Krähenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Frischzellenkur für die alte Dorfschule

„Schmuckstück in der Dorfmitte“ nennt Bürgermeister Thomas Martin das bereits weitgehend sanierte Dorfgemeinschaftshaus.
»Schmuckstück in der Dorfmitte« nennt Bürgermeister Thomas Martin das bereits weitgehend sanierte Dorfgemeinschaftshaus.

„2020“ ist in den Sandstein über dem neu gestalteten Eingang des Krähenberger Dorfgemeinschaftshauses (DGH) eingemeißelt. Aber mit den Arbeiten, die noch zu erledigen sind, klemmt’s. Und durch Corona ging ein Jahr verloren. Zum Ende des Sommers möchte Bürgermeister Thomas Martin die Sanierung endlich abgeschlossen wissen.

Unter der Jahreszahl prangt neuerdings das Wappen von Krähenberg: „Von Schwarz und Blau geviert, oben rechts ein linksgewendeter rotbewehrter und -bezungter goldener Löwe, oben links ein fallender goldener Komet, unten rechts eine schräg gestellte goldene Ähre und unten links fünf silberne Bollen 2:1:2.“ Das Wappen habe man im Haus gefunden und aufpoliert, erzählt Bürgermeister Thomas Martin.

Die neue Sandsteintreppe und der Aufzug fehlen noch

Das war es dann auch an der Vorderfront. Die achtstufige Treppe aus den 70er Jahren soll durch eine dreiseitige Sandsteintreppe ersetzt werden. Vorgesehen ist ferner, auf der rechten Seite des Hauses einen Treppenlift anzubringen. Die Daniel-Theysohn-Stiftung in Ludwigswinkel soll die Erleichterung besonders für Senioren finanziell unterstützen. „Seit 1. Oktober liegt die Beantragung bei der Verwaltung!“, ärgert sich der Bürgermeister.

Für die Innen- und Außenbeleuchtung des Dorfgemeinschaftshauses wurden – bis auf wenige Ausnahmen – energieeffiziente LED-Lampen installiert. Je drei Lampen an den Seitenwänden und vier Lampen an der Front setzen die ehemalige Dorfschule in der Dämmerung und in der Nacht in Szene. Die Fassadenbeleuchtung wird über eine sogenannte astronomische Zeitschaltuhr gesteuert. „In Abhängigkeit vom Sonnenuntergang und -aufgang des geografischen Standorts werden die Leuchten ein- und ausgeschaltet “, erläutert Martin das System.

Die neuen dreifachverglasten Fenster im Erd- und Obergeschoss wurden in Sandsteinrahmen gesetzt. Die Glasbausteine, die hauptsächlich in den 50er bis 70er Jahren im Hausbau verwendet wurden und die keine wärmedämmende Wirkung haben, sucht man in der weiß getönten Fassade vergebens. Sie wurden entfernt. „Der Sockel wird demnächst in Sandsteinfarbe gestrichen“, führt der Bürgermeister aus.

„Das Gebäude ist 110 Jahre alt. An Dämmung dachte man damals noch nicht“, erklärt Martin. Die Heizkosten für das gesamte abgedichtete Gebäude würden künftig nur noch bei 2000 Euro im Jahr liegen. Die Temperatur werde in den Räumen bei rund 15 Grad gehalten. Dadurch bleibe das Mauerwerk aus Sandstein trocken. Martin, selbst Fachmann für Haustechnik, sagt: „Noch haben nicht alle diese Art des Heizens kapiert.“ Der Energieaufwand, heruntergekühlte Räume aufzuheizen, sei größer als das Halten einer Mindesttemperatur. Der kleine Versammlungsraum, der Saal und die WCs würden kontrolliert belüftet, das heißt, die Lüftung laufe ständig, damit die Feuchtigkeit aus den Räumen kommt.

