Ludwigswinkel Gemeinsames Spiel ohne viele Worte: Kinder der französischen Partner-Kita zu Besuch

Beim Singen und Spielen werden Berührungsängste schnell abgebaut. Erzieherin Sylvie Stocker (im Hintergrund) ist bei den Luwi-Pi
Beim Singen und Spielen werden Berührungsängste schnell abgebaut. Erzieherin Sylvie Stocker (im Hintergrund) ist bei den Luwi-Piraten für das französische Angebot zuständig.

Aufgeregtes Geplapper und Gewusel herrscht auf den Fluren bei den Luwi-Piraten. Einige Kinder drücken sich an den Fenstern die Nasen platt, alle warten gespannt. Endlich biegt ein weißer Bus auf den Dorfplatz vor der Kita ein. Endlich sind sie da, die Kinder aus der französischen Partner-Kita.

Zwei und zwei sich an den Händen haltend steigen Kinder aus dem Bus, gehen durch die Eingangstür und in den großen Turnraum der Kita Luwi-Piraten. Dort werden sie von den Ludwigswinkler Kindern schon freudig erwartet. Heute sind die Kinder der Ècole maternelle aus dem französischen Lembach zu Besuch. Auch Kinder aus dem Partnerdorf Obersteinbach sind dabei. Kinder und Erzieherinnen stellen sich in einem großen Kreis auf. Und dann geht’s auch schon los. Lieder in beiden Sprachen werden gesungen. „Guten Tag, das heißt Bonjour – Danke heißt Merci“, so tönt es durch die Halle. Das Eis ist schnell gebrochen. Paarweise beginnen die Kinder zu den Liedern zu tanzen – deutsch-französisch gemischte Paare, versteht sich. Danach gibt’s Frühstück.

Zweimal im Jahr gibt es diesen Austausch: einmal in Ludwigswinkel, einmal in Lembach. Zu einem dritten Treffen kommen auch die Kinder der Fischbacher Kita dazu. In Ludwigswinkel gehören die Sprache der Nachbarn und die gegenseitigen Besuche zum Kita-Konzept. Ein Glück für die Einrichtung ist Erzieherin Sylvie Stocker aus Obersteinbach. Die Muttersprachlerin ist seit 25 Jahren in der Kita. Anfangs wurde ihre Stelle über ein Projekt finanziert. Als das auslief, war eine reguläre Stelle frei und Stocker wurde angestellt. „Das erleichtert den Erzieherinnen den Kontakt mit den französischen Kollegen erheblich, wenn Sylvie übersetzt“, sagt Erzieherin Nicola Schwarzmüller.

„Partnerschaft heute wichtiger als jemals zuvor“

Seit 15 Jahren besteht die Partnerschaft zur Lembacher Ècole maternelle – und alle sind begeistert. Auch die beiden Eltern aus Lembach, die als Aufsichtspersonen mitgereist sind. Sie sind sich : „Im Kleinkindalter schon die Freundschaft zu den deutschen Nachbarn zu pflegen, ist heute wichtiger als jemals zuvor.“ Die Kinder seien am Anfang sehr ängstlich gewesen, berichtet Stocker. Aber die Berührungsängste habe schnell abgebaut werden können. Die Kinder „finden ihren eigenen Weg, sich zu verständigen, auch wenn sie die Sprache nicht sprechen“.

Spielerisch bringt Stocker den Ludwigswinkler Kindern einmal in der Woche ihr Heimatland näher, dabei lernen die Kinder auch verschiedene Traditionen kennen. „In Frankreich gibt es beispielsweise den Brauch des ,Galette Roi’. Das ist ein Kuchen, den es an Dreikönig gibt und bei dem im Inneren eine kleine Porzellanfigur in Form eines Königs eingebacken wird“ erklärt die französische Erzieherin. Wer beim Essen den König auf dem Teller hat, bekommt die Krone und darf sich einen Partner zum Tanzen aussuchen. „Es gibt Kinder, mit denen habe ich das vor 25 Jahren schon gemacht und die erinnern sich heute noch als Erwachsene daran“, berichtet Stocker begeistert.

Mehr Begegnungen von Familien und Jugendlichen

Natürlich sind an diesem Morgen auch der Ortsbürgermeister Sebald Liesenfeld und der Erste Beigeordnete Ruven Fritzinger zur Begrüßung der Gäste gekommen. Auch ihnen ist die Pflege der Partnerschaft wichtig. „In der Kita sind wir gut aufgestellt“, sagt Liesenfeld. „Ich würde mir allerdings wünschen, dass sich in der deutsch-französischen Begegnung bei den jungen Familien und den Jugendlichen noch mehr entwickelt.“

Inzwischen haben die kleinen Freunde von „hiwwe unn driwwe“ die Kita vollends in Beschlag genommen und spielen, worauf sie Lust haben. „Früher haben wir mehr Programm gemacht“, erzählt Stocker. „Aber wir haben gemerkt, dass die Kinder am besten miteinander in Kontakt kommen, wenn sie einfach zusammen spielen.“

x