Bitsch RHEINPFALZ Plus Artikel Heizen mit Holzresten: Wie Bitsch fossile Brennstoffe ablöst

In Rekordzeit wurden zwölf Kilometer Fernwärmeleitung von den Kasernen bis in die Stadt verlegt.
In Rekordzeit wurden zwölf Kilometer Fernwärmeleitung von den Kasernen bis in die Stadt verlegt.

Das kleine lothringische Bitsch macht Druck beim Klimaschutz. Innerhalb eines Jahres wurden ein Fernwärmenetz und ein Heizkraftwerk aus dem Boden gestampft.

Zwölf Kilometer lang ist das Fernwärmenetz, das aus dem Gewerbegebiet vor den Toren der Stadt in Richtung Hagenau über die Militärkaserne bis in die Innenstadt und zum anderen Ende der Stadt mit dem Gymnasium Teyssier reicht. Zum Vergleich: Die Stadtwerke Pirmasens haben ein 16 Kilometer langes Fernwärmenetz mit 200 Kunden.

44 Kunden gebe es derzeit für das Bitscher Netz, erzählt Jérémie Wagner, Direktor des städtischen Energieversorgers Régie, der das Projekt umsetzt und die Anlage später betreiben soll. Das hört sich nach wenig an. Es sind aber Großkunden wie das Militär, die Stadtverwaltung, Schulen und das Krankenhaus sowie Schwimmbad und Kinderkrippen.

Der Direktor des Bitscher Energieversorgers Régie, Jérémie Wagner, vor einem der Öfen, in dem die Holzhackschnitzel verheizt wer
Der Direktor des Bitscher Energieversorgers Régie, Jérémie Wagner, vor einem der Öfen, in dem die Holzhackschnitzel verheizt werden sollen.

Das sind insgesamt 114 Gebäude, die bisher mit Gas, Öl und sogar noch Kohle geheizt wurden. Die Armee setzte immer noch auf eine Kohleheizung. Wagner hofft auf eine Abnahme von 26 Millionen Kilowattstunden aus dem neuen Heizkraftwerk im Jahr. Das entspreche einer Wärmemenge für 4400 Haushalte. Bei den 44 Abnehmern werde es nicht bleiben.

Zahl der Abnehmer soll wachsen

Im September vergangenen Jahres starteten die Arbeiten – inklusive einer Fernwärmeleitung, die in kürzester Zeit durch die Stadt verlegt wurde. Am 15. September soll die Inbetriebnahme des Heizkraftwerks sein, verspricht Wagner und ist sehr zuversichtlich beim Rundgang über die Baustelle. Die riesigen Heizkessel, Filter und Pumpen stehen. Es gibt je zwei Heizkessel für Gas und Holz.

Die Gaskessel sollen nur 15 Prozent der Energie bringen, wenn es besonders kalt ist, erklärt Wagner. Die meiste Zeit sollen die Holzkessel laufen. Die haben eine Leistung von 15.000 Kilowatt und werden mit Abfallholz aus hiesigen Sägewerken betrieben sowie Schwachhölzern aus den Wäldern im Département Moselle. Verheizt werden nur Hölzer, die auf dem Markt sonst keine Verwendung für Bauholz oder Industriehölzer finden, versichert Wagner.

Am 15. September wird das neue Holzheizkraftwerk am Stadtrand von Bitsch in Betrieb genommen.
Am 15. September wird das neue Holzheizkraftwerk am Stadtrand von Bitsch in Betrieb genommen.

Das Brennholz wird gehackt und kommt ohne Trocknung direkt in die großen Holzbunker neben dem Heizkraftwerk. Wagner schätzt den Wert des Holzes, das durch Régie Bitsch angekauft wird auf rund 580.000 Euro im Jahr. Eine Summe, die normalerweise an Gas- oder Ölkonzerne gezahlt würde, aber mit dem Heizkraftwerk in der Region bleiben wird.

Biogasanlage wäre noch machbar

Ganz stolz ist der Régie-Direktor über den Feinstaubfilter im Kraftwerk. Die riesigen Filterblöcke könnten den Feinstaubgehalt auf den technisch derzeit möglichen Minimalwert senken. Nach den Filtern schließe sich zudem eine Wärmerückgewinnung an, um aus dem Abgas noch den letzten Rest an Wärme rauszuholen. Die Asche werde als Dünger in die Landwirtschaft geliefert.

Die Kosten der Anlage und des neuen Netzes beziffert Jérémie Wagner auf 23 Millionen Euro. 7,9 Millionen davon seien als Förderung von der staatlichen Agence de la transition écologique gekommen, einer Agentur für den ökologischen Umbau in Frankreich. Ohne den Zuschuss und vor allem das Militär als Großabnehmer wäre das Projekt nicht möglich gewesen, schätzt Wagner.

Das Heizkraftwerk sieht er übrigens nur als ersten Schritt. Hinter dem Kraftwerk ist noch ein großes Gelände frei, auf dem eine Biomüll-Vergärung errichtet werden könnte. In der könnten die Bioabfälle aus einem Umkreis von 15 Kilometern zu Biogas umgewandelt werden, mit dem dann Wärme und Strom produziert werden könnte. Das Projekt sei aber noch in einem sehr frühen Planungsstadium, so Wagner.

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