Hermersberg Erhält Hermersberg eine Dorf-App?

Die Ockenheim-App von Entwickler Christian Maidhof könnte ein Vorbild für die Hermersberger Dorf-App sein.
Die Ockenheim-App von Entwickler Christian Maidhof könnte ein Vorbild für die Hermersberger Dorf-App sein.

Bekommt Hermersberg eine Dorf-App? Mit dieser Frage befasst sich der Gemeinderat. Bereits zu Jahresbeginn hatte die Gemeinde einen jungen App-Entwickler eingeladen, der interessierten Rats- und Vereinsmitgliedern seine App vorstellte. Über diesen Termin wird Bürgermeister Erich Sommer am Dienstag den Rat informieren (19 Uhr, Rathaus).

Hermersbergs Beigeordneter Bernd Emig hat das App-Thema forciert, da er festgestellt hat, „dass es immer wieder Gespräche im Dorf gibt, die man absolut nicht nachvollziehen kann“. Die Menschen seien falsch oder gar nicht informiert. Er habe sich die Frage gestellt, wie man Menschen die Arbeit der Gemeinde näherbringen könne, sagte Emig. Man müsse anerkennen, dass bisherige Wege der Kommunikation – Hermersberg hat eine aktuelle Internetseite, verschiedene Vereine sind im Netz und den sozialen Medien vertreten – nicht mehr so funktionierten wie in der Vergangenheit. In das gedruckte Amtsblatt, in dem etwa über alle Ratsbeschlüsse informiert wird, schauten viele Bürger gar nicht rein.

Über eine Dorf-App können Infos zu den Bürgern gebracht werden, ist sich Emig sicher, nachdem er über Funk und Fernsehen auf den jungen App-Entwickler Christian Maidhof aus Ockenheim (Landkreis Mainz-Bingen) aufmerksam geworden war. Der Ansatz des 18-Jährigen begeisterte Emig. Aber: „Wir wollen das mal genauer wissen“, sagte er im Januar anlässlich der Vorstellung der App „MeinDorfnet“ in Hermersberg. Es habe keine viereinhalb Sekunden gedauert, nachdem er ihn per E-Mail kontaktiert habe, bis sich Maidhof gemeldet habe, erzählte Emig schmunzelnd.

Frage: Was möchten die Menschen lesen

Von klein auf, erläuterte Maidhof, sei er im Dorf, im Verein aktiv. Seine Mutter ist Beigeordnete, sodass auch die Kommunalpolitik in seinem Leben schon immer präsent ist. Auslöser für die App-Entwicklung war der anstehende Glasfaserausbau in Ockenheim. Dort sei festgestellt worden, dass die Menschen über das Amtsblatt nicht mehr so erreicht würden wie früher. Nahezu jeder nutze das Internet, nutze soziale Medien, nutze Videokonferenzen und doch hätten sich viele nicht interessiert gezeigt an einem Glasfaseranschluss, hätten keine Infos dazu gehabt. Klatsch und Tratsch habe immer funktioniert, aber oft mit dem Ergebnis, „dass etwas anderes dabei herauskam, als reingegeben worden war“, resümierte Maidhof.

Es sei klar geworden, dass ein Medium benötigt wird, das weniger Klatsch und Tratsch beinhaltet, dafür mehr Infos. Diese müssen aber so gestaltet sein, dass die Menschen sie auch wahrnehmen und lesen, unterstrich Maidhof. Man müsse über eine App anders, schneller, witziger, kürzer kommunizieren. Mit der App werde auch einer gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung getragen: sehr viele Menschen informierten sich nicht mehr aktiv, sie erwarteten, dass ihnen die Infos geliefert werden. Das könne die App, die sich in der Gestaltung an der Frage orientiere: Was möchten die Menschen lesen.

Einfacher Aufbau

Vorteile der App: Die Daten liegen auf deutschen Servern in Deutschland, was größtmögliche Datensicherheit biete. Es werden nur zwingend notwendige Daten gespeichert. Um die App nutzen zu können, muss sich niemand registrieren, sie kann heruntergeladen werden. Der Aufbau wird einfach gehalten. Es gibt zum Beispiel die Top-Nachricht und einen Kalender. Termine können schon früh eingetragen werden. Das verhindert, dass sich Vereine Konkurrenz an einem Tag machen und der Bürger weiß schon früh, was los ist.

Kontaktiert werden kann der Ersteller der Nachricht. Kommentarfunktionen gibt es bewusst nicht. Gemeldet werden können auch Schäden in der Gemeinde – auf der Dorfkarte oder als Nachricht. Es können auch Videos gepostet werden.

Die App ist so gehalten, dass die Vereine ihre Nachrichten nur an die App-Nutzer schicken können, die die Vereinsnachrichten erhalten wollen. Infos von Gemeindeseite gehen immer an alle App-Nutzer. Hintergrund sei, dass man nicht wolle, dass die Menschen genervt werden, weil sie zu viele, für sie nicht interessante Infos bekommen. Die App dürfe nicht überladen werden, es sei aber wichtig, dass es regelmäßig Neuigkeiten gebe. „Sonst stirbt die App“, erläuterte Maidhof, der im vergangenen Jahr zum Rheinhessen des Jahres gewählt wurde. Die App lässt sich mit Vereins- und der Gemeindewebseiten verbinden. Das erspart doppelte Arbeit.

Hohe Klickzahlen

Dass die App genutzt wird, zeigten die Klickzahlen. Hilfreich sei sie in vielen Fällen. In Ockenheim zum Beispiel, als es Probleme bei der Löschwasserversorgung gab und ständig Feuerwehrfahrzeuge unterwegs waren. Das bescherte der Gemeinde und der Feuerwehr zunächst viele Anrufe. Deshalb wurde der Grund für die zahlreichen Feuerwehrfahrten in der App gepostet. „Sofort war Ruhe. Die Menschen waren informiert“, skizzierte Maidhof Vorteile der App.

Sollte sich die Gemeinde für dieses Angebot entscheiden, würde die App auf die Hermersberger Anforderungen zugeschnitten. Dass die App in den beiden größten App-Stores zum Herunterladen bereitgestellt wird, würde für die Gemeinde beantragt. Die App wird zunächst als Testversion angelegt, damit sich ein kleiner Personenkreis damit vertraut machen kann. Funktioniert das, wird die App freigeschaltet und entsprechend beworben. Es gibt einen Workshop für künftige Nutzer. Ab dann würden die Hermersberger ihre neue Form der Kommunikation selbst gestalten. Kosten würde die App einen Festbetrag, der Erstellung, Freischaltung und Schulung beinhaltet. Im laufenden Betrieb würden monatlich Kosten im überschaubaren Rahmen entstehen.

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