Winterbach RHEINPFALZ Plus Artikel Erträge gut, Erlöse schlecht: Kreisbauernversammlung kritisiert Politik

Uwe Bißbort (rechts) wurde bei der Kreisbauernversammlung als Vorsitzender des Kreisverbandes bestätigt.
Uwe Bißbort (rechts) wurde bei der Kreisbauernversammlung als Vorsitzender des Kreisverbandes bestätigt.

Die Landwirte in der Südwestpfalz haben bei der Kreisversammlung des Bauern- und Winzerverbandes (BWV) Rheinland-Pfalz Süd klare Forderungen an die Politik gestellt.

Statt des versprochenen Bürokratieabbaus werde immer noch mehr Aufwand betrieben, kritisierte Uwe Bißbort, Vorsitzender des BWV-Kreisverbandes Pirmasens-Zweibrücken, bei der Veranstaltung am Donnerstag in Winterbach. Er wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt, das er seit 2006 innehat.

Neben Bilanz und Diskussionen über politische Entwicklungen sorgten auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Spannung: Laut Bißbort hatten die Landwirte in der Region 2025 ein gutes Jahr bei den Erträgen – jedoch trübten die niedrigen Erlöse die Freude. „Bei einem Grundpreis von 32 Cent kann man im Milchbereich keine Gewinne machen. Genauso schlecht sind momentan die Schweinepreise“, erklärte Bißbort. Einzig bei der Rindfleischproduktion sei eine wirtschaftliche Basis gegeben. Kritik übte er zudem an zollfreiem Import aus der Ukraine und forderte für Weideregionen sogenannte Null-Wolf-Gebiete.

Viele Politiker folgen Einladung nicht

Die Veranstaltung blieb allerdings weitgehend ohne politischen Zuspruch. Nur Martina Wagner, die Landrätin Susanne Ganster (CDU) vertrat, sowie Andreas Weizel, Ortsbürgermeister von Winterbach und Beigeordneter der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, nahmen teil. Die Stühle anderer eingeladener Politiker – etwa der Zweibrücker OB Marold Wosnitza (SPD) die Mitglieder des Landtags Christoph Gensch (CDU), Christof Reichert (CDU), Alexander Fuhr (SPD) und Steven Wink (FDP) sowie die Bundestagsabgeordneten Florian Bilic (CDU) und Angelika Glöckner (SPD) – blieben im Quartier-Restaurant „Zum Hannes“ leer.

Ein weiterer Themenschwerpunkt lag auf der Arbeit des Bauernverbands selbst. Der scheidende Präsident Eberhard Hartelt blickte in seinem Gastbeitrag auf zwölf Amtsjahre zurück. „Wir waren der Funke für das Ampel-Aus“, sagte er. Die Demonstrationen hinsichtlich Agrardieselentlastung und KFZ-Steuerbefreiung im vorletzten Winter seien allerdings nicht der Grund für das Ende der Regierung gewesen, sondern der allgemeine Vertrauensverlust in die Koalition und die Politikverdrossenheit der Bevölkerung. Die Erwartungen in die neue Bundesregierung, in den neuen Landwirtschaftsminister, die neue EU-Kommission und den neuen Agrarkommissar seien hoch gewesen. „Wir mussten jedoch feststellen, dass es zwar einen Politikerwechsel, aber keinen echten Politikwechsel gegeben hat“, resümierte Hartelt, dessen Nachfolger bei der Delegiertenversammlung im November gewählt werden soll.

Der neue Geschäftsführer Dirk Gerling kündigte an, den Bauernverband strategisch neu aufzustellen. Dafür solle unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere in den sozialen Medien, professioneller werden.

Wahlen

Uwe Bißbort (Windsberg) wurde als Kreisvorsitzender erneut bestätigt. Seit 2006 hat er das Amt inne. Ebenfalls wiedergewählt wurde Christian Glahn (Mörsbach) als Stellvertreter. Martin Schunck (Oberauerbach) kandierte nicht mehr. Sylvia Lauer (Großsteinhausen) nimmt nun seine Stelle ein. Zu Beisitzern wurden gewählt: Markus Lichti (Nünschweiler), Marco Ruf (Mörsbach), Jürgen Rutz (Saalstadt), Martin Schunck (Oberauerbach), Matthias Stoffel (Herschberg), Thomas Weber (Schauerberg), Sabrina Zarth (Mittelbach). Altersbedingt schied Hans-Dieter Bißbort (Höhmühlbach) aus. Der Vorsitzende des Maschinenrings engagierte sich über 25 Jahre im Verband.
[Hinweis: In der ersten Version des Artikels war der Vorname von Sylvia Lauer falsch geschrieben und ein falscher Wohnort genannt.]

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