Kreis Südwestpfalz Grenznahe Ausflugstipps: So schön ist das Bitscher Land
Tipp 1: Burgruine Weckersburg
Wenige hundert Meter hinter der deutsch-französischen Grenze liegt das 400-Einwohner-Örtchen Walschbronn. Über ihm thront die Weckersburg, beziehungsweise das, was von ihr noch übrig ist. Vom sanierten Turm haben Besucher eine tolle Aussicht über Walschbronn und Teile des Bitscher Landes. Walschbronn war in früheren Jahrhunderten bekannt für seine Heilquelle. In der Burg wurden einst berühmte Kurgäste empfangen. Gleich neben der Quelle, am Fuße der Burg, befand sich ein „solides und ansehnliches“ Badehaus, heißt es in alten Quellen. Die Kräfte des Heilwassers aus Walschbronn sind vermutlich seit der Antike bekannt. Das Badehaus soll im 12. Jahrhundert von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) errichtet worden sein. Das bitumenhaltige Wasser half wohl gegen Rheuma. Im 16. Jahrhundert lag die Burg in Ruinen; die Bäder waren in schlechtem Zustand. Sie wurden restauriert, während des Dreißigjährigen Kriegs jedoch wie ganz Walschbronn völlig zerstört. Um 1750 machten sich Ärzte und Ingenieure auf die Suche nach der Quelle, sie stießen auf eine Quellfassung mit Becken, in das bitumenhaltiges Wasser floss. Was im Anschluss an diese Grabungen geschah, ist unbekannt. Ab 1766 wird die Quelle nicht mehr erwähnt. Bis heute ist unklar, wo genau die Quelle war oder ist – ein bislang ungelüftetes Geheimnis im Bitscher Land.
Tipp 2: Moulin d’ Eschviller
Von dort, wo sich Frankreich, Rheinland-Pfalz und das Saarland eine Grenze teilen, ist es nicht mehr weit zur ehemaligen Mühle von Eschviller. Dort gibt es nicht nur ein beliebtes Ausflugslokal, sondern auch viel Wissenswertes rund um das Mühlenhandwerk. In den 1930er Jahren beendete ein Feuer dort die Müllerei. Seit 1983 ist dort einiges geschehen: die Wiedereröffnung der Herberge, die darauffolgende Einrichtung einer Dauerausstellung über die Müllerei und schließlich eines pädagogischen Sägewerks. Außerdem gibt es dort ein Bienenhaus, umgeben von Obstgärten auf deren Wiesen schottische Langhaarrinder zu sehen sind. Wer nicht nur wissen will, wie eine Müllerei früher betrieben wurde, sondern einen Einblick in die heutige Zeit möchte, dem sei die wenige Kilometer entfernte Mühle Arnet empfohlen. Im Hofladen im benachbarten Volmunster gibt es Mehl und mehr.
Tipp 3: Bison Ranch
Wer bei Bisons an weite Prärien denkt, war wahrscheinlich noch nicht auf der Bison Ranch bei Petit-Réderching. Weit über 100 der stattlichen Tiere haben dort ein Zuhause gefunden. Die Wiesen des Bitscher Landes dienen als Ersatz für die Prärie. Auf zehn Hektar tummeln sich dort die braunen Riesen. Sauvage et dangereux, also wild und gefährlich, sind sie. Wie viel Wasser sie täglich brauchen und viele weitere Infos zu den beeindruckenden Tieren erfährt man bei einer geführten Rundfahrt durch das Gehege. Dabei sind die Bisons in greifbarer Nähe – aber bitte nicht anfassen! Natürlich dienen die Tiere dort nicht nur touristischen Zwecken. Ihr Fleisch wird unter anderem an Gastronomen geliefert. Wer möchte, kann vor Ort Bisonfleisch kaufen und mit nach Hause nehmen.
Tipp 4: Militärische Bollwerke
Das Grenzland rund um Bitsch spielte in vielen Kriegen zwischen Deutschland und Frankreich eine wichtige Rolle. Davon zeugt nicht nur die beeindruckende Festungsanlage von Bitsch, sondern auch die Überreste der Maginot Linie. Die war Teil einer Strategie des französischen Militärs, das nie wieder einen Feind bis tief ins Land lassen wollte. Rund 20 Kilometer hinter der Grenze zogen sich Bunker und riesige unterirdische Festungen von der belgischen bis zur Schweizer Grenze. Wer mit offenen Augen über die Straßen im Bitscher Land fährt, sieht vielerorts Relikte der Maginot Linie. Besonders bekannt ist der Simserhof. Hierher strömen jedes Jahr mehrere zehntausend Besucher.
