Lemberg
Der Platz für alle im früher kirchlichen Kino-Café
Domino’s Bar startete 1987 in den Räumen eines kirchlichen Kinos, das zu dem Zeitpunkt schon lange leer stand. Der Verein „Foyer pour tous“, also „Platz für alle“, betreibt von Anfang an das Lokal, das zu Beginn große Konzerte im alten Kinosaal veranstaltete, der jedoch schnell wegen Baufälligkeit geschlossen und letztlich abgerissen werden musste. Domino’s Bar residiert im Café des Kinos und der heutige Konzertsaal war bis 2010 ein Feuerwehrgerätehaus. Der Name stammt von Dominique Drouard, der lange verantwortlich für den Verein war und heute immer noch mitmischt. Heute führen Martin Seiler und Kevin Jung den Verein.
Neueröffnung nach großem Umbau
Viele Höhen und Tiefen, zwischenzeitliche Schließung und Wiedereröffnung, und 2013 eine große Neueröffnung nach einem großen Umbau erlebte der Verein. Für 300.000 Euro wurde das Gebäude brandschutztechnisch auf Vordermann gebracht und die Toiletten wurden erneuert. Bezahlt hat es die Regionalverwaltung. Die Mitgliederzahl bewege sich heute bei etwa 25. In Frankreich haben Vereine grundsätzlich keine hohen Mitgliederzahlen, da dort die Mitgliedschaft jedes Jahr erneuert werden muss.
Der Film spielte von Anfang an eine große Rolle. Kein Wunder, waren die ersten Aktiven doch Kinoenthusiasten. Der Lemberg Cine-Club sorgte Ende der 1980er-Jahre für ein regelmäßiges Kinoprogramm mit Musikfilmen wie „Absolute Beginners“ oder „Poltergeist“. Später wurden die Filmvorführungen seltener, aber oft hatten die Streifen einen sozialen, ökologischen Hintergrund. Dann war auch schon mal eine kanadische Regisseurin anwesend, die ihren Dokumentarfilm präsentierte.
Programmatisch haben sich die Macher von Domino’s Bar nie festlegen lassen. Konzerte verschiedenster Stilrichtungen fanden dort statt. Dann auch mal die Wahl des „Mister Calecon“, also Mister Unterhose, vom Bitscherland. Aktuell gibt es laut Martin Seiler jeden Monat ein Konzert, jedes Jahr einen Weihnachtsmarkt und zum Nationalfeiertag am 14. Juli immer „Domino’s Fescht“, eine zweitägige Party mit Livemusik. Im Dezember kommt die Jugend bei „La Boum“, einer Party, zum Zug. Und für die Freunde der Second-Hand-Bekleidung wird immer mal gerne ein „Vide Dressing“, eine Art Kleiderflohmarkt, veranstaltet. Dazu wird der Raum für Hochzeiten vermietet und dient anderen Vereinen des Bitscherlandes als Veranstaltungsort, wie der „Jeunesse de Pays de Bitche“ oder dem Künstlerkollektiv Artopie aus Meisenthal.
Zusammenarbeit mit Jazzfestival
Zu der Zeit, als es in Pirmasens noch den Musikclub „Parkplatz“ gab, standen die Lothringer im regen Austausch mit dem Parkplatz-Mitbetreiber Peter Dreher. Bands, die in Domino’s Bar auftraten, wurden nach Pirmasens weitervermittelt und umgekehrt. Diese Kooperation endete mit der Schließung des „Parkplatz“. Was weiterläuft, ist die Zusammenarbeit mit dem Jazzfestival von La Petite-Pierre im Elsass. Domino’s Bar ist einer der entlegenen Konzertorte für das Festival. Dieses Jahr schon zum dritten Mal. „Das kostet die Veranstalter des Festivals nicht viel und für uns ist das immer ein ganz andees Publikum. Ein bisschen wie Berlin“, freut sich Martin Seiler. Und wegen der guten Kontakte von Dominique Drouard kommt gelegentlich auch mal ein Konzert in der Reihe „Euroclassic“ nach Lemberg.
So wie im September 2022, als eine Opernsängerin mit Begleitung den Saal füllte, inklusive Verköstigung mit ukrainischen Spezialitäten durch die deutsch-französisch-ukrainische Gesellschaft als Kooperation zwischen Lemberg/Pfalz, Lemberg/Moselle und dem ukrainischen Lemberg, heute Lwiw genannt. Da waren dann auch Vertreter aus dem pfälzischen Lemberg mit dabei und während drinnen die Opernsängerin ihre Lieder kunstvoll intonierte, wartete die Dorfjugend draußen, um endlich wieder ihren Treff nutzen zu können.
Der Musikgeschmack der Lemberger Jugend habe sich gewaltig geändert, meinen die heutigen Vorsitzenden Seiler und Jung. „Früher spielte jeder Zweite im Dorf ein Instrument und es gab unzählige Bands“, erinnert sich Seiler, der in Heltersberg arbeitet. Mit 15 Jahren sei er zum ersten Mal in Domino’s Bar gewesen. Heute ist er 33 Jahre alt, war als Musiker in der Gruppe „After Midnight“ aktiv. Die Jugendlichen heute seien nicht mehr an Rock oder Blues interessiert. Da laufen die DJ-Abende schon besser, kann Kevin Jung beobachten. Die jüngeren Lemberger kämen aber auch gerne, wenn ein Nachmittag mit Gesellschaftsspielen angeboten werde. „Die haben ja sonst nichts im Dorf“, sagt Seiler.
Da der Verein nur eine kleine Miete zahlen müsse und das Personal ehrenamtlich arbeite, können die Getränke günstig angeboten werden. Bei den Konzerten werde „prix libre“ verlangt. Das bedeutet: Jeder gibt, was er kann oder will. Nur als Treffpunkt ist momentan jeden Freitag von 20 bis 2 Uhr geöffnet. Samstags treffen sich die älteren Mitglieder morgens um 11 Uhr.