Dahn
Die Umweltministerin bekennt ein Fan von Kläranlagen zu sein
„Ich bin ein Fan von Kläranlagen“, sagte Katrin Eder, nicht, weil sie die Gebäude und die Technik so toll findet, sondern weil Kläranlagen eine wichtige Rolle beim Gewässerschutz spielen. „Kläranlagen werden unterschätzt“, bemerkte Eder, die im noch jungen Jahr bislang in jeder Woche eine Kläranlage besucht hat. „Kläranlagen sind für den Umwelt- und Klimaschutz enorm wichtig: Ohne Kläranlagen wären viele unserer Gewässer stinkende Brühen. Viele Pflanzen, Fische und andere Arten hätten keine Chance, darin zu leben. Das Wasser könnte man weder für die Trinkwassergewinnung, noch zum Freizeitsport oder zur Erholung nutzen. Deshalb ist es so wichtig, in Kläranlagen zu investieren“, betonte sie.
„Wir haben viele Kläranlagen im Land. Wenn Sie sagen, Sie haben fünf, dann kann ich ja noch viermal kommen“, sagte sie lachend in Richtung von Bürgermeister Michael Zwick (CDU). Der würde Eder bestimmt weiterhin gerne begrüßen, denn zuletzt hatte die Ministerin immer einen Förderbescheid im Gepäck. Vor einem Jahr war es einer über 8,7 Millionen Euro für die Ertüchtigung der Wieslauterbahn. Mit einer Summe von 196.000 Euro ist der Förderbescheid für die Modernisierung der Kläranlage am Freitag wesentlich geringer ausgefallen.
Wie Zwick erläuterte, wurde die Kläranlage seit 2018 ertüchtigt. Corona, gestiegene Personal- und Materialkosten sowie die Lieferkettenprobleme hätte für eine deutliche Kostensteigerung gesorgt. Statt geplanter zwei Millionen Euro wurden rund 3,2 Millionen Euro ausgegeben. Deshalb sei er froh, dass das Land seine Förderung an die gestiegenen Kosten angepasst habe.
In einem früheren Bescheid wurde der Verbandsgemeinde bereits eine Zuwendung von 79.000 Euro als Zuschuss und 554.000 Euro als Darlehen gewährt. Mit dem aktuellen Bescheid erhält sie noch einmal Mittel in Höhe von 196.000 Euro als Zuschuss und 436.000 Euro als Darlehen. Das Geld wurde investiert, um das Wasser von rund 8500 Einwohnern noch sauberer zu machen und gleichzeitig weniger Energie zu verbrauchen. Angeschlossen sind derzeit rund 5000 Einwohner.
Jahresstrombedarf von Nothweiler eingespart
Wie die Ministerin sagte, seien Kläranlagen in Kommunen oftmals die größten Energieverbraucher. Das Potenzial, den CO2-Ausstoß und die Energiekosten zu senken, sei hoch. In Dahn ist das bereits deutlich geworden. Schon im ersten Jahr nach dem Austausch der Schaltanlagen und der Erneuerung der Maschinen- und Elektrotechnik seien mehr als 183.000 Kilowattstunden Strom eingespart worden. Das entspreche dem jährlichen Stromverbrauch der Gemeinde Nothweiler, bemerkte Bürgermeister Zwick. Durch die neue Technik wird außerdem eine Einsparung von Knapp 70 Tonnen CO2 pro Jahr erreicht.
Eder verwies darauf, dass gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie nur etwas mehr als 22 Prozent der Gewässer in Rheinland-Pfalz in einem ökologisch guten oder sehr guten Zustand seien. Etwas mehr als 32 Prozent befänden sich aber in einem unbefriedigenden bis hin zu einem schlechten Zustand. „Ein großes Problem ist dabei unter anderem Phosphor: Zu viel führt zum übermäßigen Wachstum von Algen und Wasserpflanzen, zur Verschiebung der Artenzusammensetzung und zu übermäßigem Sauerstoffverbrauch. Der Gesetzgeber hat deshalb für Phosphoreinleitungen Grenzwerte festgelegt, die eingehalten werden müssen“, so Eder.
Weniger Phosphor im Wasser
Auf der Anlage in Dahn wurde unter anderem die Fällmittelanlage optimiert, um die Phosphorreduzierung zu steigern. Die Verbesserung der Phosphatfällung soll die Dosierung des Fällmittels nach der tatsächlichen Zulauffracht ermöglichen. Dadurch wird die Nährstoffbelastung in der Wieslauter erheblich verringert.
Weitere Maßnahmen auf der Kläranlage Dahn sind in der Umsetzung, etwa der Bau eines neuen Schlammspeichers. Dafür wurde bereits im vergangenen Jahr ein Darlehen als Zinszuschuss in Höhe von 362.000 Euro gewährt.
Landrätin Susanne Ganster (CDU) sieht in den Wasser- und Abwasserwerken wichtige Elemente der Daseinsvorsorge. „Es ist wichtig, dass wir in der Lage sind, diese Daseinsfürsorge zu leisten“, ergänzte sie mit Blick auf die Unterstützung aus Mainz und bedankte sich ausdrücklich bei der Ministerin. „Wenn wir für unsere Straßen nur die Hälfte der Förderung bekommen würden, wie wir sie aus Ihrem Haus bekommen, dann wäre die Welt hier in Ordnung“, sagte sie.