Kreis Südwestpfalz Ein Mann mit „Überzeugungskraft“

Reiner Hohn hat immer etwas zu sagen.
Reiner Hohn hat immer etwas zu sagen.

«Hornbach.»„Reiner Hohn wird 70“: eine harmlose Schlagzeile über den Hornbacher Bürgermeister, der stets einen markigen Spruch parat hat − vor allem vor Publikum. Heute feiert Hohn seinen 70. Geburtstag. Er fühlt sich fit. So fit, dass er über den Rückzug vom Rückzug nachdenkt. Vielleicht, lässt er anklingen, kandidiert er 2019 doch noch mal als Stadtbürgermeister.

Das hatte er 2014 eigentlich ausgeschlossen. Bis zum Jahreswechsel will er sich entscheiden − nachdem er sich mit der Familie zusammengesetzt hat. Die ist seit Jahrzehnten gewohnt, dass Hohn ein strammes Programm absolviert: Seit 1994 ist er Bürgermeister, von 2001 bis 2006 saß er für die FDP im rheinland-pfälzischen Landtag, von 2009 bis 2014 führte er die FDP-Fraktion im pfälzischen Bezirkstag, seit 2006 hat er diese Funktion auch im Kreistag Südwestpfalz inne. Von 1989 bis 2014 gehörte er dem Verbandsgemeinderat Zweibrücken-Land an. Sozusagen nebenbei baute er seit 1986 seine Gärtnerei auf, die heute zu den größten in Europa zählt, wenn es um Bonsais und Kakteen geht. 2007 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Thomas. Die Geschäfte am Standort Teneriffa, wo auf neun Hektar Kakteen reifen, führt er weiterhin selbst („An die Sämlinge darf sonst keiner ran“). Alle vier Wochen fliegt er mit seiner Frau Ute auf die Kanareninsel. Dabei wäre Reinhold Hohn, der aus Tilleda (Sachsen-Anhalt) stammt, beinahe Volksmusiker geworden. Mit den Dietrichinger Schuhplattlern um Elsbeth und Bert entdeckte er diese Leidenschaft, die ihm gar eine Goldene Schallplatte einbrachte. Letztlich entschied er sich doch für die Gärtnerei. Den Musikverlag hat er an seine Tochter Sandra übergeben. Ob Klosterhotel, Pirminiushalle oder Landesstraße 700 − Hohn weiß, wie er bekommt, was er will, wenn auch manchmal mit zweifelhaften Mitteln. Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker dürfte im Gedächtnis bleiben, wie Hohn sich 2014 mit weiteren Gemeinden gegen die Verbandsgemeinde-Umlage wehrte. Er zog vor den Kreisrechtsausschuss und seinen Widerspruch erst dann zurück, als die Verbandsgemeinde die Umlage senkte, die Dörfer also weniger Geld zahlen mussten. Clever, sagten die einen; Erpressung, empörten sich die anderen. Er selbst nennt es augenzwinkernd „Überzeugungskraft“; ihm gehe es stets ums Miteinander. „Obwohl, einmal hab’ ich tatsächlich jemanden erpresst“, blickt er 15 Jahre zurück. Als die L 700 im Jahr 2003 nicht im Landeshaushalt stand, drohte er im Landtag, gegen den Etat zu stimmen. Der Verkehrsminister und stellvertretende Ministerpräsident Hans-Artur Bauckhage (FDP) sicherte ihm daraufhin zu: Reiner, die L 700 kommt, und sie kam. Ob Politik, Gärtnerei oder Volksmusik: All das, sagt Hohn, würde er genauso wieder machen. Sein Motto heißt so wie einer seiner Volksmusiktitel: „Jeder Tag ist ein Geschenk.“ Heute wird er selbst beschenkt − 200 Gäste feiern mit Hohn in der Pirminiushalle.

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