Heltersberg
Familie flüchtet vor dem Krieg in die Pfalz
Die frische Luft in der Pfalz begeistert die Kozorizs. Aus dem Donbass-Gebiet kommen sie. Seit 2014 wird dort gekämpft. Sie lebten zunächst in dem Teil des Donbass-Gebietes, das russische Separatisten besetzt halten. Irgendwann, erzählt Papa Mykhailo, haben sie das nicht mehr ausgehalten, sind umgezogen. In den Teil des Donbass, des Donezk-Beckens, den die Ukraine unter Kontrolle hatte. „Wir haben seither ruhig gelebt“, beschreibt er die Jahre seit dem Umzug 2016, in denen der Konflikt zur Normalität wurde und doch Spuren hinterließ. Besonders seine Frau Natalja, wie Mykhailo 49 Jahre alt, habe gelitten. Keine Ruhe mehr, Angst. Schlafen ohne Hilfsmittel fast unmöglich.
Was sich auf russischer Seite zusammenbraute, haben sie nicht wirklich wahrgenommen. Dass gekämpft wird, gehört für sie seit 2014 zum Alltag. Es war schon Krieg, was sollte noch kommen, so beschreibt Mykhailo.
„Wir müssen raus“
Am 24. Februar kam es schlimmer. Der russische Präsident Wladimir Putin gab den Angriffsbefehl auf die Ukraine. Für ihn sei schnell klar gewesen: „Wir müssen raus“, erzählt Mykhailo Kozoriz. Der Ford-Transporter, dem wohl nur wenige zugetraut hätten, dass er diese Strecke unbeschadet zurücklegt, wurde startklar gemacht. Zwölf Personen fanden Platz. Der älteste Sohn des Ehepaares, Anton, blieb in der Ukraine. „Dort sind Eltern, Onkel, Tanten, Freunde“, sagt Natalja Kozoriz. Es war nicht mehr Platz im Auto. Die Sorgen, die Ängste, was mit ihrem Sohn, ihrer Familie, ihren Freunden ist, sind nach Deutschland mitgekommen. Via Handy halten sie Kontakt in die Ukraine.
Sohn Yevheni, seine Frau Karina, ihre zweijährige Tochter Esfiri, Ivan, Pavel, Vladyslav, Maria, Eveline, Demitro und Ruwim haben es rausgeschafft, den Krieg in ihrem Heimatland – zumindest körperlich – hinter sich gelassen. 1900 Kilometer waren es von ihrem ukrainischen Heimatdorf in der Nähe von Donezk bis zur Grenze nach Rumänien. Die polnischen Grenzübergänge, hatte Mykhailo mitbekommen, „waren schon überlastet“. Über Rumänien ging es nach Deutschland. Der Schreiner und Installateur wollte fahren, wollte alles hinter sich lassen, seine Familie in Sicherheit bringen. Zwei Stunden Schlaf am Stück, das war die längste Pause. Da waren sie bereits in Deutschland. „Er war völlig fertig, als er aus dem Auto stieg“, erinnert sich Marina Pfeifer, die aus der Ukraine stammt, vor Jahrzehnten nach Deutschland kam, an das Ankommen.
Bekannte in Waldfischbach helfen
Sohn Anton kontaktierte Marina Pfeifer aus der Ukraine. Die Frau des Geschäftsführers der Nahwerk GmbH in Waldfischbach-Burgalben, Martin Pfeifer, kennt die Korozizs. „Anton hat mich angerufen und gefragt, kannst du helfen“, erzählt sie. Die Pfeifers waren schon gemeinsam in der Ukraine. In Charkiw zum Beispiel. „Eine wunderschöne Stadt. Die Fernsehbilder zu sehen, die Zerstörungen, da blutet einem das Herz“, sagt Martin Pfeifer. Noch schlimmer ist zu wissen, dass Menschen, die man kennt, die man mag, im Kriegsgebiet leben. „Natürlich war sofort klar, dass wir helfen“, sagen die Pfeifers. Dass Marina Pfeifer dolmetschen kann – perfekt für alle. Erleichtert vieles.
Ahnend, was da kommen wird, hatten Verbandsbürgermeister Lothar Weber und das Team um Ordnungsamtsleiter Udo Rapp, in dessen Zuständigkeit die Ukraine-Hilfe fällt, die Bürger aufgerufen mitzuteilen, wer wie helfen kann, wer Wohnraum hat. „Zum Glück“, sind sich Weber und Rapp einig. So konnte der großen Familie Kozoriz, die drei Tage später eintraf, schnell geholfen werden. Der Naturfreunde-Vorsitzende Jürgen Rung klärte binnen 30 Minuten eine offene Frage, teilte mit: alles klar. Es sei selbstverständlich zu helfen, sagt Rung. „Das Haus ist toll“, sagt Weber. Hier können sich die Kozorizs selbst versorgen.
Riesige Hilfsbereitschaft
„Es hat sich gezeigt, dass es wichtig war und ist, dass diese Hilfe koordiniert abläuft“, sagen Weber und Rapp. Ganz viele hätten geholfen, der ukrainischen Familie die Ankunft so leicht wie möglich zu machen. Es konnte zielgerichtet und abgestimmt geholfen werden. Jetzt heißt es, sie ins deutsche System aufnehmen. Wie es weitergeht, abwarten. Vieles ist zu klären. Eine Kirche, wünschen sich die Kozorizs. Sie sind gläubige Baptisten, wollen mit anderen Gläubigen beten für Frieden, vor allem in ihrer Heimat.
„Die Hilfsbereitschaft ist riesig“, sagt Udo Rapp, bei dem die Angebote auflaufen. Wer helfen wolle und könne, solle sich bei der Verbandsgemeinde melden (ukrainehilfe@waldfischbach-burgalben.de). Es werde viel Hilfe brauchen, sind sich Weber und Rapp sicher. „Jeder kann kommen“, sagt Rapp mit Blick auf die EU-Vorgabe. Freunden und Verwandten der Kozorizs, die es rausschaffen, helfe man, wenn es darum gehe, sie sicher in die Verbandsgemeinde zu bringen.