Walshausen / Bottenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Die Felsalbe wird renaturiert – und manches, was jetzt verschwindet, stammt noch aus der Nazizeit

Markus Nafziger und Philipp Simon legen Holzstege an, unter denen sich Fische verstecken können.
Markus Nafziger und Philipp Simon legen Holzstege an, unter denen sich Fische verstecken können.

Manches stammt noch aus der Nazizeit. Wenn die Firma Nafziger aus Bottenbach derzeit die Felsalbe bei Walshausen renaturiert, dann macht sie Arbeiten rückgängig, die vor über 80 Jahren Teil des Baus des Westwalls waren. Die Arbeiter ziehen Metallteile aus dem Wasser, die damals hineingerammt wurden. Der Bach soll außerdem wieder natürlicher fließen und somit Pflanzen und Tieren einen besseren Lebensraum bieten.

Die Felsalb wird in der Talaue zwischen Walshausen und der Kirschbachermühle renaturiert. Dass der Bachlauf begradigt wurde und Sperren eingebaut wurden, hatte negative Folgen für das Leben im Wasser und am Ufer. Die sollen nun weitgehend beseitigt werden. Der Landkreis Südwestpfalz hat Baukosten von über 400.000 Euro eingeplant. Der Kreistag hat in seiner Sitzung in Contwig 2020 der Maßnahme zugestimmt. Dadurch wird eine Vorgabe der europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfüllt. Das Land gibt deshalb 90 Prozent Zuschuss.

Der Bach als Lebensader für Tiere und Pflanzen

„Der Bachlauf wird nach Abschluss unserer Arbeiten zur Beruhigung und Belebung des Fließgewässers zu einer wertvollen Lebensader für die Tier- und Pflanzenwelt“, sagt Markus Nafziger aus Bottenbach, der am Bach arbeitet, damit die Felsalb wieder zum Lebensraum für viele Fischarten, Wasserinsekten und Vögel wird, die die Gegebenheiten eines Feuchtgebietes und vernetzten Biotopes mögen. Nur etwa 5000 Kubikmeter Erdaushub fallen an, um dem Gewässer wieder einige Mäander und wasserumspülte Ruhezonen zurückzugeben. Die Felsalb soll wieder so gemütlich durchs Tal plätschern, wie es vor über 80 Jahren der Fall war. Die Renaturierung des Auerbachs zwischen Ober- und Niederauerbach hat die Baufirma aus Bottenbach ebenfalls ausgeführt. Dort seien jedoch Erdbewegungen von immerhin 20.000 Kubikmeter erforderlich gewesen, berichtet Nafziger. Für die Erledigung seiner Arbeiten zusammen mit seinem Mitarbeiter Philipp Simon fallen Kosten von rund 300.000 Euro an.

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Vor allem ab der Brücke vor der Kirschbachermühle bis in Höhe des Tanklagers konnte der Bachlauf gedreht und durch große Inseln im Bachbett natürlich gestaltet werden. Dieser feuchte Geländebereich ist im Eigentum des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) im Zweibrücker Land, der diese Lebensraumverbesserung gerne unterstützt.

Der Vogelkenner des Nabu, Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen, der die Arbeiten immer wieder beobachtet, erzählt, dass die Talaue für die Tierwelt deutlich wertvoller wird. Vor einigen Tagen hat er Bekassinen, Schwarzkehlchen, Schwanzmeise, Eisvogel und Weißstorch beobachtet. Die würden bald noch bessere Lebensbedingungen vorfinden. Auch für die Biber, die das Felsalbtal schon entdeckt haben, und für die Amphibien wird der Lebensraum aufgewertet. Für den Grasfrosch gibt es noch bessere Laichbedingungen.

Die im Wasserlauf verankerten gefällten Erlen bieten den Fischen und Wasserinsekten Schutz vor Feinden. Hinzu kommen kleine Holzstege am Ufer, unter die sich die Fische sicher zurückziehen können. Besonders hilfreich seien auch die zahlreichen Kiesrauschen für die Fortpflanzung der Fische, berichtet Nafziger. Das sind Stellen, wo Steine aufgeschüttet wurden. Die größte Hilfe für die Fische sei zudem die Beseitigung der Stahlblechbarrieren. Dadurch sei die Durchgängigkeit für Wasserbewohner wieder gegeben.

80 Jahre alte Sperren in heißen Sommern gefährlich

Seit dem Westwallbau haben diese mindestens einen Meter breiten, in der Mitte des Gewässers eingerammten Stahlplanken den Bach gestaut. Bei Niedrigwasser, etwa in heißen Sommern, waren alle Lebewesen in den dadurch abgeteilten Streckenabschnitten eingesperrt. Die Bewegungsfreiheit war bedrohlich eingeschränkt, denn es war kaum möglich, Nahrung, schützende Plätze und schattige Bereiche zu finden. Im Sommer konnte das für die Wassertiere den Tod bedeuten.

Diese Renaturierung dient teilweise auch Gemeinden als Ausgleichsmaßnahmen für neue Straßen und Baugebiete, wo Eingriffe zum Nachteil der Natur wieder auszugleichen sind. Häufig ist diese Form der Wiedergutmachung nicht unmittelbar vor Ort möglich, sodass der Ausgleich an anderer Stelle vorgenommen werden muss, erläutert Nafziger. Für den Schaden an der Natur wird ein Geldbetrag festgesetzt, der dann bei Baumaßnahmen wie hier an der Felsalb zum Wohle der Natur als Ausgleich eingesetzt wird.

Im Bach wurden Inseln als Ruheplätze für die Tiere angelegt.
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