Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Fläschknepp und Park-Bier: Südwestpfälzer feiern in der Normandie

Bertrand Favray ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Freundeskreises Carentan. Die Geschichte der Jumelage hat er archiviert.
Bertrand Favray ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Freundeskreises Carentan. Die Geschichte der Jumelage hat er archiviert.

Hirschgulasch, Fläschknepp und fassweise Park-Bier: Am Vatertag bricht eine Delegation aus der Südwestpfalz in die Normandie auf. Was hat es damit auf sich?

Bertrand Favray ist ein französischer Pfälzer oder vielleicht auch ein pfälzischer Franzose. So genau lässt sich das nicht sagen. Fest steht, dass er in der Normandie aufgewachsen ist, aber seit Jahrzehnten in der Südwestpfalz lebt, genauer gesagt: in Waldfischbach-Burgalben. In seiner jetzigen Heimatgemeinde hat er sich von Beginn an engagiert, in etlichen Vereinen, aber auch in der Politik. Die EU macht es möglich: Obwohl Favray bis heute einen französischen Pass hat, saß er in Gemeinde- und Verbandsgemeinderat.

1974 hat der mittlerweile 73-Jährige seine Frau in Waldfischbach geheiratet. Kennengelernt hat sich das Paar, weil die südwestpfälzische Gemeinde seit 1966 eine Partnerschaft mit dem in der Normandie gelegenen Städtchen Carentan verbindet. Schon als junger Mann war Favray immer wieder in der Pfalz zu Gast, unter anderem weil sein Musikverein hierher reiste. Dass sich Favray später bei den Mossalbtalern engagierte, ist genauso logisch wie sein Engagement für die deutsch-französische Partnerschaft.

Liebesgeschichte steht am Anfang

Und diese Jumelage, wie es in der Sprache des Nachbarlandes heißt, feiert dieses Jahr ein kleines Jubiläum. Im Jahr 1966 beschlossen die beiden Orte, ihre Beziehung zu vertiefen. Anlass war damals: die Beziehung zwischen einem Mann aus Carentan und einer Frau aus Waldfischbach. Der Mann war als Soldat in Deutschland im Einsatz und lernte dort die spätere Gattin kennen. Nach dem Krieg zog das Paar nach Carentan. Weil er in der dortigen Gemeindeverwaltung arbeitete, hatte er einen kurzen Draht zu den Entscheidungsträgern und so kam es zur Städtepartnerschaft, die bis heute anhält.

Nachdem die Franzosen im vergangenen Jahr zu Besuch in Waldfischbach waren, steht nun der Gegenbesuch an. Bertrand Favray steht seit zehn Jahren an der Spitze des Freundeskreises Carentan und hat mit einem guten Dutzend Mitstreiter die Reise geplant. Mit 62 Personen geht es am frühen Donnerstag in Richtung Normandie. Knapp 800 Kilometer liegen zwischen Waldfischbach und der 10.000-Einwohner-Gemeinde Carentan am Atlantik. Ein Höhepunkt des viertägigen Aufenthalts ist ein Fest am Samstag. Dort wollen die Waldfischbacher mit Pfälzer Spezialitäten glänzen: Schlachtplatte mit Bauernbrot, Hirschgulasch mit Knödeln, Fläschknepp mit Meerrettich und Sauerkraut sowie gefüllter Kranz. Die Speisen wurden hier vorbereitet und werden in einem Anhänger nach Carentan transportiert. Darin ist auch noch Platz für zehn Fässer Park-Bier, berichtet Favray.

Wie war das vor 60 Jahren?

Seit Wochen ist er mit den Details der Planung befasst, täglich gehen Mails bei ihm ein. „Wie war das wohl vor 60 Jahren?“, fragt der pfälzische Franzose und erinnert an die Zeit ohne Mail, Fax und Co., in der die Partnerschaft gegründet wurde.

Seit den 1970er Jahren lebt er in Deutschland. Bislang hat der perfekt Deutsch sprechende Mann die französische Staatsbürgerschaft nie abgelegt und die deutsche nie beantragt. Es gibt allerdings eine Sache, die ihn doch noch dazu bringen würde: „Wenn in Frankreich bei den Präsidentschaftswahlen der Rassemblement National an die Macht kommt, werde ich die französische Staatsbürgerschaft abgeben. Ich setze mich seit Jahrzehnten für Europa ein. Die Ideen der Partei stehen dazu in krassem Widerspruch.“

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