Dahn Förderverein soll jüdisches Erbe bewahren

Eindringlich schilderten die OWG-SChüler ihre Erlebnisse in Theresienstadt.
Eindringlich schilderten die OWG-SChüler ihre Erlebnisse in Theresienstadt.

Bei der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht haben Schüler von einer Geschichtsexkursion ins Ghetto Theresienstadt erzählt, sowie von emotionalen Momenten dabei. Bei der Veranstaltung wurde die Gründung eines Fördervereins zur Bewahrung des jüdischen Erbes angekündigt.

Bei der jährlichen Gedenkveranstaltung, zu der die Verbandsgemeinde und die Stadt gemeinsam einluden, hörten die rund 100 Zuhörer deutlich, welches Leid Juden, speziell Kindern, im Konzentrationslager „Ghetto Theresienstadt“ angetan wurde. Organisator Alexander Waschow verdeutlichte, dass es nicht mehr viele Zeitzeugen aus dieser Epoche gibt. Daher sei es wichtig, gerade bei jungen Menschen die Erinnerung wach zu halten, welch schlimme Verbrechen an Juden in der Zeit des Nationalsozialismus begangen wurden.

Landrätin Susanne Ganster, die gemeinsam mit Verbandsbürgermeister Michael Zwick und einzelnen Gremienmitgliedern die Politik an diesem Abend vertrat, erläuterte, dass solche Gedenkfeiern gerade in der heutigen Zeit vor dem Hintergrund von teilweise wieder wachsender Fremdenfeindlichkeit einen wesentlichen Beitrag zur Bewusstseinsbildung im Umgang mit der Geschichte leisteten.

Hunger, Zwangsarbeit, Hass

Kurz vor den Osterferien war der Chor des Otfried-von-Weißenburg-Gymnasiums (OWG) nach Theresienstadt in Tschechien gefahren. Der Chor gestaltete die Gedenkfeier auch musikalisch. Sophie Burkhart sang das Lied „Und der Regen rinnt“ von Ilse Weber, in Begleitung von Clemens Kuhn am Klavier. Gemeinsam mit ihren Lehrern, beispielsweise Holger Ryseck und Christian Stalter, die die Fahrt ins Ghetto nördlich von Prag organisiert hatten, berichteten die Schüler von ihren Erlebnissen. In Theresienstadt erfuhren die Schüler, dass das Ghetto ein Durchgangslager für Tausende Juden auf dem Weg in die Gaskammern war. Das Lager steht für einen Ort unmenschlicher Qualen und vielfachem Tod durch Mangelernährung, Zwangsarbeit und menschlicher Willkür, genährt durch Hass.

Annalena Uelhoff schilderte, etwa beim gemeinsamen Singen des Liedes „Ich wandre durch Theresienstadt“ von Ilse Weber, Emotionen, die durch die Berichte über die schlimmen Geschehnisse dort bei Lehrern, Schülern und Fremdenführern aufkamen. Im Lied heißt es beispielsweise: „Ich wandre durch Theresienstadt, das Herz so schwer wie Blei. Bis jäh mein Weg ein Ende hat, dort knapp an der Bastei (…) Ich möcht’ so gerne weitergehn, ich möcht’ so gern nach Haus! Nach Haus! Du wunderbares Wort, du machst das Herz mir schwer. Man nahm mir mein Zuhause fort, nun hab ich keines mehr.“

Förderverein gründen

Auch Elisa Letzelter und Paul Harlos erzählten von ihren Erlebnissen, beispielsweise wie ein Leben in dem kleinen Ort Theresienstadt nach dem Konzentrationslager im Gedenken gelingen kann. Weitere Schüler und Lehrer lasen aus den Tagebüchern der Kinder von Theresienstadt (aus der Ausstellung „Die Mädchen von Zimmer 28“). Hierbei wurde deutlich, dass die Mädchen dort auf engstem Raum mit nur einer Matratze und ohne Decke oder Kissen sowie ohne richtige Kleidung und mit wenig Nahrung ausharren mussten. Da war die Aufführung der Kinderoper „Brundibár“ im Ghetto eine gelungene Abwechslung. Die Oper in zwei Akten von Hans Krása (Komponist) und Adolf Hoffmeister (Librettist) hat der OWG-Chor im Mai aufgeführt. Zum Abschluss der Tagebuchberichte wurde die Freude eines überlebenden und befreiten Kindes aus Theresienstadt verlesen.

Am Schluss der Gedenkveranstaltung ergriff Annalena Uelhoff für die Zuhörer etwas überraschend das Wort und kündigte die Gründung eines Fördervereins an – noch in diesem Jahr –, dem sie angehören wird. Der Förderverein soll das jüdische Erbe bewahren und nachhaltig gestalten. Außerdem wird der Verein das Wissen von Otmar Weber noch weiter öffentlich zugänglich machen. Des Weiteren will man die jüdische Geschichte der Region (beispielsweise die ehemalige Synagoge in Dahn, den jüdischen Friedhof und die nur noch in Ruinen erkennbare Mikwe in Busenberg) umfassend darstellen und gerade die jüngeren Generationen dafür sensibilisieren. Auch das Andenken an Verfolgte soll wachgehalten werden. Viele Interessierte haben schon seit Jahren ihre Unterstützung gezeigt. In den vergangenen Wochen ist in diesem Kreis die Idee entstanden, durch einen Förderverein die bisherige Unterstützung zu intensivieren.

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