Mehr Platz im Untergeschoss, wo früher die Feuerwehr war

Bei der Sanierung habe man festgestellt, dass der Gaststättenraum im Untergeschoss leicht geneigt war. Das sei nun korrigiert worden. Die Umwidmung des einstigen Feuerwehrdomizils, sprich der Garage und des Mannschaftsraums, hat zu einem vergrößerten Versammlungsraum und einem behindertengerechten WC geführt. Der neue Raum bildet mit dem ehemaligen Gaststättenraum eine Einheit. Ein leicht zu reinigender Vinylboden wurde verlegt. „Er hat auch etwas gekostet“, so Martin.

Die Feuerprobe hinsichtlich barrierefreiem Wählen hätten die unteren Räume bestanden, freut sich der Bürgermeister: „Die Mühe hat sich gelohnt. Der neu gestaltete Zugang kam bei der Landtagswahl gut an.“ Freier Zugang zum Wahlraum spiele für Wahlberechtigte mit Mobilitätseinschränkungen eine große Rolle. Ist der Wahlraum nicht barrierefrei, so könne der Wahlberechtigte sogar in einem anderen Wahllokal des Wahlkreises mit ungehindertem Zugang seine Stimme abgeben.

Eine neue Bestuhlung soll die beiden Versammlungsräume einladender machen. 70 neue Stühle stehen auf dem Bestellschein. Martin: „Dazu kommen sieben Tische mit den Maßen 80 mal 1,40 Meter für den Raum unten und 15 Tische mit den Maßen 70 mal 1,70 Meter für den Raum oben. Zwölf davon stellen wir in den Raum, drei kommen an die Seiten.“ Die Bestellung gehe bald raus. Parallel dazu soll ein Antrag auf 70-prozentige Förderung gestellt werden. Im Rahmen des Leader-Programms würden auch kleine Projekte unterstützt.

Im ersten Stock entsteht demnächst ein Jugendraum mit eigener Küche und eigenem WC. Der Zugang erfolgt über eine separate Treppe. „Aktuell kümmern wir uns um die Einrichtung“, informiert Martin. „Nächstens muss dann für den öffentlichen Raum eine Nutzungsordnung erarbeitet werden.“ Es sei geplant, im Obergeschoss auch noch zwei Gemeinderäume einzurichten. Das Archiv erhalte so „einen würdigen Platz“. Der leere Raum unmittelbar unter dem neu mit roten Ziegeln gedeckten und gedämmten Dach soll als Abstellraum genutzt werden. Der Bereich soll für die Öffentlichkeit tabu bleiben.

Mit zwei Metern Abstand Karten spielen geht schlecht

„Den Ausschank machen wir erst auf, wenn man wieder normal aufmachen darf“, kündigt Martin an. Damit spricht er den gemütlichen Bürgertreff im Untergeschoss an. Zweimal wöchentlich soll dann dort wie bisher unter der Regie des Beigeordneten Volker Arzt die Dorfgemeinschaft gepflegt werden. Würfel- und Kartenspielen mit zwei Meter Abstand sei schlecht möglich. Dazu kämen nächtliche Ausgangssperren, wie sie letztens auch im Kreis Südwestpfalz galt.

Nicht zum Projekt „Energetische Sanierung“ gehört der Außenbereich des DGH. Die drei Tische und die zwölf Sitzplätze – vorübergehend am Feuerwehrgerätehaus aufgestellt – sollen aufs Pflaster am Untergeschoss. Martin: „Wir werden in Eigenregie den Platz eben machen und die Mauer verlängern.“ Auch Nicht-Ratsmitglieder dürften dabei Hand anlegen.

„Wegen Corona haben wir ein Jahr verloren“, resümiert Martin. Die Lieferungen des Dachmaterials und der Fenster habe sich um Monate verzögert. Er hoffe, dass „das Schmuckstück in der Dorfmitte“ bis Ende Sommer fertig wird. Damit man die nächsten Zukunftsaufgaben – beispielsweise das Freizeitgelände – in Angriff nehmen kann.

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