Rodalben
Freibad Biebermühle: Kritik an Versäumnissen in der Vergangenheit
Das Fazit von Gutachter Michael Gruner in der Bestandsanalyse des Freibads Biebermühle ist eindeutig: „Das Freibad ist ,fertig’. Eine Sanierung der Becken ist ausgeschlossen und unmöglich. (...) Für einen kompletten Neubau fehlen die nötigen Besucher.“ Welche Konsequenzen das hat, ist offen. Denn in der Sitzung des Hauptausschusses der Verbandsgemeinde Rodalben am Mittwoch wollte Bürgermeister Peter Spitzer (SPD) keinen Abgesang auf das Kultbad anstimmen. „Für mich ist das nicht aussichtslos“, sagte er mit Blick auf eine Wiederöffnung. Allerdings räumte er ein, dass die Aussagen zu den Becken, die nicht weiter betrieben werden dürfen, schwer wiegen. „Die aufgeführten Mängel schließen eine einfache, niederschwellige Sanierung aus“, betonte er. „Mit dem Gutachten habe ich keinen Bestandsschutz mehr, ich kann nicht so tun, als wüsste ich nichts davon“, ergänzte Spitzer. Wenn das Bad noch einmal aufmache, dann nur, wenn es ein Gutachter zuvor freigegeben hat.
Die AfD-Fraktion forderte die Verbandsgemeinde dazu auf, die Zukunft des Freibads sicherzustellen. Der Fraktionsvorsitzende Christian Bettler kritisierte, dass das Freibad „ein Symbol für die jahrelange Misswirtschaft und die Versäumnisse in der kommunalen Planungspolitik“ sei und warf den Verantwortlichen „politisches Versagen“ vor. Die AfD fordert eine Prüfung, ob im Haushalt der Verbandsgemeinde in den nächsten Jahren ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um einen Neubau des Bades oder eine alternative Nutzung des Geländes zu ermöglichen.
AfD: Bürger in Entscheidungsprozess einbeziehen
Die Verwaltung solle sich unverzüglich um Fördermöglichkeiten bemühen, mögliche Partnerschaften mit privaten Investoren, Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen prüfen. Außerdem solle eine Machbarkeitsstudie den Neubau eines kleineren Schwimmbades auf dem Gelände prüfen. Gleichzeitig solle geprüft werden, ob das Gelände anderweitig verwendet werden kann, etwa für Sport- und Freizeitangebote oder für eine Mischnutzung. Die AfD fordert, dass die Bürger der Verbandsgemeinde aktiv in den Entscheidungsprozess einbezogen werden und deren Vorschläge und Wünsche berücksichtigt werden.
Den Vorwurf der Untätigkeit wies Spitzer, der seine erste Ausschusssitzung als Bürgermeister der Verbandsgemeinde leitete, zurück. „Es ist immer etwas gemacht worden, aber nicht in dem Ausmaß, in dem es hätte gemacht werden müssen“, sagte er. Er wies darauf hin, dass Schwimmbäder keine schwarzen Zahlen schrieben, sondern den Haushalt belasteten, „das wird immer so sein“, ergänzte er. Mit der Einreichung eines Förderantrags im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ habe sich die Verbandsgemeinde bereits um eine Förderung bemüht. Möglicherweise könne auch Geld aus dem Sondervermögen von Bund und Land für das Freibad verwendet werden.
Lehmann: Andere Projekte haben Vorrang
Ralf Lehmann (Grüne) wies darauf hin, dass sich der Verbandsgemeinderat 2016 gegen den Einbau von Edelstahlbecken ausgesprochen habe. Angesichts von weniger als 10.000 Besuchern pro Saison habe man sich dann für den Neubau als Naturbad entschieden. Angesichts des Gutachtens befürchtete er, „da wird nichts mehr gehen“. Er frage sich, ob der finanzielle Aufwand, das Freibad wieder herzurichten, überhaupt erforderlich sei. „Es gibt Rodalber, die sind dafür. Dann noch welche in Donsieders und ein paar in Clausen, dann hört’s aber auf“, sagte er.
Lehmann verwies darauf, dass die Verbandsgemeinde vor Millioneninvestitionen stehe: „Wir müssen das Schwimmbad und die Turnhalle an der Mozartschule machen, das kostet zehn Millionen Euro. Sechs Millionen Euro müssen wir in die Feuerwehren investieren.“ Wenn noch das Freibad Biebermühle dazukomme, „steigt die Umlage so hoch, dass keine Ortsgemeinde mehr etwas machen kann“, sagte er.