Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Claus Schäfer will Stadtentwicklungsgesellschaft

Das Gelände beim Haus der Jugend könnte mithilfe der Städtebauförderung zum städtischen Treffpunkt entwickelt werden.
Das Gelände beim Haus der Jugend könnte mithilfe der Städtebauförderung zum städtischen Treffpunkt entwickelt werden.

Die bevorstehende Schließung des Rodalber Krankenhauses hat die Stadt im vergangenen Jahr aufgewühlt. Positive Entwicklungen gingen dabei fast unter, ob die zweite Aufnahme in die Städtebauförderung, das energetische Quartierskonzept oder die Aussicht auf einen Aldi-Markt. Über die Situation nach dem Jahreswechsel und Perspektiven der Stadt im neuen Jahr sprach die RHEINPFALZ mit Stadtbürgermeister Claus Schäfer.

Die kaum noch aufzuhaltende Schließung des Rodalber Krankenhauses wirft lange Schatten auf das Stadtgeschehen. Wenn noch ein Funken Hoffnung glimmt, welcher ist es aus Ihrer Sicht?
Nach Verlautbarungen aus dem Gesundheitsministerium scheint die Fusion durch zu sein. Das Gebäude indes will man wohl erhalten, hat doch das Land gerade 300.000 Euro für Brandschutzmaßnahmen bewilligt. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Landesregierung entscheiden kann, die eine oder andere Abteilung – ich denke etwa an die Palliativstation – in Rodalben zu belassen. Klar ist, es müssen Gespräche mit dem Stiftungsrat geführt werden, um gemeinsam nachhaltige Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Das Gebäude gehört zwar nicht der Stadt, aber die Stadt erklärt sich jederzeit zur Zusammenarbeit bereit.

Hat die Landesregierung das Rodalber Krankenhaus abgehakt?
Ja, diesen Eindruck habe ich schon.

Wie steht es bei den Plänen für die Nachnutzung des Gebäudes?
Es gibt Perspektiven, die in den Bereich Gesundheit gehen, aber es liegt bisher kein spruchreifes Konzept vor.

Rodalben hat große Betriebe eingebüßt wie die Fahrrad-Firma Fox und Atom mit seinen Stanz- und Schneidesystemen. Sie sind wegen Platzmangels nach Pirmasens und Umgebung abgewandert. In Rodalben fehlt Gewerbefläche. Wo könnte sie erschlossen werden?
Der Abzug dieser Betriebe hat tatsächlich wehgetan. Rodalbens Problem bei der gewünschten Ansiedlung von Gewerbe liegt in der engen Tallage. Vom Grünbühl als hoffnungsvoll stimmender Umnutzungsfläche spreche ich schon gar nicht mehr, das behalten Amerikaner und Bundeswehr immer noch im Griff. Aber vielleicht tun sich Möglichkeiten in der Lindersbach auf. Kleinere Gewerbeflächen sollen auch in den Stockwiesen erschlossen werden.

Es fehlt zudem an Bauplätzen. Junge Familien ziehen in die Nachbargemeinden, weil sie hier kein Grundstück finden. Wäre die Erschließung des Gemerstals eine Option?
Das Gemerstal würde sich ideal als Neubaugebiet anbieten. Allerdings stellen sich diesem Vorhaben in der Praxis eine Menge Hürden in den Weg. Die meisten Bauplätze befinden sich in Privatbesitz. Der Stadt ist es nicht einfach erlaubt, in der Art eines Immobilienhändlers im Voraus Plätze zur späteren Veräußerung aufzukaufen. Hier zeigt sich wieder einmal: Wir brauchen eine Stadtentwicklungsgesellschaft, unbedingt. Mit dem Mangel an Bauplätzen erklärt sich gerade, dass bald zwei Mehrfamilienhäuser entstehen sollen, in der Fichtenstraße und auf dem mehr als 5000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Spielplatzes am Rappenteich.

Zu den positiven Ereignissen gehören die Eröffnung des Nettomarktes auf dem Neuhof und die Erneuerung der Lohnstraße als viel befahrene innerstädtische Verbindung. Welche Vorhaben folgen?
Für den zweiten Bauabschnitt der Lohnstraße in Richtung Schwallborn/Heide läuft gerade die Ausschreibung. Die Auftragsvergabe steht auf der Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung. Dann folgt die Ausschreibung zur Erneuerung der Friedhofstraße. Dem Bau eines Aldi-Markts ganz in der Nachbarschaft des Einkaufszentrums an der Zweibrücker Straße sollte nach der Genehmigung des Zielabweichungsverfahrens kein Hindernis mehr im Weg stehen.

Rodalben kann über die Städtebauförderung in den nächsten zehn Jahren mit über sechs Millionen Euro rechnen. Was steht ganz oben auf der Wunschliste?
Den Einleitungsbeschluss hat der Stadtrat gefasst. Ein Ingenieurbüro wird die Kampagne begleiten. Was an Maßnahmen umgesetzt werden kann, muss sich im Laufe der Jahre zeigen. Einzelne Ideen kreisen ja bereits durch die Öffentlichkeit. Dazu gehören die Begehbarkeit des Rodalb-Ufers durch einen Promenadenweg und die Verschönerung der Bahnhofstraße oder die Gestaltung eines Festplatzes auf dem zentrumsnahen Gelände beim Haus der Jugend. Ich würde mich auch freuen, wenn die Wasgau AG ihre Erweiterungs- und Modernisierungspläne für ihren Markt in der Bahnhofstraße anpackt – zu ihrem Vorteil und zum Nutzen der Stadt, weil der Bereich attraktiver wird.

Ruhig geworden ist es um das energetische Quartierskonzept. Ist abzusehen, wann Bürger in Sachen Energiewende wieder beraten und unterstützt werden?
Ganz ruhig ist es nur scheinbar geworden, es haben wenigstens Videokonferenzen stattgefunden. Wahrscheinlich wird Rodalben einen externen Quartiersmanager einsetzen, der auf Abruf, also nach Terminvereinbarung, zur Beratung der Bürger vor Ort kommt. Inzwischen ist seit dem Anlauf der Aktion so viel Zeit vergangen, dass wir das Gedankengut der Energiewende wieder neu beleben müssen. Aus meiner Sicht müssen wir alle auf unsere Welt besser aufpassen, wobei kleine Teile letztendlich ein großes Ganzes ergeben.

Was sollte die Stadt am Ende des Jahres erreicht haben?
Unser Augenmerk richten wir zunächst darauf, möglichst heil die Corona-Krise zu überstehen und unseren Haushalt in den Griff zu bekommen. Zudem wünsche ich mir, dass wir die Chancen des städtebaulichen Förderprogramms bestmöglich nutzen.

Claus Schäfer
Claus Schäfer
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