Pirmasens / Thaleischweiler-Wallhalben
Hochwasser: So wird das Felsalbtal gesichert [Mit Bilderstrecke]
„Beim Pfingsthochwasser 2024 stand das ganze Felsalbtal unter Wasser“, erzählt Maria Jäger. Die Leiterin des Forstreviers Zweibrücken erinnert sich noch genau daran, wie das Wasser der Felsalbe in dem schmalen Tal unterhalb von Windsberg immer höher stieg.
Das Regenwasser schoss ungebremst von den steilen Hängen der umliegenden Bergrücken herab. Die Spuren, die es dabei in den Waldboden gegraben hat, sind heute noch deutlich zu sehen.
Regenwasser möglichst lange im Wald halten
Das Pfingsthochwasser habe gezeigt, wie wichtig das Thema Wasserrückhalt im Wald ist, betont Florian Kemkes, Leiter des Forstamts Westrich. Im vergangenen Jahr hat das Forstamt im Felsalbtal ein Projekt gestartet, mit dem das Regenwasser möglichst lange im Wald gehalten werden soll. Auf einer Fläche von rund 330 Hektar Staatswald, der die Hänge des Felsalbtals säumt, werden dazu verschiedene Maßnahmen umgesetzt, sagt Regionalförster Janis Welz, der für das Projekt zuständig ist und es gemeinsam mit Maria Jäger entwickelt hat.
„Wasserrückhalt fängt immer oben an“, sagt Welz. „Oben“, das sind in diesem Fall weite Flächen hinter Windsberg, die landwirtschaftlich genutzt werden. Die Felder liegen über der Baumgrenze und fallen leicht geneigt zum Wald hin ab. Im Falle von Starkregenereignissen gebe es auf den Feldern wenig, was das Wasser bremst, bevor es Richtung Tal fließe, schildert Welz.
Maßnahmen entlang der Wirtschaftswege
Genau an dieser Stelle begannen vor rund einem Jahr die Arbeiten. Das Projekt verfolgt vier zentrale Ansätze: Das Wasser soll verteilt statt gebündelt, die Fließgeschwindigkeit reduziert, das Wasser gezielt gelenkt und möglichst im Wald gehalten werden.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Wirtschaftswegen: Auf den verdichteten Flächen kann das Wasser nicht versickern, stattdessen nimmt es vor allem auf den Wegen schnell Fahrt auf, wenn es in Richtung Tal fließt. Sogenannte Abschläge sollen das künftig verhindern. Das sind verdichtete Mulden in den Wegen, über die das Wasser in die Fläche fließen soll.
Rechts und links entlang der Wirtschaftswege sind zudem zahlreiche Flutmulden angelegt: Das sind tiefe Löcher, in denen sich das Regenwasser sammelt. Sie sollen das Wasser auf seinem Weg bremsen. Bereits nach kurzer Zeit steht in den Mulden Wasser, das als zusätzlicher Lebensraum für Amphibien im Wald dient, erklärt Welz. Den ersten Froschlaich in einem der Becken hat der Regionalförster schon fotografiert.
Wasser möglichst breit in die Fläche bringen
In etwas größeren Abständen leiten Durchlässe – das sind Rohre von mindestens 40 Zentimeter Durchmesser – das Wasser unter den Wirtschaftswegen hindurch. Vor den Rohren befinden sich Absetzbecken, in denen sich das Wasser ebenfalls staut. Zusätzlich können sich Sedimente absetzen, bevor das Wasser durch das Rohr abfließt. Die Durchlässe führen jeweils in den Wald, damit sich das Wasser auf einer möglichst breiten Fläche im Bestand ausbreiten kann.
Neben dem Hochwasser-Schutz sollen die Maßnahmen auch in Dürreperioden helfen: Indem das Wasser länger im Wald gehalten wird und dort versickert, könnte es helfen, das Waldökosystem zu entlasten. Solche Maßnahmen ließen sich am besten in jungen Beständen umsetzen, da die Bäume sich dann an die schwankende Wasserversorgung gewöhnen könnten, sagt Welz.
Das Projekt werde nach und nach entlang des Felsalbtals umgesetzt, der zweite Abschnitt in Richtung Dusenbrücken ist gerade fertig gestellt worden. Bisher seien rund 20.000 Euro in das Projekt investiert worden, sagt Welz.
