Kreis Südwestpfalz Keine Hecken, keine Insekten, keine Vögel
Vor Weihnachten hat die Straßenmeisterei Landstuhl eine etwa 180 Quadratmeter große Dornenhecke an der Kreisstraße von Battweiler nach Niederhausen entfernt (wir berichteten am 23. Januar auf der Seite Leserforum). Demnächst wird sich nun die Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM), der Straßenmeisterei Landstuhl und dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Stelle ansehen, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen.
Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Dorfbewohner und Spaziergänger waren verwundert, als die Hecke fehlte, hatten dort doch über Jahrzehnte hinweg viele Hecken und Büsche gestanden, zeitweise sogar auf beiden Seiten der Straße. Viele dieser Büsche hätten im Frühjahr schön geblüht. Zudem liebten zahlreiche Blumen den Kalkboden, der Wärme für die Entwicklung spendet. Das alles habe sich in den letzten Jahren deutlich verändert, weil regelmäßig Maschinen zum Einsatz kommen. Die Straßenmeisterei hatte gegenüber der RHEINPFALZ erklärt, sie habe das sehr alte und verknöcherte Holz der Hecke durch den Rückschnitt so stark verjüngen wollen, dass es sich in den nächsten drei Jahren wieder erholt. Zudem hätten Autofahrer nun eine bessere Sicht in der Kurve. Hans Göppel, der zweite Vorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland im Zweibrücker Land, unterstreicht im Gespräch mit der RHEINPFALZ die Bedeutung solcher Hecken. Feldgehölze, Buschwerk und Hecken seien wertvoller Lebensraum und sicherten die Artenvielfalt. Dort seien Insekten, Larven, Raupen und Kriechtiere heimisch, die Nahrung für Vögel und andere Lebewesen sind. Das Argument, dass bis etwa 20 Zentimeter über dem Boden abgesägte Hecken, Büsche und Feldgehölze wieder ausschlagen, will der Vogelfreund nicht gelten lassen. An jener Stelle könne für drei bis vier Jahre kaum noch Leben existieren. Insekten und Kleintiere würden innerhalb weniger Stunden heimatlos. Wenn sich das Grün erholt hat, müssten Lebewesen später wieder langsam einwandern. Regelmäßige Pflegemaßnahmen mit Maschinen ließen den einstigen Biotopen keine Zeit zur Erholung. Derart gepflegte Straßenränder bildeten einen schädlichen Eingriff in den Naturhaushalt. Auch am Rand der Autobahn von Zweibrücken nach Pirmasens werde der Hang der Böschung bis auf die Grasnarbe kurz gehalten, obwohl das nur selten notwendig sei, berichtet Göppel. An solchen Böschungen und Straßenrändern könnten keine Vögel mehr brüten, da ihnen die Möglichkeit fehlt, ein Nest zu bauen. Dort blühten auch keine Blumen und Sträucher mehr. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten fänden keine Nahrung mehr, Goldammer, Feldlerche, Mäuse, Rebhühner, Hasen, Igel, Nachtigall, Sperlinge, Grasmücken und Neuntöter keine Deckung mehr vor ihren Fressfeinden. Auch die Ackerrandstreifen in der Feldflur würden nicht mehr geschont, hat Göppel beobachtet. Obstbäume ohne Früchte, kein Honig mehr, Frühling ohne Vogelgezwitscher: Für Göppel ist das keine Schwarzmalerei; die Natur werde langsam zerstört. „Übersehen wir die Warnhinweise in der Tier- und Pflanzenwelt weiterhin, dann verlieren auch wir Menschen unseren Lebensraum“, warnt er.