Bettviller Glaskunst aus dem Bitscher Land: Rosen und Disteln nicht nur zum Valentinstag

Fabrice Oberhauser geht manchmal mitten in der Nacht in die Werkstatt, um schnell eine neue Idee auszuprobieren.
Fabrice Oberhauser geht manchmal mitten in der Nacht in die Werkstatt, um schnell eine neue Idee auszuprobieren.

Der junge Glaskünstler Fabrice Oberhauser hat seine Werkstatt nahe Bitsch noch nicht lange. Er setzt auf Unikate – bei Weihnachtskugeln ebenso wie bei Rosen und Ostereiern.

Fabrice Oberhauser stammt aus dem für feinste Kristallwaren bekannten Saint-Louis-lès-Bitche. Dort ist er aufgewachsen und ging gleich nach der Schule in die Kristallerie. 18 Jahre lang habe er dort gearbeitet und wollte dann sein eigener Herr sein, erzählt er beim Pressebesuch in seiner Werkstatt in Bettviller bei Bitsch, die gleichzeitig Verkaufsraum ist. Das Gebäude habe er zusammen mit seinem Vater gebaut. Überhaupt ist Oberhauser wichtig, dass alles aus seiner Hand kommt. Das fängt bei den Ideen für Produkte an, geht über das Design bis zur Ausführung in Kristallglas und normalem Glas.

Vor vier Jahren hat er sich selbstständig gemacht und es seither nicht bereut. Jetzt gehe er jeden Tag in seinen eigenen Betrieb und arbeite an den Dingen, die ihm gefallen, erzählt der 34-Jährige – und macht noch schnell eine Rose in Glas fertig. Diese kommt in einen Spezialofen, wo sie in den nächsten Stunden kontrolliert abkühlt. Ansonsten würde sie wegen der großen Temperaturunterschiede zerspringen, erklärt Oberhauser.

„Ich arbeite das ganze Jahr für Weihnachten“

Sein Hauptgeschäft ist kurz vor Weihnachten. Sehr viel Umsatz mache er mit Weihnachtskugeln, die bei ihm allesamt Unikate seien, da er keine Formen verwende – wie andernorts. Seine Äpfel für den Weihnachtsbaum sind alle unterschiedlich und in verschiedenen Größen auf Eierkartons gelagert. „Ich arbeite das ganze Jahr für Weihnachten“, schildert er. Und jedes Jahr lasse er sich eine neue Weihnachtskugelkreation einfallen.

Der Valentinstag naht: Fabrice Oberhauser gestaltet Rosen, aber auch Disteln aus Kristallglas, die in Lothringen besonders belie
Der Valentinstag naht: Fabrice Oberhauser gestaltet Rosen, aber auch Disteln aus Kristallglas, die in Lothringen besonders beliebt sind.

Kurz vor dem Valentinstag läuft die Rosenproduktion auf Hochtouren. In allen Farben fertigt er die gläsernen Rosen. Manche davon werden aufwendig unter einer Glaskuppel mit Beleuchtung verkauft. Der Effekt mag als kitschig empfunden werden, hat aber eine große Wirkung. Die Rosen verkaufen sich laut Oberhauser gut. Noch besser aber gingen die aufwendig hergestellten Distelblumen, die für die Lothringer in der Region mehr als nur ein Unkraut sind. Sie sind ein Symbol, vielen Lothringern regelrecht eine Herzensangelegenheit.

Ein weiterer Renner in seinem Sortiment für den Valentinstag: ein kleines Kristallherz, in dem eine sich aufblätternde Blume zu sehen ist. Die Herzen erinnern an die extrem teuren Briefbeschwerer der Kristallerie in Saint-Louis, was nicht verwundert, da Oberhauser eine ähnliche Technik anwendet.

Nachfrage nach gläsernen Trinkhalmen explodiert

Vor Weihnachten verkaufe er seine Produkte auf mehreren Weihnachtsmärkten und im Touristikbüro der Stadt Bitsch, berichtet der Glaskünstler. Dort demonstriere er auch gerne seine Arbeit live vor Publikum. Ansonsten sei er in der Werkstatt, die ihm langsam zu klein werde. Der große Ofen, in dem 100 Kilogramm Kristall auf den Einsatz warten, der Abkühlofen und weitere Geräte sind in dem Raum zu finden. Dazu kommen ein paar Regale und Vitrinen für die Waren.

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Die sind sehr vielfältig, und Oberhauser scheint sich auf einen ganzjährigen Verkauf einzustellen. Nach den Valentinsrosen und Herzen denkt er schon an Ostern. Beleuchtete Eier aus Kristall sind zu sehen. Pinguine, Hirschkäfer, Pilze und Delfine stehen in verschiedenen Größen im Regal, und eine Serie Frösche wird gerade hergestellt. „Das ist eine Bestellung von einer Frau, die Frösche sammelt“, erzählt er. Ganz praktisch denkt er bei den selbst produzierten gläsernen Trinkhalmen. Seit dem Verbot von Plastikstrohhalmen sei die Nachfrage danach explodiert.

Er wohnt direkt neben der Werkstatt

In der nächsten Zeit wolle er unbedingt erweitern und den Verkaufsraum in einen Anbau verlegen, damit er mehr Platz für die Produktion hat. In dem kleinen Bettviller mit seinen 800 Einwohnern wolle er auf jeden Fall bleiben. „Warum nicht in Bettviller?“, antwortet er auf die Frage nach dem Grund für die Ansiedlung so fernab der großen Touristenströme. Sein Wohnhaus ist direkt neben der Werkstatt, was er als sehr praktisch empfinde: „Wenn ich manchmal nachts eine Idee habe, dann gehe ich einfach rüber in die Werkstatt und probiere es gleich aus. Danach kann ich wieder ruhig schlafen.“

Info

Cristal Oberhauser, 10 Rue de l’école, 57410 Bettviller, E-Mail: cristal.oberhauser@gmail.com

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