Dellfeld / Walshausen / Nünschweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Handlungsbedarf in Dellfeld: Im schlimmsten Fall muss die Kita zumachen

Dellfelds Kita ist viel zu klein. Passiert nichts, erlischt kommendes Jahr die Betriebserlaubnis.
Dellfelds Kita ist viel zu klein. Passiert nichts, erlischt kommendes Jahr die Betriebserlaubnis.

Die Dellfelder Kita ist zu klein. Passiert nichts, erlischt womöglich die Betriebserlaubnis. Auf drei Dörfer kommt wohl ein Millionenprojekt zu.

„Wo fangen wir an?“, versuchte sich Dellfelds Ortsbürgermeister Marcus Spies in einer betont entspannten Einleitung in die Kita-Diskussion im Gemeinderat am Dienstagabend. Erich Buchmann von den Freien Wählern antwortete darauf spitz: „Mit Bauchweh!“ Dellfelds Kita ist zu klein. Seit Mai 2025 werden täglich 100 Kinder in der Einrichtung betreut – Kinder aus dem Dorf, aus Walshausen und Nünschweiler. „Damit laufen wir schon am Limit“, machte Spies deutlich. Fürs kommende Kitajahr wird ein Bedarf von 139 Plätzen ausgewiesen. Zudem gibt es in Dellfeld nicht für alle Kindergartenkinder einen Ganztagsplatz, und es gibt keine Plätze für Kinder unter zwei Jahren.

Die Liste der Defizite geht aber noch weiter: kein Kleinkindbereich inklusive Ruhebereich und altersgerechter Sanitärmöglichkeiten, keine Küche, kein Multifunktions- und Bewegungsraum, zu wenig Schlafplätze, kaum Lager für Kita-Betrieb und Kinder, kein Hauswirtschaftsraum, Personalraum, nur eine Toilette für 24 Mitarbeiter, kein Bereich für Elterngespräche, keine Matschschleuse sowie fehlende moderne Standards bei Licht, Lärmschutz, Beschattung, Klima, Heizung und Isolierung. Aktuell gilt die Betriebserlaubnis für die Dellfelder Kita nur noch bis August 2027. Spies macht deutlich: „Sollte bis dahin kein Fortschritt für die Modernisierung und Erweiterung des Standorts nachgewiesen werden können, erlischt die Betriebserlaubnis.“ Das heißt: Im schlimmsten Fall muss die Einrichtung geschlossen werden.

Drei Varianten, alle für viel Geld

Es gibt drei Varianten, die für genügend Kita-Plätze sorgen könnten. Die erste ist eine Erweiterung am Kita-Standort in Dellfeld. Sie sieht an der Südseite einen Anbau vor, die Größe der Erweiterung erstrecke sich auf rund 1400 Quadratmeter. Das Grundstück gehört nicht der Gemeinde, die Eigentümerin ist laut Spies jedoch bereit, ihr Land zu verkaufen. In dem Anbau würde der U2-Bereich samt altersgerechten Sanitärbereich und Schlafräume untergebracht, zudem Gemeinschaftsräume, Bistro und Frischküche, Personalräume und ein Eingewöhnungsraum. Der Anbau ist die teuerste Variante. Frank Strottner vom Bauamt rechnet mit Kosten von 6,8 Millionen Euro. Das Land würde nach aktuellen Förderrichtlinien 380.000 Euro beisteuern, der Kreis 2,5 Millionen Euro. Die restlichen 3,9 Millionen Euro verteilen sich auf Dellfeld (zwei Millionen), Nünschweiler (1,45 Millionen) und Walshausen (470.000 Euro).

Die zweite Variante ist eine Modernisierung und Erweiterung um einen U2-Bereich in Dellfeld, zusätzlich ein Neubau einer dreigruppigen Kita in Nünschweiler. Das würde zusammen gut 4,4 Millionen Euro kosten. Die dritte Variante umfasst ebenfalls Modernisierung und Umbau in Dellfeld, dann würden aber nur noch 80 Kinder dort betreut werden können. Nünschweiler bekäme eine dreigruppige Kita. Die Walshauser würden bei Variante drei in die Röhre gucken: Die Kinder aus der Gemeinde würden auf umliegenden Kitas verteilt.

Kämmerer gibt grünes Licht für Finanzierung

Für die Freien Wähler gab es keine andere Entscheidung, als die teuerste Variante zu wählen. Buchmann: „Die Zusammenarbeit hat sich schon über Jahre bewährt. Aber natürlich ist das viel Geld. Wir werden der Gemeinderat sein, der in den nächsten zehn Jahren die meisten Schulden gemacht hat.“ Auch CDU und SPD sprachen sich für die erste Variante aus. Ortsbürgermeister Spies betonte: „Es ist viel Geld. Aber irgendetwas muss passieren.“ Auf die Frage von Gerda Huber (SPD), ob sich die Gemeinde den Anbau überhaupt leisten kann, erklärte Spies, dass er bereits mit dem Kämmerer hinsichtlich der Finanzierung gesprochen habe. Dieser meinte, dass der teure Anbau möglich wäre, Dellfeld dafür einen Kredit aufnehmen müsste. Spies ergänzte: „Dann wird in den kommenden Jahren aber nicht mehr so viel möglich sein.“

Spies betonte, dass bei der Wahl der Erweiterungsvariante nicht nur finanzielle Argumente eine Rolle spielten. Es gehe auch um die Machbarkeit der einzelnen Varianten, um interkommunale Zusammenarbeit, pädagogische Hintergründe und Konzepte sowie den Grundschulstandort.

Was sagen Nünschweiler und Walshausen?

In Nünschweiler wurde vor ein paar Wochen im Gemeinderat über die Kita-Erweiterung gesprochen. Peter Szallies, Erster Beigeordneter, sagte, dass sich der Rat nicht auf eine der drei Varianten geeinigt hat. „Wir haben gesagt, dass wir das mal aussitzen. Man kann ja die Kita schlecht zumachen und die Kinder auf die Straße setzen.“ Vor allem die Kosten sorgten in Nünschweiler für Bedenken: „Wir investieren ungern in andere Gemeinden. Das ist nicht mal unsere Verbandsgemeinde.“

Auch in Walshausen wurde am Dienstagabend im Gemeinderat über einen Kita-Anbau gesprochen − allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ortsbürgermeister Reiner Reidenbach wunderte sich, dass in Nünschweiler und Dellfeld das Thema im öffentlichen Teil behandelt wurde. Je nachdem, welche Variante gewählt wird, kämen auf Walshausen rund 500.000 Euro Kosten zu. Für das Dorf ist das viel Geld. Reidenbach: „Die Frage ist, ob wir das leisten wollen.“

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