Rodalben
Hochzeiten: Sophie Stora bietet authentische Videos statt inszenierter Fotos
Sophie Stora hat sich wissenschaftlich mit dem Thema Marketing im Internet auseinandergesetzt. Der Titel ihrer Masterarbeit: Influencer Marketing. Aber die 29-Jährige kennt das Thema nicht nur aus der Theorie, sondern auch aus der Praxis. In den Sozialen Netzwerken kennt sie sich aus. Vor allem bei Instagram, wo sie selbst als Influencerin erfolgreich ist und knapp 100.000 Follower hat. Im vergangenen Jahr hat sie ihren langjährigen Partner geheiratet und ist dabei auf eine neue Geschäftsidee gestoßen.
Nach der Hochzeit habe sie fast zwei Monate auf die Aufnahmen des Hochzeitsfotografen gewartet. Sie hätte nicht nur die Bilder gerne früher in Händen gehabt, sondern auch Videos vom Tag geschaut. Aber es gab so gut wie kein Videomaterial, weil die Gäste alle gefeiert haben und offenbar nur wenig Zeit mit dem Handy verbracht hatten. „Genau so sollte es sein. Unsere Gäste haben das Fest genossen, aber uns haben Videos gefehlt“, erzählt Stora. Sie hätte sich beispielsweise eine Aufnahme von der Rede ihres Vaters gewünscht. „Ich hätte gerne die kleinen Momente festgehalten“, sagt die Unternehmerin.
Trend aus den USA
In den USA gibt es schon länger sogenannte Wedding Content Creators, also Menschen, die Hochzeiten aus der Social-Media-Perspektive begleiten, weniger aus Sicht des klassischen Fotografen. Es geht dabei um kurze, emotionale Clips. In Deutschland greifen mittlerweile zunehmend Paare auf diese Dienstleistung zurück. Auf diesem Markt will Sophie Stora jetzt ebenfalls aktiv sein.
So schnell die Idee geboren war, machte sie sich an die Umsetzung, erstellte eine Homepage und nutzte ihren Instagram-Account für Werbung. Es dauerte nicht lange, bis erste Anfragen bei ihr eintrudelten. Nun will sie diesen Geschäftszweig ausbauen und hofft auf weitere Aufträge, erste Anfragen für 2026 haben sie schon erreicht, erzählt Sophie Stora: „Die Saison fängt erst an.“
Realistisch statt inszeniert
Als Wedding Content Creator wirbt sie mit realistischen Videos statt inszenierter Fotos. Die Brautpaare haben das Nutzungsrecht an den Aufnahmen, können sie also auf digitalen Kanälen ausspielen, Freunden per WhatsApp schicken oder einfach alleine auf dem Sofa anschauen. Im Gegensatz zu den klassischen Fotografenbildern erhalten die Paare das Rohmaterial, das sie nach Wunsch auch selbst weiterverarbeiten können. Weil die Aufnahmen möglichst authentisch sein sollen, bevorzugt Stora hochformatige Aufnahmen mit dem Smartphone.
Die Erstellung von professionellen und gleichzeitig authentisch wirkenden Videos ist ihr tägliches Geschäft. Mit ihrem Unternehmen „sosocial agency“ betreut sie Firmen aus unterschiedlichen Branchen wie Gastronomie und Handwerk, aber auch eine Parfümeriekette gehört zu ihren Kunden. Je nach Auftrag erstellt sie für sie Videos, überlegt sich Ausspielpläne für Instagram und schult bei Bedarf Mitarbeiter im Umgang mit Sozialen Netzwerken. Acht Posts pro Monat brauche es, um sichtbar zu sein, rät Stora den Firmen, deren Geschäftsmodell vor ein paar Jahren das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium überzeugte. In der Anfangsphase erhielt sie ein Gründerstipendium, in der Südwestpfalz stieß sie in eine Marktlücke.
Darauf hofft sie nun wieder mit ihrem neuen Geschäftszweig. Sie bietet verschiedene Pakete mit unterschiedlichen Leistungen an. Los geht es bei einem Angebot für 690 Euro. Je nachdem, was die Brautpaare wünschen, können sie weitere Leistungen dazu buchen. In jedem Fall sollen sie die digitalen Inhalte schnellstmöglich zur Verfügung haben. „Ich setze mich da selbst unter Zeitdruck“, weiß Sophie Stora: Die Bilder und Videos sollen in der Regel binnen 24 Stunden zum Download fertig sein. Bei ihrer eigenen Hochzeit hätte sie gerne am nächsten tag solche Aufnahmen gehabt. Vor dem Hintergrund sagt sie: „Ich will Brautpaaren eine Freude machen.“
