalität

Nach Bekanntgabe der Fusionspläne habe es viele heftige Reaktionen gegeben, Verärgerung und Vorwürfe auf politischer Ebene, Entsetzen in der Bevölkerung, Aufruhr und Stimmungsmache in den sozialen Medien. „Alle Reaktionen sind zunächst legitim und dürfen in der ersten hochemotionalen Phase der Überraschung geäußert werden. Allerdings sollte die Emotionalität rasch einer notwendigen Seriosität und Besonnenheit weichen.“ Heintz, der für die Mitarbeiter spricht, vergleicht die „ruhig überlegenden und abwartenden Mitmenschen“ mit „allgegenwärtigen Besserwissern“, die wohl in der Minderheit seien, aber eben lauter schreien würden.

Die Mitarbeitervertretung verteidigt die Marienhaus-Unternehmensgruppe, die als Betreibergesellschaft des St. Elisabeth-Krankenhauses fungiert und im vergangenen Jahr angekündigt hatte, sich zurückzuziehen, sobald eine neue Lösung für die Klinik gefunden und umgesetzt ist. Die „wesentlichen wirtschaftlichen und personellen Entscheidungen“ treffe aber der Stiftungsrat – die St. Elisabeth-Stiftung ist Träger des Hauses. Heintz kritisiert, dass die Marienhaus-Gruppe immer wieder „offensichtlich bewusst in schlechtem Licht“ dargestellt werde: Für den Betreiber bestehe „weder eine Verpflichtung zu Millioneninvestitionen noch zur Übernahme in die Marienhaus-Gruppe oder zur Zahlung hoher Abfindungssummen, wie hier und da gefordert wird“. Das Krankenhaus sei seit 2004 „Nutznießer der Versorgungsstrukturen der Marienhaus-Gruppe“.

„Unfähigkeit, Raffgier, Untätigkeit“

Damals habe nur die gemeinschaftliche Anstrengung der Beteiligten – auch der Mitarbeiter, die zwei Jahre auf ihr Weihnachtsgeld verzichtet hätten – die Insolvenz des St. Elisabeth verhindert. Auch in den Jahren danach habe das Krankenhaus nie genug Geld für einen Befreiungsschlag gehabt. Ein weiterer Gehaltsverzicht der Mitarbeiter – 2014/15 und 2019 – wurde von Tarifkommission und Wirtschaftsfachleuten „als notwendig erachtet, um den Fortbestand des Hauses zu ermöglichen“, so Heintz.

Den Verantwortlichen des Krankenhauses sei in der Öffentlichkeit „Unfähigkeit, Raffgier, Untätigkeit“ unterstellt worden, dabei sei das Problem komplex: Politische Rahmenbedingungen, das Finanzierungssystem und Druck zur Effizienzsteigerung erschwerten es Kliniken deutschlandweit zusehends, sich über Wasser zu halten. Die Finanzierung von Investitionen durch die Bundesländer lasse zu wünschen übrig. Heintz spricht von einer „jahrelangen Unterfinanzierung des Systems“.

2004 vor Insolvenz gerettet

Der Vorsitzende lobt hingegen das Engagement der Marienhaus-Gruppe: „Die unterstellte Bösartigkeit, die in den Kommentierungen oft zu hören ist“, sehe er nicht. „Ohne die Hilfe dieses befreundeten Trägers wäre eine Insolvenz mit ungeregeltem Marktaustritt schon vor 16 Jahren sehr wahrscheinlich geworden. Die Folgen wären für die allermeisten Mitarbeiter weit dramatischer gewesen als die Möglichkeiten, die uns jetzt offenstehen.“

Volker Heintz ist nach eigenen Angaben seit 25 Jahren Mitarbeiter des Rodalber Krankenhauses, seit 23 Jahren Teil der Mitarbeitervertretung, der er seit 2013 vorsteht. Zuvor war er ab 2006 stellvertretender Vorsitzender. Die Mitarbeitervertretung des katholischen Hauses sei „vergleichbar mit dem Betriebsrat im weltlichen Bereich, allerdings mit weit weniger Rechten ausgestattet“.

Fast 20 Jahre gekämpft

Die Mitarbeiter des Krankenhauses zeigten außerordentliches Engagement und großen Zusammenhalt, heißt es in dem Brief. „Fast 20 Jahre haben wir gegen eine Übernahme, eine Fusion und gegen eine drohende Insolvenz gekämpft. Diese ständige Anspannung in Kombination mit einem drohenden Arbeitsplatzverlust hat nicht wenige Mitarbeiter zermürbt.“ Nun hätten viele erkannt, dass der Standort nicht länger zu halten ist.

Die Mitarbeiter freuten sich über Sympathiebekundungen aus der Region – viele Stimmen hatten in den vergangenen Monaten ihre Verbundenheit mit dem Haus zum Ausdruck gebracht. „Schöne Worte, die ein wenig wie Balsam auf unsere Wunden wirken.“ Doch die Sachlage veränderten sie nicht, meint die Mitarbeitervertretung.