Hornbach / Wallhalben
Immer weniger Vogelarten: Das Frühlingskonzert fällt leiser aus
Die Vogelstimmenwanderungen in Wallhalben und der Talaue der Klosterstadt Hornbach haben den Rückgang der Vogelarten bestätigt. Die Gründe dafür sind vielfältig und größtenteils hausgemacht. Ute Gab vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) aus Hornbach konnte in Wallhalben und Hornbach jeweils 45 heimische Vogelarten auf ihrer Liste notieren. Dennoch war es für die fast 40 Teilnehmer der Wanderungen lohnenswert, dem – wenn auch etwas ruhigeren – Frühlingskonzert der Vögel zu lauschen.
Typisch für beide Tallagen war das Jagdverhalten einiger Mehl- und Rauchschwalben, die über den Dächern und entlang des Bachlaufs den Mücken als ihre Hauptnahrung begegneten. Über dem historischen Ortskern der Klosterstadt Hornbach waren deutlich mehr Mauersegler zu beobachten als über dem Mühlendorf Wallhalben. Dies liegt vermutlich daran, dass die alten Dächer und Gemäuer rund um das ehemalige Kloster mehr Schlupflöcher für die Aufzucht bieten.
Melodienzauber der Nachtigall
Ein Schwarzmilan kreiste zum Auftakt der Wanderung über der Hieronymus-Bock-Grundschule. Im Umfeld der großen Brücke nach Frankreich entdeckten die Teilnehmer einen Rotmilan beim Brutgeschäft. In der Nähe seines Horstes ertönte der unverwechselbare Gesang der Nachtigall. Diese außergewöhnliche Nachtsängerin benötigt milde Frühjahrs- und Sommertemperaturen, sie wird oft mit Begriffen wie Romantik, Liebe und Sehnsucht assoziiert. Bedeutende Komponisten wie Johann Strauß, Ludwig van Beethoven, Igor Strawinsky und Frederic Chopin haben ihren vielfältigen Gesang in ihren Werken verarbeitet.
Vermisst haben die Vogelkenner das Schwarzkehlchen, das einst in beiden Naturräumen anzutreffen war. Uwe Groh aus Pirmasens führte die Vogelbeobachtung in Wallhalben, veranstaltet von der Nabu-Ortsgruppe Zweibrücker Land. In Hornbach gab Peter Mende aus Wattweiler Erläuterungen aus seinem Erfahrungsschatz zur heimischen Vogelwelt. Er setzt die vor rund 40 Jahren von der Kreisvolkshochschule (Außenstelle Hornbach) ins Leben gerufene Vogelkonzert-Tour im Hornbachtal fort.
Kein Rotrückenwürger, kein Gartenrotschwanz
Vergebens hofften die Vogelfreunde, in den Hecken und Büschen beim Hornbacher Friedhof am Radweg nach Mauschbach den Rotrückenwürger (Neuntöter) und den Gartenrotschwanz anzutreffen. Dorn- und Gartengrasmücke machten sich dagegen deutlich bemerkbar, nicht zu überhören waren auch der Ruf des Kuckuckmännchens und die sonderbaren Laute seines Weibchens – für die Kenner der Nachweis, dass der Kuckuck in diesem Gebiet noch seine notwendigen Wirtsvögel findet: Teichrohrsänger, Mönchsgrasmücke, Bachstelze und den winzigen Zaunkönig. Sie brüten das vom Kuckuck untergeschobene Ei aus und ziehen den Nachkömmling auf – der später zum „Dank“ seine Halbgeschwister aus dem Nest wirft. Im Wallhalbtal war der Kuckuck allerdings nicht zu hören. Überraschend tauchte die seltene und unter Schutz stehende Kornweihe auf dem Bendelberg über der Landgrafenmühle und der Erlenmühle bei Wallhalben auf. Die Greifvogelart brütet am Boden, wo ihrem Gelege viele Gefahren drohen.
Überraschend tauchte die seltene und unter Schutz stehende Kornweihe auf dem Bendelberg über der Landgrafenmühle und der Erlenmühle bei Wallhalben auf. Diese Greifvogelart brütet am Boden, wo ihrem Gelege viele Gefahren drohen. Feldlerchen trillerten ihr Lied, derweil Goldammern – die schon immer zu den Charaktervögeln der Feldflur zählten – mit ihrem Nachwuchs unterwegs waren. Der Dompfaff, eine Besonderheit, konnte mit dem Fernglas beobachtet werden, auch der Bunt- und Grünspecht ließen sich blicken – die Klopflaute des Schwarzspechts wurden dagegen vermisst. Erfreulich war, dass der Pirol sowie das Sommer- und Wintergoldhähnchen zu hören waren, die kleinsten Vögel Europas. Am Butterweg in Hornbach konnte die geduldige Gruppe nach einigem Warten Girlitz, Zilpzalp, Rotkehlchen, Star und Diestelfink hören und sehen – vor Jahren waren sie noch überall anzutreffen.
Verstummt das Vogelgezwitscher?
Der Nabu und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz Bayern (LBV) hatten im Mai zur Zählung der Gartenvögel aufgerufen. Erneut wurden weniger Singvögel in Gärten und Parks gezählt: im Durchschnitt nur noch 28 Exemplare pro Garten – im vergangenen Jahr waren es noch 30, vor zehn Jahren sogar 36. Das bedeutet, die Veränderung des Lebensraums führt zum Artenrückgang, da die Nahrungsgrundlage für die Vögel sich verschlechtert, mahnt der Nabu. Wo Hecken, schützendes Buschwerk, Feldgehölze und Laubbäume fehlen, verliere die Natur ihre Lebensqualität und es mangele an geeigneten Nistplätzen für die Tierwelt. Der Klimawandel mit der Zunahme der Hitzeperioden, den zu geringen Niederschlägen und dem abnehmenden Schutz durch Beschattung schafft Probleme, die sowohl die Insekten- und Vogelwelt als auch die Menschen treffen. Die Erträge in Landwirtschaft und Gärten sind deutlich geringer und von schlechterer Qualität. Es brauche jetzt dringend schützende Hände, um den bereits vorhandenen Schaden zu beheben beziehungsweise nicht noch größer werden zu lassen, so die Meinung der Naturliebhaber Groh und Mende.
In Rheinland-Pfalz hat die Anzahl der Vögel je Garten mit 31 Sängern im Vorjahr auf jetzt 28 noch stärker abgenommen als bundesweit. Vor zehn Jahren lag der Wert bei knapp über 35 Vögeln. In unserem Bundesland haben dieses Jahr 2800 Naturfreunde in mehr als 2000 Gärten rund 63.000 Vögel gezählt. Am häufigsten wurden Haussperling, Kohlmeise, Amsel und Blaumeise registriert. Der milde Winter führte zu einem zehnprozentigen Anstieg der Zaunkönige. Erneut schlechter sieht es dagegen bei den Mehl- und Rauchschwalben mit Verlusten von 16 und drei Prozent aus. Waldvögel wie Buntspecht, Eichelhäher und Ringeltaube kamen häufiger vor. Ein Abwärtstrend zu erkennen ist hingegen beim Grünfink, bei der Amsel und beim Hausrotschwanz, dem Vogel des Jahres 2025.