Weißenburg
Denkmäler auf beiden Seiten: Was heute noch an die Schlacht von Weißenburg erinnert
Es war die erste Schlacht im deutsch-französischen Krieg, als am 4. August 1870 deutsche Truppen über die Grenze auf Weißenburg vorrückten. Am Geisberg kam es zum großen Gefecht. Die französischen Generäle wurden vom deutschen Vorstoß überrascht. General Abel Douay hatte sein Feldlager an der Burg Geisberg aufgeschlagen, die eine der letzten Verteidigungsanlagen der Weißenburger Linien waren. Der Geisberg hatte vor dieser Schlacht schon drei weitere blutige Gefechte erlebt. 1706 im spanischen Erbfolgekrieg, 1744 im österreichischen Erbfolgekrieg und 1793 schließlich, als die Revolutionsarmee im Dezember die gegnerischen Linien durchbrechen konnte. Heute erinnern nur noch die Denkmäler an die Schlacht von 1870. Auf den Feldern wächst Weizen. Obstplantagen wurden errichtet, wo einst Granaten einschlugen. Die Stadt Weißenburg hat einen kleinen Rundweg eingerichtet, der an fast allen Denkmälern zu dieser Schlacht vorbeiführt.
Start ist an den Denkmälern für die deutschen Soldaten. Dort kann auch bequem geparkt werden. Weithin sind nur Felder und Äcker zu sehen. Mittendrin ragt die riesige Denkmalsäule zur Erinnerung an die dritte deutsche Armee in die Landschaft. Vier Bronzelöwen zieren die Säule, in die Namen der siegreichen Offiziere eingraviert sind. Dazu kommen zwei kleinere Denkmäler für das 58. preußische Regiment und eines für eine weitere preußische Einheit, die allein 350 Tote und Verletzte beim Sturm auf Burg Geisberg erlitten haben soll. Auf einem der kleineren Denkmälern ist vermerkt: „Das erste Preussengrab für Deutschlands Einheit.“ Überhaupt findet sich viel Pathos auf den Inschriften. „Gott verleihe den Helden droben die Siegespalme“ fordert eine Inschrift und eine andere: „Für Deutschlands Ehre weiht jedes Deutsche Frauenherz Gatten, Sohn und Bruder gern dem Heldentod.“
Es war die erste gesamtdeutsche Armee, die hier ins Feld zog. Davor kämpften immer nur bayerische, preußische oder württembergische Armeen meist getrennt. Insgesamt 33.000 Soldaten sollen es auf deutscher Seite gewesen sein, die am Geisberg auf nur 6000 Franzosen stießen, wie einer Infotafel am Rundweg zu entnehmen ist. Es handelte sich auf deutscher Seite um je zwei preußische und bayerische Korps sowie ein gemeinsames württembergisches und badisches Korps. Der französische Kaiser Napoleon III. hatte gehofft, nur gegen die Preußen zu Felde zu ziehen und auf die Unterstützung der Süddeutschen gebaut. Die zogen aber mit den Preußen in einer gesamtdeutschen Armee in den Krieg und trafen erstmals bei Weißenburg auf die Franzosen.
Die Schlacht soll mit Gefechten im Weißenburger Vorort Altenstadt begonnen haben. Über die Vorgärten kämpften sich die Deutschen bis zur Stadt Weißenburg vor, nahmen das Hagenauer Tor und schließlich die Stadt ein. Die Franzosen hatten sich unter General Douay am Geisberg in einem Zeltlager niedergelassen, das von deutschen Truppen unter Artillerie-Beschuss genommen wurde.
„Kugelspritze“ gibt Vorgeschmack auf Ersten Weltkrieg
Um 2 Uhr morgens wurden die Deutschen geweckt. Abmarsch soll zwei Stunden später gewesen sein. Dann ging es ins Gefecht bis zum späten Nachmittag. Alles im Regen, wie sich Soldaten erinnerten. Es muss ein wüster Schlamm gewesen sein auf den Feldern rings um den Geisberg. Für General Douay war die Schlacht kurz vor Mittag schon zu Ende. Der General wollte gegen die anrückenden Deutschen eine Mitrailleuse ausrichten, als er von einem Granatsplitter getroffen wurde. Als Mitrailleuse bezeichnen Militärtechniker einen Vorläufer des Maschinengewehrs. Die Deutschen nannten sie spöttisch „Kugelspritze“. Es war aber eine furchterregende Waffe und eine der waffentechnischen Neuerungen, die aus der Schlacht bei Weißenburg ein Gefecht machten, das einen Vorgeschmack auf die Gemetzel des Ersten Weltkriegs lieferte. Dem General wurde an der Stelle, wo er seine tödliche Verletzung erlitt, ein Gedenkstein gesetzt, der auf dem Rundgang zu finden ist.
Statt Gewehrfeuer und Kanonendonner sind heute nur klappernde Störche, Traktoren und der Wind zu hören. Ein Greifvogel schwebt über dem einstigen Schlachtfeld. Weiter geht es über Feldwege. In der Ferne liegt ein weiteres Denkmal für ein preußisches Jägerkorps und dann geht es bergauf zum größten Denkmal, das den französischen Gefallenen gewidmet ist. Allerdings nicht allein den Opfern der Schlacht von 1870 sondern allen vier Gefechten von 1706 bis 1870. Das dürfte auch der Grund gewesen sein, warum die deutschen Behörden 1909, also in der Zeit der deutschen Besatzung von Elsass-Lothringen, die Errichtung eines französischen Kriegerdenkmals erlaubt hatten. Im Oktober 1909 sollen 30.000 Franzosen auf den Geisberg geströmt sein, um das Denkmal einzuweihen. Oben thronte damals ein bronzener Hahn. Der gallische Hahn verschwand 1940 bei der Sprengung des Denkmals durch deutsche Truppen. Patrioten sollen ihn versteckt haben, informiert eine Gedenktafel am Denkmal. Erst 1960 wurde das heute zu sehende Denkmal errichtet, mit bestem Fernblick über die Weißenburger Senke und Stadt. Der gallische Hahn thront wieder obenauf. Die Überreste des ersten Denkmals liegen unweit des neuen. Auffällig ist, dass am französischen Denkmal keine Kränze oder Blumen zu finden sind, während sich offenbar jemand um die deutschen Denkmäler kümmert. Kerzen und Blumengestecke wurden dort abgelegt.
Gemälde zeigt letzte Ehre für französischen General
Kurz nach der Schlacht soll der Befehlshaber des deutschen Heeres, Kronprinz Wilhelm von Preußen, der spätere Friedrich III., dem gefallenen General Douay die letzte Ehre erwiesen haben. Der Hofmaler Anton von Werner schuf ein entsprechendes Gemälde, das recht bekannt ist und die Szenerie mit dem Kronprinzen und dem auf einer Matratze notdürftig aufgebahrten General zeigt. Eine Version des Bildes findet sich in der Sammlung des Historischen Museums der Pfalz.