Driwwe unn hiwwe
Ein Trabi durchbricht die Mauer: Berliner Künstler bringen DDR-Geschichte nach Bitsch
Die Maueraktion der beiden Berliner Künstler Michel Pietsch, alias „Cren“ und Mark Marquardt alias „Akte One“ ist Teil des Kunstprojekts „Mausa“, das seit genau einem Jahr in einem Gebäude der Teyssier-Kaserne läuft. Stanislas Belhomme aus Strasburg, der mit Kunst aus dem Bereich Streetart handelt und entsprechende Festivals organisiert hat, startete seine „Musée des Arts Urbains et du Street Art“ (kurz: Mausa) vor fünf Jahren im elsässischen Neuf-Brisach. Einen Teil der dortigen Vauban-Festung durften die Künstler mit ihren Malereien umgestalten. Seit einem Jahr nun wird in der Teyssier-Kaserne ein Raum nach dem anderen von immer je einem Künstler oder Künstlerkollektiv zum Gesamtkunstwerk. Inklusive Boden, Türen, Fenstern und Decke werden die Räume komplett eingesprüht, übermalt und auch mit plastischen Elementen versehen.
So auch bei dem Mauerprojekt von „Cren“ und „Akte One“. Marquardt stammt aus Ostberlin und ist vor dem Mauerfall mit der Familie als Kind in den Westen gekommen. Die Mauer habe er als Kind immer mal für Familienbesuche wieder passieren dürfen und dementsprechend verbindet ihn auch viel mit dem Bauwerk. Pietsch stammt aus Niedersachsen und lebt seit 20 Jahren in Berlin. Die beiden nutzen gemeinsam ein Atelier in einer früheren AEG-Fabrik in Berlin-Schönweide und dort arbeiten sie seit fünf Jahren an ihrem Projekt 1989, benannt nach dem Jahr des Mauerfalls.
Holz statt Beton wirkt täuschend echt
Das Projekt besteht aus mehreren Teilen. Ein Teil davon sind dreidimensionale Malereien, bei denen die Mauerstadt mit ihren Umrissen eine Hauptrolle spielt. Markquardt und Pietsch entwickelten ausgehend von Schwarzlichteffekten ein Verfahren, mit dem auch ohne das Schwarzlicht mit einer 3D-Brille ein dreidimensionaler Effekt beim Betrachten entsteht.
Für Bitsch wurde nun ein Teil der Berliner Mauer an zwei Wänden eines Raums aufwändig nachgebaut, inklusive des runden Abschlussteils. Künstler aus Frankreich unterstützten die zwei Berliner. Das Mauerstück ist mit Hilfe von Bühnenbaumaterial so authentisch geraten, dass der Betrachter meint, es handele sich tatsächlich um Beton. In Wirklichkeit sind es aber nur Holzplatten. Seit Monaten schon stand vor dem Mausa in Bitsch ein echter Trabi rum. Der wurde nun für die Installation auseinandergeflext und in das Gebäude geschafft, um im Innern die Mauernachbildung zu durchbrechen; ganz so wie es die Künstlerin Birgit Kindler auf einem realen Mauerstück in Berlin gemalt hatte. Beim Pressebesuch waren die Künstler noch schwer am arbeiten. Später sollen noch ganz authentisch künstliche Mauerbruchstücke auf der Motorhaube und vor dem Trabi liegen, ganz als ob das Fahrzeug wirklich durch die Mauer gebrettert wäre.
Ostalgie im Guckloch
In dem Mauerstück wurden zudem noch Gucklöcher reingebrochen, durch die der Betrachter ein Stück echte DDR als Inszenierung mit Schaufensterpuppen sehen kann. „Das sind unsere ostalgischen Gucklöcher“, erklärt Marquardt. Für die weiteren Wände werden Motorhauben von Trabis sowie Schutzschilder der DDR-Volkspolizei künstlerisch gestaltet und damit transformiert. Vor allem die Schutzschilder seien schwierig zu bekommen gewesen, meint Pietsch. Die Polizeiausrüstung sei erst in den Schlussjahren der DDR angeschafft worden und in nur kleiner Stückzahl später auf den Markt gekommen.
Mit dem Mausa wird die frühere Kaserne wieder ein Stück weiter transformiert. Seit dem Zweiten Weltkrieg war hier das vierte Kürassierregiment der französischen Armee stationiert. Die Gebäude stehen seit 1997 weitgehend leer. Die Communauté des Communes des Bitscherlandes, eine Art Verbandsgemeinde, hat einen Teil schon für Büros umgebaut. In einem Gebäude neben dem Mausa wurde eine Markthalle eingerichtet. Weitere Pläne sehen die Umnutzung anderer Gebäude für eine Zusammenlegung der Bitscher Grundschulen vor, was jedoch bisher nur ein Plan ist.
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr, Mittwoch von 14 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro.