Merzalben RHEINPFALZ Plus Artikel Hier wird man mitten im Pfälzerwald Forstamtschef auf Zeit

1903 nahm das Forstamt den Betrieb auf. Das stattliche Haus wurde 1901 gebaut.
1903 nahm das Forstamt den Betrieb auf. Das stattliche Haus wurde 1901 gebaut.

Dennis Müller hat das 125 Jahre alte Forstamt Merzalben zum Hostel umgewandelt. Das zieht Wanderer und Mountainbiker an.

„Stattlicher historisierender Krüppelwalmdachbau, um 1900“, heißt es in der Liste der Merzalber Kulturdenkmäler. Die Rede ist vom Forsthaus in der Höhstraße, das mehr als 120 Jahre alt ist, aber nicht das älteste Forsthaus in Merzalben ist. Das steht in der Hauptstraße und wurde 1803 erbaut. 2003 wurde das Forstamt Merzalben aufgelöst, das Haus in der Höhstraße wurde 2009 von der Forstverwaltung verkauft. Seit 2019 ist es ein Hostel. Der Hostelbereich ist im Erdgeschoss, wo früher die Forstverwaltung arbeitete, und im Keller, wo es Duschen, eine Sauna und einen Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile gibt. Dieser ist eher spartanisch eingerichtet, „er bietet aber alles, was die Leute wollen“, fügt Eigentümer und Betreiber Dennis Müller an. Im großen Kühlschrank gibt es Getränke, Wanderer finden immer eine Notfallration mit verschiedenen Schnellgerichten vor.

Seit 2019 betreibt Dennis Müller das Hostel Forsthaus Merzalben.
Seit 2019 betreibt Dennis Müller das Hostel Forsthaus Merzalben.

Die frühere Dienstwohnung im Obergeschoss nutzt Müller privat. Mittlerweile gibt es im Hostel vier Zimmer mit neun Betten. Ein Teil davon sind Pflegebetten. „Das ist ein Angebot für Gäste, die bestimmte Einschränkungen haben“, bemerkt er. Im Garten gibt es Spielmöglichkeiten für Kinder, zwei Teiche wurden angelegt, ein alter, großer Baum spendet Schatten. Die ehemaligen Forstgaragen im Hof wurden zum Aufenthaltsraum mit Theke und Kamin umfunktioniert.

Der Garten des ehemaligen Forsthauses wurde neu angelegt, es gibt jetzt auch einen kleinen Teich.
Der Garten des ehemaligen Forsthauses wurde neu angelegt, es gibt jetzt auch einen kleinen Teich.

Hostel-Betreiber Dennis Müller ist nicht vom Fach. Er ist Diplom-Betriebswirt im Bereich Steuerrecht und hat als Controller gearbeitet, unter anderem auch beim Portal last-minute.de. „Da hatte ich schon Berührungspunkte gehabt“, sagt er. Dass er dann in Merzalben gelandet ist, sei das Resultat einer privaten Neuorientierung gewesen. „Das Hostel war zunächst als Nebenprojekt geplant, in meinem Hauptjob war ich nicht mehr ganz so glücklich“, erzählt er. Mittlerweile hat er einen zweiten, größeren Beherbergungsbetrieb, er betreibt seit 2024 das Landhotel Neding in Hauenstein. Das hatte auch Auswirkungen auf den Hostelbetrieb. „Vorher hatte ich viele Monteure hier, die sind jetzt im Hotel“, berichtet er. Fast ein Drittel der Gäste kamen aus dieser Gruppe. „Mittlerweile sind es überwiegend Wanderer und Mountainbiker“, erzählt Müller. Die meisten Gäste haben eine Anfahrtszeit von bis zu zwei Stunden. „Gäste, die den Fernwanderweg laufen, kommen aber auch von weiter her“, ergänzt er.

Saison beginnt um Ostern

Im Hostel mieten sich bevorzugt Gruppen ein. Um Ostern beginnt die Saison, dann zieht die Nachfrage an. Müller bewirbt das Hostel in Buchungsportalen wie booking.com und AirBnB. „Wir haben auch viele Direktbucher“, berichtet er. Die Gäste, die über die Homepage des Hostels buchen, seien gut informiert über die Lage und die Situation vor Ort. „Ich biete zwar eine Grundversorgung mit Getränken an, aber das Hostel ist ein Selbstversorgerhaus“, sagt Müller. „Die, die zum Wandern kommen, sind vorbereitet, sie wissen, dass sie ohne Auto keine frischen Brötchen bekommen“, fügt er an.

In einem Teil der Zimmer des Hostels gibt es Pflegebetten.
In einem Teil der Zimmer des Hostels gibt es Pflegebetten.

„In meinem besten Jahr hatte ich fast 2000 Übernachtungen, da lag die Auslastung bei 80 Prozent“, erzählt er. Zur Kostendeckung benötigt Müller im Hostel zwischen 700 und 800 Übernachtungen pro Jahr, das entspricht einer Auslastung von 40 Prozent. „Seit ich das Landhotel habe, bin ich aber nicht mehr so fokussiert auf das Hostel“, räumt er ein. Ohne die Unterstützung seiner Frau Claudia könnte er das alles nicht bewältigen, betont er. Sie sei an allen Entscheidungen beteiligt, sie sei auch für die Gestaltung und Dekoration im Forsthaus verantwortlich. Müller ist zufrieden mit der Entwicklung. „Es gab Jahre mit Gewinn, jetzt läuft es kostendeckend durch“, sagt er. Vor der Saison hat sich im Haus wieder etwas getan. „Wir haben wieder etwas neu gemacht, haben die Vorhänge getauscht, andere Bilder aufgehängt“, erzählt er.

Vor kurzem wurde das Hostel Forsthaus Merzalben als „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“ zertifiziert. Dass das ehemalige Forsthaus auf Wanderer eingestellt ist, sieht man in dem im Jahr 1903 in Dienst gestellten Gebäude. Es gibt reichlich Informationen zu Zielen in der Umgebung, zu Wander- und Radwegen und persönliche Empfehlungen. „Wir können eigentlich zu allem etwas sagen“, bemerkt er. Zusammen mit seinem Sohn gibt er den Gästen Tipps, kann Wanderwege empfehlen und hält Informationsmaterial bereit.

Teleskop für Sternengucker

Schon seit fünf Jahren ist Dennis Müller mit seinem Hostel „Gastgeber unter den Sternen“. Er verzichtet nicht nur auf eine üppige Beleuchtung des historischen Baus, er stellt seinen Gästen auch ein Teleskop zur Verfügung, damit diese selbst zu Sternenguckern werden können. Als idealen Aussichtspunkt empfiehlt er die Burg Gräfenstein mit ihrem einzigartigen siebeneckigen Bergfried.

Im Keller ist eine Sauna untergebracht.
Im Keller ist eine Sauna untergebracht.

Dass das Forsthaus ein Denkmal ist, stellt den Betreiber vor Herausforderungen. „Wärmepumpe, Solar, alles, was heute möglich ist, wird wegen des Denkmalschutzes schwierig“, bemerkt er. Eine sechsstellige Summe investierte er in die Erneuerung der Fenster, weil diese den Anforderungen des Denkmalschutzes entsprechen mussten. Ein paar Ideen für das Haus hat Müller noch. Er will es behindertengerechter machen, einen kleinen Lift im Treppenhaus einbauen, eine Pflegebadewanne anschaffen. Er will ein Angebot für Gäste, die mobil sind, aber Einschränkungen haben, schaffen. „Das wird die Zukunft sein“, fügt Müller an.

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