Rodalben Führung über jüdischen Friedhof

Bei der Friedhofsführung am Sonntag berichtet Peter Conrad über das Schicksal der Juden von Rodalben.
Bei der Friedhofsführung am Sonntag berichtet Peter Conrad über das Schicksal der Juden von Rodalben.

Im „Acker der Witwe Helfrich“ fand Rodalben im 19. Jahrhundert einen Friedhof für die jüdischen Einwohner der Stadt. Die Nazis beendeten diese Tradition später. Am Sonntag führt Peter Conrad über den alten Friedhof und erzählt Geschichten über die Menschen, die dort bestattet worden sind.

Der gebürtige Rodalber Peter Conrad, der mittlerweile im Nordschwarzwald wohnt, lädt für Sonntag, 30. August, 15 Uhr, zur Führung über den jüdischen Friedhof Am Klinkenberger Weg ein. Unterstützt hat ihn bei der Vorbereitung und Organisation dieser Veranstaltung Karola Streppel vom Arbeitskreis „Geschichte der Juden in Pirmasens“. Conrad ist kein Historiker, er arbeitet als Krankenpfleger im benachbarten Bundesland. Aber Entdeckungen zur Geschichte der Juden in seiner früheren Heimat hat er zum Betätigungsgebiet in seiner Freizeit gemacht. Dafür stellt der 56-Jährige Recherchen in Archiven an, besucht Gedenkstätten und unterhält Kontakte mit Nachfahren.

Nur 60 Jahre genutzt

Eingeweiht wurde der jüdische Friedhof in Rodalben am 24. Februar 1876 „gelegentlich der Beerdigung der Witwe Bähr“, so Conrad. Als Letzte sei Berta Katz am 12. September 1936 auf dem Friedhof zu Grabe getragen worden. Dann hätten die Nationalsozialisten die nur sechs Jahrzehnte dauernde Tradition beendet. Der Friedhof gehört heute der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz (Speyer). Für die Pflege des Geländes erhält die Stadt nach einer Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und jüdischen Organisationen einen Zuschuss von 1500 Euro jährlich.

Versteckt hinter einer Hecke liegt der jüdische Friedhof Am Klinkenberger Weg. Er gilt, so Conrad, als „letztes verbliebenes Zeugnis der jüdischen Gemeinde in Rodalben“ und als Mahnmal aus der Geschichte. Aus alten Dokumenten lässt sich der Ursprung der Friedhofsanlage in Rodalben ableiten: Nachdem der Synagogen-Ausschuss in Pirmasens die Beisetzung der jüdischen Gläubigen aus Rodalben in Pirmasens 1874 untersagte, so die Chronik, habe sich die hiesige politische Gemeinde um eine eigene Begräbnisstätte bemüht. Sie fand sie im „Acker der Witwe Helfrich“. Der Gemeinderat beschloss daraufhin schon 1875, dieses Gelände dafür zu nutzen.

„Völlig verwüstet“

Die jüdische Gemeinde in Rodalben machte Anfang des 19. Jahrhundert circa 15 Prozent der Bevölkerung aus. Einer Zählung aus dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zufolge sollen damals 700 Katholiken in Rodalben gelebt haben und rund 100 Juden. Die Juden in der Gemeinde galten als angesehene Mitbürger. Sie arbeiteten vorwiegend als Geschäftsleute, Handwerker oder Ärzte, richteten eine eigene Schule (1869 bis 1937) und eine Synagoge (ab 1874) ein. Trotzdem schützte diese Situation nicht vor antisemitischen Ausschreitungen, berichtet Conrad.

Bereits in der Zeit des Kaiserreichs sei der Friedhof mehrmals geschändet worden. „Völlig verwüstet worden“ sei er 1940, heute noch nachzuvollziehen an fehlenden Inschrift-Tafeln. Nach dem Ende des Dritten Reiches wurde der Friedhof zwar wieder hergestellt, sei aber „immer wieder verwildert“, sagt Conrad. Die „letzte große Instandsetzung“ sei 1976 erfolgt.

Geschichten über die Bestatteten

Bei seiner Führung will Conrad anhand einiger Grabsteine Geschichten zu den Bestatteten und zum Schicksal ihrer Nachfahren erzählen. Zudem stellt er Grabinschriften vor. Dass ihm dies möglich sei, sagt er, habe er der Judaistin Nathanja Hüttenmeister vom Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte zu verdanken, das an der Universität Duisburg-Essen angesiedelt ist. Als Ergänzung zu den Übersetzungen habe sie ihm einen wissenschaftlichen Kommentar überlassen.

Die Teilnehmer der Führung bittet der Referent, den Mindestabstand einzuhalten, männliche Besucher sollten eine Kopfbedeckung tragen. Sollte es am Sonntag regnen, wird die Veranstaltung um eine Woche verschoben auf Sonntag, 6. September, zur gleichen Uhrzeit.

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