Nicht ganz so bekannt, aber dennoch ebenfalls sehenswert, wenn nicht sogar ein Geheimtipp, ist das Fort Casso bei Rohrbach-les-Bitche. Achtung: Für den Besuch der unterirdischen Anlage ist eine Online-Reservierung erforderlich. Empfohlen wird zudem warme Kleidung. Die Innentemperatur beträgt ganzjährig 13 Grad.
Tipp 5: Baden im See
Wer auf der Suche nach Abkühlung an heißen Tagen ist, dem sei der Étang de Hanau empfohlen. Hier gibt es einen Badestrand, Wanderwege und Natur pur. Mit einer Wasserfläche von 18 Hektar lädt der Hanauer Weiher, rund zehn Kilometer von Bitsch entfernt, zum Schwimmen und Wassersport wie Stand-up-Paddeln ein. An einer Seite des Sees erstreckt sich ein mooriges Feuchtgebiet, durch das ein Weg – zum Teil auf Holzstegen – führt. Das Moorgebiet gehört zum „Nationalen Naturschutzgebiet der Felsen und Torfmoore des Bitscher Landes“.
Tipp 6: Kristallmuseum
Weniger Kitsch als vielleicht befürchtet, bekommt der Besucher im Kristallmuseum in Saint-Louis zu sehen. Vielmehr können hier wahre Kunstwerke aus Glas bestaunt werden. Die Manufaktur- und Verwaltungsbauten aus dem 19. Jahrhundert erinnern an die Tradition der Kristallmanufaktur in dem Ort, der früher Münzthal hieß. 2007 wurde das Kristallmuseum „La Grand Place“ in das historische Manufakturgebäude integriert. Die Dauerausstellung zeigt Kristall aus drei Jahrhunderten. Sie zieht sich über mehrere Etagen, ist aber so gebaut, dass sie mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen besichtigt werden kann. An einer Stelle können Besucher den Arbeitern in der benachbarten Glasfabrik über die Schultern schauen. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist ein Kandelaber aus dem Jahr 1895. Damals wurden zwei Exemplare hergestellt. Das Eine für den König von Nepal – es steht heute im königlichen Thronsaal in Katmandu – und das andere gehört der Sammlung von Saint-Louis. Das Meisterstück besteht aus 2000 Teilen, wiegt eine Tonne und ist vier Meter hoch. Wer im Museumsshop einkaufen will, sollte das nötige Kleingeld mitbringen, beziehungsweise Kreditkartenvolumen verfügbar haben. Hier gibt es Einzelstücke, die für einen fünfstelligen Betrag über die Theke gehen.
Tipp 7: Alte Knochen
Auf den ersten Blick skurril-grausig wirkt das Gebeinhaus (Ossuaire) in Schorbach. Es wurde wohl im zwölften Jahrhundert im romanischen Stil erbaut, ist rund neun Meter lang, 5,40 Meter breit und etwa 3,40 Meter hoch. Die Hauptfassade des Kleinods beeindruckt durch ihre Kolonnade mit elf Arkaden. 1889 wurde das Beinhaus zum historischen Bauwerk erklärt. Darin lagern – von außen sichtbar – Knochen. In Schorbach wohnen heute zwar nicht mal mehr 600 Menschen, aber der Ort spielte im katholischen Bitscher Land schon im 12. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Die Christen der umliegenden Dörfer kamen sonntags nach Schorbach in den Gottesdienst, wurden hier getauft, kamen hierher zur Eheschließung und wurden hier beigesetzt. Allerdings war der an die Kirche angrenzende Friedhof irgendwann zu klein, so dass die Knochen der Vorfahren im Beinhaus niedergelegt wurden. Dieser Brauch dauerte bis etwa 1860. Besuchern sei auch der Blick in die Pfarrkirche empfohlen. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Glockenturm geht großteils noch auf die Vorgängerkirche aus dem 12. Jahrhundert zurück.
