Dahner Felsenland
Heimatgeschichte: Wie sich der Lauf der Wieslauter im Dahner Felsenland veränderte
Viele ahnen nicht, dass die Lauter im Wasgau stellenweise einst ein ganz anderes Bett hatte. Fließgewässer folgen dem natürlichen Gefälle und suchen den Weg des geringsten Widerstands entlang von Tälern und Niederungen. Warum verlaufen Flüsse in Kurven? Diese sogenannten Mäander entstehen über Jahrtausende durch natürliche Prozesse. Auch Hindernisse wie Steine oder Baumstämme verändern Strömung und Verlauf.
Wie die Lauter früher durchs Tal floss, zeigen vor allem alte Karten. Sie bieten einen hervorragenden Überblick und machen den Reiz des Sammelns aus. Historische Zeichnungen sind jedoch selten. Als besonders hilfreich erwiesen sich die relativ spät einsetzenden Karten der bayerischen Landvermesser aus den Jahren 1820 bis 1840. Sie wurden staatlich erstellt, vor allem als Grundlage für die Grundsteuer, und sind für den Landkreis Südwestpfalz fast lückenlos erhalten.
Fluss an vielen Stellen kanalisiert
Wer hineinschaut, wird staunen, welchen Weg die Lauter vor rund 200 Jahren durchs Tal nahm. Die Ursachen für die Veränderungen sind vielfältig. Die Natur sorgte durch das Mäandern für Verschiebungen – bis heute. Meist aber griff der Mensch ein: Begradigungen erleichterten etwa das Holzflößen. Die Lauter wurde von Hinterweidenthal bis Weißenburg dafür genutzt. Zudem entstanden Schleusen für die Wiesenbewässerung, Bewässerungsgräben und befestigte Ufer, oft in den Ortslagen, um Überschwemmungen zu verhindern. Auch an Mühlen wurde der Lauf kanalisiert.
Von einer frühen Begradigung ist in alten Archivalien zu lesen: Am Donnerstag, 8. September 1615, schrieb Hans Reinhard, Graf zu Hanau, aus dem Schloss Lemberg an den Deutschordenskomtur in Weißenburg. Er beabsichtige, „etliche hundert Stück Holtzes uff der Lauter fortflötzen zu lassen“ und bei der „Durchgrabung solcher Bach“ schneller voranzukommen, wobei auch „Teutsch-Ordens Güther“ bei Schlettenbach betroffen seien. Er bat um Genehmigung – obwohl er insgeheim bereits mit den Arbeiten begonnen hatte. Er zahlte „gemeinen Mann im Schlettenbacher Tal für ein Ruethen an Wiesen, so man wessert, 10 Batzen, und für ein Ruethen, so man nicht wessern khann, 5 Batzen“. Der Eingriff ohne vorherige Erlaubnis hätte damals wie heute wohl einen langen Rechtsstreit ausgelöst. Die Urkunde belegt die frühe Flößerei auf der Lauter und zeigt, dass es schon vor dem Dreißigjährigen Krieg bewässerte Wiesen gab.
Artenvielfalt in der Wieslauter „mäßig“
Flussbegradigungen können sicherlich für den Menschen hilfreich sein. Der Natur hingegen schaden sie in den meisten Fällen. Mäander sind wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Besonders Kleinstlebewesen gelten als Indikatoren für die Gewässerqualität. Im sogenannten Saprobiensystem werden je nach nachgewiesenen Arten Belastungsstufen von „nicht belastet“ bis „übermäßig verschmutzt“ vergeben.
Zum aktuellen Zustand der Wieslauter liegt eine wissenschaftliche Veröffentlichung des Umweltministeriums vor. Demnach wird die Umweltqualitätsnorm eingehalten, der chemische Zustand ist gut, die ökologische Bewertung fällt jedoch „mäßig“ aus. Die Artenvielfalt typischer Insektengruppen wie Eintagsfliegen, Steinfliegen und Köcherfliegen wird ebenfalls als „mäßig“ bewertet.
Die Ergebnisse zeigen: Die Wieslauter ist nicht in optimaler Verfassung, obwohl sie überwiegend durch den Pfälzerwald fließt. Die genannten Eingriffe haben sicherlich zur Verschlechterung beigetragen.
Viele standortfremde Tiere siedeln sich an
Das hat man auch in den Verwaltungen und Ministerien erkannt. Von ihnen wurden schon in der Vergangenheit verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um dem entgegenzuwirken. Dazu gehören die flächendeckende Abwasserkanalisierung und der Bau von Kläranlagen. In neuerer Zeit erfolgte beispielsweise der Umbau der Wieslauter-Wehre, um die Durchgängigkeit der Wieslauter für den Fischzug (Aktion Blau) zu verbessern. Das Aussetzen von Lachsen im Bienwald zeigt am Oberlauf bislang keine sichtbaren Erfolge.
Hingegen konnten sich standortfremde Tierarten an der Lauter fast rasant verbreiten. Zu nennen sind hier beispielsweise Signalkrebse aus Nordamerika, welche die Existenz heimischer Bachkrebse bedrohen, oder der Nutria. Glücklicherweise ist der hier einmal heimisch gewesene Biber wieder im Anmarsch. Erfreulich ist auch, dass die Bachamsel, der Eisvogel und der Silberreiher wieder im Lautertal bewundert werden können. Andere Tierarten haben das bisher nicht so gut geschafft.
Begradigungen zurücknehmen
Weitere Anstrengungen zur Verbesserung des Zustands der Wieslauter sind daher notwendig. Ein zentraler Ansatz ist die Rücknahme von Uferbefestigungen und Begradigungen. An elf Beispielen dokumentiert der Wanderplan größere Veränderungen des Flusslaufs von Hinterweidenthal bis zur Bundesgrenze. Gegenüberstellungen von früher und heute machen die Eingriffe deutlich sichtbar.