Kreis Südwestpfalz Im Moment brauen sie hier noch zu zweit
Von 1823 bis 1990, in der Ära der örtlichen Schloss-Brauerei, war der Gerstensaft dieses Unternehmens aus Neunkirchen nicht wegzudenken. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der Hüttenstadt vier kleinere Brauereien. Jetzt ist zumindest eine wieder da: Am Mittwoch hat die Gastwirtsfamilie Bach eine Abfüllanlage in Betrieb genommen. Stündlich will sie künftig bis zu 1100 Flaschen Craftbier produzieren.
Schon seit einigen Jahren betätigt sich Julian Bach als Brauer. Seine Biere stehen auf der Getränkekarte im Gasthaus seiner Mutter Petra – der Fischerhütte am Angelweiher im Neunkircher Stadtteil Furpach. Bald soll der Bier-Ausstoß der jungen Marke Bach’s von jetzt 600 Hektoliter auf bis zu 5000 Hektoliter pro Jahr gesteigert werden. „Julian Bach und ich machen im Moment alles noch zu zweit“, sagt der eigens eingestellte Braumeister Jürgen Deckarm: „Ich nehme an, dass wir bald mehr Personal brauchen.“ Der Braumeister aus St. Ingbert, übrigens ein Großcousin von Handball-Legende Joachim Deckarm, hat mit seinem Chef Julian Bach in den vergangenen Jahren Erfahrungen in der Bierherstellung gesammelt – wenn auch im eher kleinen Rahmen. „Unter anderem hatten wir zur Neunkircher Aufführung ,Die Päpstin’ ein Musical-Bier geliefert. Und als wir auf einer Messe ein Whisky-Bier vorstellten, gab es Anfragen aus halb Europa. Die konnten wir damals gar nicht alle bedienen“, erinnert sich Julian Bach. Jetzt soll in der Braumanufaktur mehr Professionalität Einzug halten. Sichtbares Indiz dafür sind die neuen Produktionsräume in einem angemieteten Industriegebäude an der Wellesweiler Straße mit der 110 000 Euro teuren neuen Abfüll- und Etikettiermaschine aus Italien. Insgesamt hat die Familie Bach bislang runde 225 000 Euro in ihren neuen Brau-Standort investiert. „Eigene Etiketten im Zacken-Design haben wir auch schon“, erklärt Julian Bach: „Und mit unserem Bierstand samt Kühlanhänger können wir ganze Feste eigenhändig beliefern.“ Zur RHEINPFALZ sagt der Brauerei-Inhaber, dass man mit der Produktion der Biersorten Helles, Dunkel, Weizen und Pils angefangen habe. Bach will versuchen, vom aktuellen Craftbier-Trend zu profitieren, dessen Anhänger auf sorgsam eingebraute Spezialbiere aus kleiner, aber feiner Produktion schwören. In einem weiteren Schritt sollen Sorten wie Doppelbock, Porter und Indian Pale Ale (IPA) hinzukommen. Abgefüllt wird der Gerstensaft in Flaschen, in Fünfliter-Dosen und in Fässer mit 15, 30 und 50 Litern Rauminhalt. Aber im Moment warten die Neunkircher Brauer immer noch ungeduldig auf das Eintreffen ihrer Bierkästen mit aufgedrucktem Bach’s-Logo: „Die haben wir schon zu Jahresbeginn bestellt“, bedauert Julian Bach: „Leider ist beim Lieferanten schon ein paarmal was dazwischengekommen.“ Dabei werden die Kisten dringend gebraucht. Schließlich ist das junge Unternehmen auf einen funktionierenden Vertrieb seiner Erzeugnisse angewiesen. „Wir planen, verschiedene Einzelhändler in der Region mit unserem Bier zu beliefern“, erklärt der Firmenchef. Bei Michael Jung, der bei der Globus-Gruppe für den Einkauf im Bereich Bier/Getränke zuständig ist, sind Bach und Braumeister Deckarm bereits auf offene Ohren gestoßen. „Wir sind daran interessiert, das Bier in unser Sortiment aufzunehmen – beginnend in unserem Markt in St. Wendel“, sagt Jung zur RHEINPFALZ. Ob die Zusammenarbeit auch auf andere Globus-Märkte ausgeweitet wird, hänge von den Produktionskapazitäten der jungen Brauerei ab – „und davon, wie es am Ende der Kunde annimmt“, so Jung. Derweil sieht Neunkirchens Oberbürgermeister Jürgen Fried beim von Bach angepeilten Jahresausstoß von 5000 Hektolitern noch „Luft nach oben“: „Da wird man schon wehmütig, wenn man bedenkt, dass Schloss zu seinen Glanzzeiten 400 000 Hektoliter Bier pro Jahr gebraut hat.“