Breidenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Klein-Texas im nahen Frankreich: Was ein Lothringer Original auf seiner Ranch bietet

Howdy: Régis Haydo hat in jahrelanger Arbeit den früheren Bauernhof zu einer texanischen Ranch umgebaut.
Howdy: Régis Haydo hat in jahrelanger Arbeit den früheren Bauernhof zu einer texanischen Ranch umgebaut.

In jahrelanger Kleinarbeit hat Régis Haydo einen typisch lothringischen Bauernhof in eine texanische Ranch samt Zoo verwandelt. Dabei war er noch nie in den USA.

Breidenbach, unweit der deutschen Grenze, hat gerade mal 300 Einwohner, eine Kirche, ein Gasthaus und die „Maximum Ranch“, die Initiator Haydo gern als Animationsbauernhof Orchidee – „Ferme d’Animation l’Orchidée“ – bezeichnet. Es gibt dort keine einzige dieser Blumen. Der Name resultiere von der ersten Zebukuh, die er sich anschaffte. Die hieß „Orchidée“.

Der 41-jährige Régis Haydo ist ein absolutes Original. Mit Cowboy-Hut und Cowboy-Stiefeln öffnet er die Tür und entführt den Besucher gleich als erstes in einen großen Saloon, wie er aus Westernfilmen bekannt ist. Wie der deutsche Schriftsteller Karl May, der fleißig Romane aus dem Wilden Westen schrieb, war auch Haydo noch nie in Texas oder überhaupt den USA. Das will er dieses Jahr nachholen. Bisher habe ihn die Pflege der Tiere abgehalten und vor allem das Pfingsthochwasser von 2024, das seinen Bauernhof einen Meter hoch unter Wasser setzte. Bis zu dem Hochwasser sei die Schauranch sehr gut gelaufen. Viele Besuchergruppen seien regelmäßig gekommen und viele davon gerne mehrfach. Dann war alles voller Schlamm und seitdem ist Haydo mit der Renovierung beschäftigt.

Großer Aufwand für importierten Bisonschädel

Der aus Saargemünd stammende Mann liebt das weite Land der USA, die Freiheit und vor allem Texas. Überall hängen texanische Flaggen. Das gesamte Gelände ist voller Dekostücken aus den USA. Der gesamte Bauernhof, von der Scheune bis zur Toilette, wurde von Régis Haydo „amerikanisiert“. Es wimmelt nur so von Details: Dekowaffen im Westernstil, Patronenhülsen, Emailleschildern mit US-Symbolen oder Countrymusikdeko. Totenköpfe hängen überall und die meisten Wände sind mit Malereien im Westernstil verziert. Die habe ein Freund gemalt, erzählt Haydo.

Das meiste habe er über Freunde in den Vereinigten Staaten importiert. Für einige Stücke sei einiges an Aufwand nötig gewesen, wie beispielsweise den echten Bisonschädel. „Wenn jemand richtig passioniert ist, dann findet er es auch“, meint Haydo dazu. Bisons sind inzwischen auch im Bitscherland bei Petit-Rederching zu finden, allerdings lebend. Die Westernwelt begeistert den Franzosen. „Das ist wie eine große Familie“, erzählt er und zeigt dem Besucher jedes Detail des Saloons und vor allem die Tiere.

US-Amerikaner in der Westpfalz keine Zielgruppe

Die spielen neben der Westernatmosphäre die Hauptrolle und im Leben von Haydo wohl auch. Wer den Lothringer im Umgang mit den Wollschweinen oder Tschechischen Wolfshunden sieht, spürt, dass sie im sehr wichtig sind. Einen kleinen Zoo hat er sich im Lauf der Jahre aufgebaut. Mehrere Pferde, Miniponys, Esel, drei Lamas und die Wolfshunde sind die größeren Tiere. Dazu kommen Zeburinder, die zwar aus Asien und nicht den USA kommen, aber gut in die Menagerie noch reingepasst haben. Viele Kleintiere kommen noch dazu: Chinchillas, Hamster, Hasen und Bengalkatzen sowie Vierzehenschildkröten verschlafen in ihren Gehegen den Pressebesuch. Im Außengelände, das vom Breidenbach durchzogen wird, tummeln sich exotische Vögel, Laufenten und dazwischen verschiedene Sorten von Schafen sowie Ziegen.

Die Wollschweine sind eine der Attraktionen der „Ferme d'Animation l'Orchidée“.
Die Wollschweine sind eine der Attraktionen der »Ferme d'Animation l'Orchidée«.

Das gesamte Gelände habe er selbst angelegt, hauptberuflich ist als Landschaftsgärtner tätig. Auch beim Innenausbau habe er großteils alles selbst gemacht, erzählt er und führt in die neu eingerichteten Ferienwohnungen, die er nach den Verwüstungen durch die Überschwemmung als neues Projekt begonnen hat. Er selbst wohnt jetzt nicht mehr auf dem Hof und will die Wohnungen an französische Touristen vermieten. Die US-Amerikaner in Ramstein oder Kaiserslautern habe er nicht im Blick als Zielgruppe. In Frankreich gebe es eine große Westerngemeinde. Die könnten hier eine Auszeit nehmen, einen Ort finden, an dem die Zeit stillsteht, so seine Zielvorstellung. Und wenn sie rausgehen, könnten sie in den Altschlossfelsen bei Roppeviller gleich eine Landschaft finden, die einem Canyon nicht unähnlich ist, wenn auch ein bisschen kleiner, wie er findet.

Pflegeausbildung für Chinchillas und Bengalkatzen

Weiter geht es zu den Wollschweinen, die putzmunter in dem Stall unterwegs sind. Die werden auch gegessen, erzählt er und zeigt später in der Küche die riesigen Salamiwürste aus dem Fleisch der Tiere. Eine spezielle Ausbildung als Tierpfleger habe er nur für die Zucht von Chinchillas und Bengalkatzen. Die Pflege der anderen Tiere habe er sich über andere Tierhalter angeeignet. Rund sechs Stunden am Tag brauche er allein, um die Tiere zu versorgen. Es sei aber sein Traum gewesen, einen eigenen Tierpark zu haben, und deshalb sieht es Haydo weniger als Arbeit an.

Das Hauptgeschäft läuft mit den Gruppenanimationen, die er für Familien, Vereine oder Firmen ab sieben Personen anbietet. Da werde dann über das Gelände geführt und zu allen Tieren etwas erzählt. Anschließend geht es in den großen Saloon, wo er ein Westernmenü serviert und je nach Wunsch auch Livemusik anbiete. Er selbst spielt Schlagzeug. In einer kleinen Reithalle können auch bei schlechtem Wetter Animationen mit den Tieren gezeigt werden.

Régis Haydo hofft auf ein baldiges Ende des Regens und sehnt den Frühling herbei, wenn alles wieder im Hof blühe und grüne. Dieses Jahr öffne er erstmals seit dem Hochwasser wieder und im April sollen die Ferienwohnungen an den Markt gehen.

Info

Der Besuch ist nur nach Reservierung und erst ab sieben Personen möglich. Es sollte eine Person mit Französischkenntnissen dabei sein. Im Internet: www.ferme-orchidee.fr.

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