Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Im „Pflegesaal“ für die Praxis lernen

Praktische Pflegehilfe führen die Schülerinnen Kim Wolffen (im Rollstuhl) und Anna Sutor vor, im Hintergrund Kreisbeigeordneter
Praktische Pflegehilfe führen die Schülerinnen Kim Wolffen (im Rollstuhl) und Anna Sutor vor, im Hintergrund Kreisbeigeordneter Peter Spitzer und Schulleiter Stefan Eichenlaub, rechts die Pflegepuppe.

Nichts erinnert mehr an den früheren Chemie-Vorbereitungsraum. Hier ließ der Landkreis als Schulträger einen „Pflegesaal“ einrichten mit den Gegenständen und Utensilien, die die Pflege braucht. Bei der Eröffnung am Mittwoch stellten Träger und Schule den „Übungsplatz“ für die Klasse in der Berufsfachschule I mit der Fachrichtung Gesundheit und Pflege vor.

Das Pflegespektrum reicht vom Baby bis zum Pflegefall bei Senioren. Statt der klassischen Tische und Bänke finden sich im Schulsaal Wickeltische, Kleinkind-Badewannen und Maxi- Cosi-Kindersitze neben zwei elektrischen Pflegebetten und Rollstühlen. Zu Schulungszwecken im Umgang mit den Jüngsten stehen auch Wiegen und eine programmierbare Babypuppe zur Verfügung, für Übungsaufgaben zur Begleitung pflegebedürftiger Senioren gibt es Gehhilfen und Gehstützen sowie Pflegepuppen, an denen etwa gezeigt und geübt wird, wie Körperwäsche vonstatten geht.

Zwecks Demonstration machte es sich an diesem Morgen Kim Wolffen (Ex-Schülerin der IGS Waldfischbach-Burgalben) im Pflegebett bequem, um sich von Anna Sutor (sie kam von der Landgraf-Ludwig-Realschule-Plus Pirmasens) fachgerecht aus dem Bett helfen und in den Rollstuhl setzen zu lassen. Im Rollstuhl passierte sie später einen Weg mit Bordstein.

Üben mit einer programmierten Babypuppe

Als freiwillige Übung versteht sich das Angebot, die programmierte Babypuppe über das Wochenende, Freitag bis Montag, mit nach Hause zu nehmen. Diese Bereitschaft bedeutet, sich Unbequemlichkeiten zu stellen, wie sie der Alltag mit einem Baby mit sich bringt. Die Puppe schreit in der Nacht, muss gefüttert und gewickelt werden, braucht Zuwendung.

32 Unterrichtsstunden umfasst der Wochenplan in der Klasse, vier Stunden entfallen auf Gesundheitsfächer, sechs Stunden auf die Praxis. Das erste Halbjahr verbringen die Schüler ausschließlich an der BBS, im zweiten Halbjahr absolvieren sie zwei Praxistage wöchentlich. Damit sieht Schulleiter Stefan Eichenlaub den Anspruch erfüllt, „Schule und praktische Ausbildung“ für den einfacheren „Einstieg in den Stellenmarkt miteinander zu verzahnen“.

Vorbereitung auf einen „krisensicheren Job“

Den praktischen Unterricht erteilt Andrea Hertzel als Pflege- Fachpraxis-Lehrerin. Dank der allgemeinbildenden Fächer wie Deutsch oder Mathematik können die Schüler – alle mit dem Abschluss der Berufsreife – nach dem einjährigen Bildungsgang zum Erwerb des Sekundarabschlusses I (der Mittleren Reife) in die Berufsfachschule 2 wechseln.

Was den Zuspruch für das neue schulische Angebot betrifft, äußert sich der Schulleiter trotz der aktuell mit 17 Schülern noch kleinen Klasse zuversichtlich. „Wer sich dafür entscheidet“, erklärt er, „steuert einen krisensicheren Job an, der in Zukunft wohl auch besser bezahlt wird, mit der Perspektive, in der Region bleiben zu können“.

Peter Spitzer: Hoher Bedarf an Pflegekräften

Auch Peter Spitzer als Vertreter des Schulträgers sprach von einer „nachhaltigen Ausbildung“. Die Schule habe dafür das durch den Träger finanzierte Konzept entwickelt. Spitzer verwies auf den hohen Bedarf an Pflegekräften, bedingt durch den demografischen Wandel, der gerade hierzulande Wirkung zeige. Zähle doch der Landkreis Südwestpfalz zu den Regionen in der Pfalz mit dem höchsten Seniorenanteil in der Bevölkerung. Pflegeberufe seien deshalb „sichere Zukunftsberufe“.

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