Contwig
Ekel-Essen an IGS: Haare, Maden und Schnecke auf dem Teller
Es war ein ekelerregender Schock für die Eltern einer Achtklässlerin der IGS Contwig, als ihnen ihre Tochter vor gut vier Wochen berichtete, dass sie und ihre Mitschüler im Schulessen einmal Maden und öfter Haare und Flusen entdeckt hätten. „Diese Schilderungen häufen sich in besorgniserregender Weise“ ,erzählt der Vater.
„Die Kinder haben das ihren Eltern wohl nicht gesagt“, erzählt er. Denn die anderen Eltern seien überrascht gewesen, als er das in einer gemeinsamen Whatsapp-Gruppe geschrieben habe. „Die meisten konnten und wollten es erst gar nicht glauben, dass die Kinder ihnen das verschwiegen haben. Doch schließlich waren sie alleziemlich erbost.“
Nach Meldung ans Amt findet Schülerin Schnecke im Salat
Er habe die Vorfälle direkt an die Kreisverwaltung gemeldet. „Am 23. Februar wurde mir dort von einem Mitarbeiter bestätigt, dass der Fall ans Veterinäramt weitergegeben wurde.“
Hat das Amt etwas unternommen? Danach sah es zunächst nicht aus, denn: „Am 17. März hat eine Sechst- oder Siebtklässlerin eine ganze Schnecke mit Haus im Salat gefunden“, erzählt seine Tochter, die nach ihren Aussagen bei dem Vorfall dabei war. „Das Mädchen hat das direkt einer Mensamitarbeiterin gemeldet und hat dann eine neue Mahlzeit bekommen“, erzählt die Achtklässlerin.
Verterinäramt kontrolliert Schulmensa
Spätestens an diesem Punkt stelle sich nicht mehr die Frage nach einem bedauerlichen Einzelfall, sondern nach grundlegenden Mängeln in Hygiene, Kontrolle und Qualitätssicherung, sagt ihr Vater. „Wir als Eltern sind zutiefst beunruhigt über die möglichen gesundheitlichen Risiken für die Kinder. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass bisherige Beschwerden entweder nicht ausreichend ernst genommen oder nicht konsequent verfolgt wurden.“
Laut Schulleiter Thomas Höchst wurden seit Beginn des Schuljahres an der IGS Contwig etwa 12.960 Essen ausgegeben. „Bei dieser Anzahl von Essen gab es vier Beanstandungen, denen sofort von Schulseite ordnungsgemäß nachgegangen wurde. Alle Beanstandungen werden dokumentiert, fotografiert und an die verantwortlichen Stellen weitergeleitet“, erklärt der Schulleiter. Bei einer Kontrolle der Essenausgabestelle habe das Veterinäramt einen sehr guten hygienischen Zustand dokumentiert, ebenso ein vorbildhaftes Verhalten des Mensapersonals. „Wir sind verwundert und enttäuscht, dass Eltern nicht den direkten Kontakt zu uns oder – was angebracht wäre – zum Caterer oder Schulträger suchen, um ihre Beanstandungen zu melden“, sagt Höchst.
Schon 2025 wurde Fremdkörper im Essen gefunden
„Selbstverständlich nimmt die Kreisverwaltung Hinweise sowohl von Schul- wie auch von Elternseite ernst und wird entsprechend tätig“, betont die Kreisverwaltung als Schulträger. „Und selbstverständlich sollte ein solcher Fund nicht vorkommen.“ Bei einem Naturprodukt wie Salat sei ein solcher Fund jedoch nicht gänzlich auszuschließen. Allerdings sei festzuhalten: Ein einzelner Fund stelle angesichts der großen Liefermenge keine Häufung dar.
Die Kreisverwaltung nehme, wenn solche Funde belegt sind, Kontakt mit der Schule und dem Lieferanten auf. Dokumentiert sei besagter Fund einer Schnecke sowie im vergangenen Jahr einer Schecke oder eines ähnlichen Objekts, wenige Millimeter groß. Die Kreisverwaltung bespreche solche Funde kritisch und konstruktiv mit dem jeweiligen Auftragnehmer.
Kreisverwaltung: Bisher keine Beanstandungen bei Lieferant
Die Kreisverwaltung schätze den Lieferanten für das Schulessen an den weiterführenden Schulen in der Trägerschaft des Landkreises und die Qualität seiner Produkte. Er beliefere auch Kindergärten und Schulen weiterer Kommunen. Der Kreisverwaltung seien 2025 und 2026 keine weiteren dokumentierten Funde gemeldet worden.
Das Veterinäramt habe sich vor Ort ein Bild der Lage gemacht. Beim Lieferanten des Schulessens handle es sich um einen EU-zugelassenen Lebensmittelbetrieb mit mehreren Betriebsstätten im Landkreis Südwestpfalz, der regelmäßig vom Veterinäramt – also der zuständigen Überwachungsbehörde – kontrolliert werde. Sowohl in der Vergangenheit als auch bei der jüngsten Kontrolle in den vergangenen Tagen habe das Veterinäramt keine hygienischen Mängel festgestellt. Auch die Bereiche Qualitätssicherung und Eigenkontrolle des Betriebes hätten keine Mängel aufgewiesen. Die Essensausgabe an der IGS Contwig werde ebenfalls regelmäßig vom Veterinäramt, Fachbereich Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz, überwacht. Auch hier seien bislang keine Mängel festgestellt worden.
Firma liefert täglich 1700 Mahlzeiten an 50 Einrichtungen
Unabhängig davon habe das Unternehmen nach besagten Rückmeldungen unmittelbar reagiert und im Rahmen der Eigenkontrolle bei seiner Wareneingangskontrolle und -ausgangskontrolle Maßnahmen ergriffen – mit dem Ziel, das Risiko weiter zu reduzieren, dass Fremdkörper wie etwa eine Schnecke ins Essen gelangen können.
„Wir werden ständig geprüft. In unserem Unternehmen verstößt absolut nichts gegen irgendwelche Hygienestandards. Laut Prüfer sind wir sogar Vorzeigeküche“, betont der Chef der betroffenen Firma, die nach eigener Aussage täglich rund 1700 Mahlzeiten für 50 Einrichtungen im Landkreis zubereitet und liefert. Wie Haare und Flusen das Essen gelangen konnten, könne er sich nicht erklären, denn: „Bei uns in der Küche tragen alle Haarnetze.“ Für die Mahlzeiten kaufe er verzehrfertigen Salat. „Der ist schon gewaschen. Aber das ist ein Naturprodukt, das auf dem Feld wächst“, erklärt er, wie die Schnecke vielleicht in den Salat gelangen konnte.
Die Eltern der Achtklässlerin haben die Bestellungen der Mahlzeiten in der Schule vorerst storniert. „Eine Mahlzeit kostet 4,50 Euro und dann sowas. Wobei es hier nicht ums Geld geht, sondern in erster Linie um die Gesundheit der Kinder“, sagt der Vater.