Meisenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Driwwe unn hiwwe: Wie ein 700-Seelen-Dorf in Lothringen im Advent 40.000 Gäste anzieht

Die neue Weihnachtskugel „Kaktus“ wird in Meisenthal live vor den Besuchern produziert.
Die neue Weihnachtskugel »Kaktus« wird in Meisenthal live vor den Besuchern produziert.

Mit einem sehr optimistischen Blick in die Zukunft einer klimaerwärmten Welt hat dieses Jahr der Berliner Designer Mark Braun eine Kaktusfrucht für das Glaskunstzentrum im lothringischen Meisenthal kreiert. Die Organisatoren rechnen wieder mit einem riesigen Besucheransturm im Bitscher Land.

Das gerade mal 700 Einwohner zählende Meisenthal ist normalerweise sehr beschaulich und ruhig, geradezu verschlafen – mit Ausnahme der Weihnachtszeit. Dann schlägt die Stunde der Glasbläser, die das ganze Jahr über Weihnachtskugeln und Designobjekte produzieren. In den vier Wochen vor Weihnachten jedoch dreht sich alles nur um Weihnachtskugeln. Und um die vor Ort handgefertigten Gläser zu bekommen, reisen inzwischen Besuchermassen aus halb Frankreich, Luxemburg und dem badischen Raum an. Lange Schlangen bilden sich vor dem Centre International d’Art Verrier, wo die Besucher den Glasbläsern live bei der Arbeit zusehen können, und noch längere Schlangen vor der Boutique, wo es die Glaskugeln zu kaufen gibt. Waren es in früheren Jahren mit rund 7000 Besuchern in der Weihnachtszeit schon viele Menschen, die wegen der Kugeln nach Meisenthal pilgerten, so sind es seit dem Ende der Corona-Zeit und der Modernisierung des Geländes stolze 40.000 Liebhaber der Glaskunst, die sich in dem kleinen Dorf drängen. Zeitweise sind die Kugeln trotz großer Vorproduktion und einem Tagesausstoss von 700 Stück ausverkauft und die Organisatoren mussten die Abgabe bereits auf eine Kugel pro Besucher rationieren. Besonders an den Wochenenden erreichen die Warteschlangen eine derartige Länge, dass zeitweise bis zu zweieinhalb Stunden auf Einlass gewartet werden muss.

Für dieses Jahr hat sich CIAV-Leiter Yann Grienenberger deshalb einen Pavillon installieren lassen, in dem jeder Besucher eine Nummer und einen QR-Code erhält. Wenn er sein Handy registriert, wird er informiert, wenn seine Nummer nur noch 20 Wartende davor hat. Dann könne er sich gemütlich auf den Weg zur Site Verrier machen und davor in Ruhe essen gehen oder andere Attraktionen des Orts besichtigen. Immerhin bietet ein Künstlerkollektiv nebenan jedes Jahr eine Sonderausstellung. In der angrenzenden Glasbläserhalle soll eine besondere Lichtinstallation geboten werden und das Glasmuseum auf dem Gelände lädt ebenfalls zur Dauer- und Wechselausstellung. Im Hof hat zudem der Künstler François Delamarre eine Licht- und Klanginstallation aufgebaut. Hier kann der Besucher selbst aktiv werden und Licht- sowie Ton mit seiner Stimme verändern. Es darf gesungen, gerufen oder auch gebellt werden. Entsprechend moduliert schallt es später über den Hof. Im Innenhof soll es dieses Jahr noch weitere Projektionen geben, wie sie normalerweise nur in Großstädten auf Kathedralen üblich sind.

Verbandsgemeinde setzt bei Pavillon auf Nachhaltigkeit

Mit dem Wartepavillon geht die Communauté des Communes Pays de Bitche, also die Verbandsgemeinde Bitscher Land, neue Wege im Klimaschutz, wie deren Präsident David Suck betont. Zusammen mit Zimmermännern der Region wurde der Pavillon aus Holz und Zeltbauelementen entworfen. Das Häuschen kann in eineinhalb Tagen auf- und abgebaut werden und repräsentiere mit der wiederverwendbaren Struktur sowie der benutzten Hölzer einen besonders nachhaltigen Beitrag, so Suck.

In jedem Jahr entwirft ein anderer Designer die aktuelle Weihnachtskugel. Alle Kugeln davor werden weiterproduziert. Dieses Jahr hat sich der Berliner Designer Mark Braun Gedanken um Weihnachten gemacht und unter dem Projekttitel „Weihnachten auf dem Balkon“ eine Vision eines Weihnachten im viel wärmeren Europa gemacht. Das Fest könne locker auf dem Balkon gefeiert werden. In den Gärten wuchern Kakteen, die ihre Früchte zur Weihnachtszeit anbieten und genau so eine Kaktusfeige hat Braun als Vorbild für die Weihnachtskugel des Jahres 2024 genommen. „Das soll eine Botschaft zu Weihnachten sein, die optimistisch und mit Humor in die Zukunft blickt“, meinte Braun am Dienstag bei der Präsentation seiner Kreation. Getauft hat er die neue Kugel auf den Namen „Kaktus“, die es in verschiedenen Farben und Tönungen geben wird. Verkauft werden die Meisenthaler Weihnachtskugeln übrigens ohne Warteschlange auch in der Tourist-Info in Bitsch.

Information

Der Besichtigungsparcours in Meisenthal ist vom 14. November bis 30. Dezember außer montags immer von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Kinder bis 18 Jahre kommen umsonst rein.

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