Kreis Südwestpfalz Die Jungen fürs Handwerk begeistern
Als Michael Wafzig seine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker gemacht hat, waren Lehrstellen im technischen Bereich heiß begehrt und nicht jeder Bewerber hatte Glück. Heute konkurrieren Handwerksbetriebe auch mit der Industrie um guten Nachwuchs. Dabei, sagt Wafzig, biete Handwerk durchaus gute Perspektiven. Dafür will sich der selbstständige Meister jetzt stark machen in seiner neuen Funktion als regionaler Kreishandwerksmeister, der die Interessen der Innungen in der Südwestpfalz vertritt.
Es sind vor allem zwei Themen, die dem am 10. November neu gewählten Kreishandwerksmeister am Herzen liegen. Zum einen der Fachkräftemangel. „Der ist tatsächlich da“, sagt Michael Wafzig. In manchen Berufen wie im Bäckerhandwerk etwas stärker, in anderen wie dem Kfz-Gewerbe noch nicht so deutlich. Aber alle Branchen kämpften damit, dass es weniger Nachwuchs gebe. Gründe dafür gibt es aus Wafzigs Sicht mehrere. So gibt es nicht nur insgesamt weniger Schulabgänger, sondern immer weniger Interessenten für Handwerksberufe. Viele wollten lieber Abitur machen und studieren als eine Lehre beginnen – Ambitionen, die oft durch Eltern geprägt, aber auch durch Schulen weiter befördert würden; dabei gebe es schon genug Studienabbrecher. Und da kommt er zu Thema Nummer zwei: dem Image des Handwerks. Früher, so weiß der 46-Jährige, sei ein Handwerker jemand gewesen, der „etwas Ordentliches“ gelernt habe. Heute müssten sich Azubis rechtfertigen, warum sie „nur“ einen Handwerksberuf erlernten. Folgenlos bleibt diese Entwicklung nicht. So geht die Anzahl der Auszubildenden in vielen Berufen zurück. Auch in technischen, die bisher ja eher gefragt waren. Als Wafzig 1985 seine Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker begann, seien sie in der Berufsschule Kaiserslautern etwa 60 Azubis aus der Westpfalz im ersten Lehrjahr gewesen, erinnert er sich. Derzeit seien es 17; die kommen aber aus der ganzen Pfalz, denn seit etwa zwei Jahren gibt es den zweiten Pfälzer Berufsschulstandort dafür in Edenkoben nicht mehr. Diese Entwicklung betreffe Schulen und Betriebe, stellt Wafzig fest. Vor allem aber Betriebe. Denn für die werde es immer schwieriger, Nachwuchs zu bekommen. Könnte dies aber nicht auch an Betrieben selbst liegen, die die aufwendige Ausbildung scheuen und zu wenig Ausbildungsplätze anbieten? Ganz so einfach stellt sich dies für Wafzig nicht dar. Es gebe, sagt er, durchaus ausbildungswillige Betriebe, deren Lehrstellen aber offen blieben. Und Betriebe, die nach zwei, drei „Reinfällen“ beschlossen hätten, gar nicht mehr auszubilden. Denn es gebe zwar immer wieder gute Bewerber, aber eben auch solche, denen es an sozialer oder schulischer Reife mangele. Es landeten eben viele im Handwerk, bei denen es letztlich für Abitur oder Verwaltung nicht reicht – und die sich mangels Alternative dann beim Handwerker bewerben. Weniger Bewerber, weniger Ausbildung, weniger Betriebe – diese Entwicklung hat bereits Wafzigs Vorgänger Josef Burger mit Sorge beobachtet: Waren 2008 etwa 650 organisierte Südwestpfälzer Handwerksbetriebe bei der Kreishandwerkerschaft registriert, so sind es heute noch zirka 500. Immer mehr Betriebe machten dicht, weil es keinen Nachfolger gebe, stellt Wafzig fest; Insolvenzen spielten kaum eine Rolle. Wenn diese Entwicklung so weitergehe, glaubt er, würden das die Kunden bald zu spüren bekommen – in Form von zunehmenden Wartezeiten bei Handwerkern. Und dies betreffe den ganzen Alltag: „Was ist, wenn das Auto stehenbleibt, wenn Wasser im Keller steht oder der Fernseher nicht mehr funktioniert?“ Was kann ein Kreishandwerksmeister dagegen tun? „Viel reden“, sagt er. Mit Schulen und Lehrern, aber auch mit Betrieben, damit die aktiver werben. Noch sei er dabei, sich einzuarbeiten. Aber er könnte sich neben weiteren Präsentationsmöglichkeiten fürs Handwerk auch vorstellen, Hochschulen stärker einzubinden. Denn Studienabbrecher, die oft als Ungelernte arbeiten müssten, seien fürs Handwerk ein großes Potenzial. Ein Kreishandwerksmeister, quasi das „Gesicht“ des Handwerks in der Region, kann aber noch etwas tun: Mit gutem Beispiel vorangehen. Etwa selbst ausbilden, was Michael Wafzig in seinem 1993 gegründeten Meisterbetrieb seit 1997 tut. Derzeit lernen bei ihm zwei angehende Informationselektroniker der Geräte- und Systemtechnik. Und wer glaubhaft fürs Handwerk werben will, muss auch selbst gerne dabei sein. Den Hang zur Technik habe er schon als Bub gehabt, sagt Michael Wafzig. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe er nie bereut. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, sagt er, „aber es macht mir bis heute Spaß.“ (tre)