Leimen
Das Los entscheidet über das Beigeordnetenamt
Die konstituierende Sitzung des Gemeinderats Leimen geht als hoch spannend und überraschend in die Annalen des Dorfes ein. Nach der Kommunalwahl vom 9. Juni haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat geändert. Die CDU-Fraktion stellt nun sieben Ratsmitglieder, die Freie Wählergruppe (FWG) verfügt über fünf Sitze. Bei der Direktwahl um das Ortsbürgermeisteramt konnte sich Amtsinhaber Alexander Frey von der FWG (318 Stimmen) nur knapp gegen CDU-Herausforderer Klaus Germann (292 Stimmen) durchsetzen. Vor der konstituierenden Sitzung war völlig offen, wer die beiden Stellvertreter des Gemeindeoberhaupts werden sollen.
Mit Spannung war deshalb die Besetzung der beiden Beigeordnetenposten erwartet worden. Die wenigen Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Zunächst überraschte Georg Anstett, neuer Fraktionssprecher der FWG, als er CDU-Urgestein Michael Schwarz (420 Personenstimmen bei der Kommunalwahl) als Ersten Beigeordneten vorschlug. Alle zwölf Ratsmitglieder stimmten in geheimer Wahl für Schwarz, der im Anschluss von Frey verpflichtet und vereidigt wurde. Schwarz bedankte sich für die Wertschätzung, appellierte aber eindringlich an alle Räte, persönliche Befindlichkeiten in den Hintergrund zu schieben und die Belange der Gemeinde in den Vordergrund zu rücken. „Wir sind alle Kinder von Leimen, so sollten wir zusammenarbeiten“, betonte er.
Dreimal sechs zu sechs
Klaus Germann (CDU) schlug Oliver Vogel von der FWG als weiteren Beigeordneten vor. Vogel, der dieses Amt bereits inne hatte, lehnte mit der Begründung ab, dass er beruflich und aufgrund seines musikalischen und privaten Engagements überlastet sei. Erneut schlug FWG-Fraktionssprecher Anstett einen CDU-Mann vor, nämlich den bisherigen Ersten Beigeordneten Michael Rösel (335 Stimmen bei der Wahl). Franz Windischmann (CDU) schlug daraufhin Klaus Germann (606 Stimmen) vor. Nach dem ersten Patt mit sechs zu sechs Stimmen informierte Schriftführer Christoph Sommer, dass es insgesamt drei Wahlgänge gebe. Sollte dann immer noch keine Entscheidung gefallen sein, müsse per Los über die Besetzung des zweiten Beigeordnetenamtes entschieden werden.
So kam es: Alles drei Wahlgänge endeten sechs zu sechs. Der Schriftführer von der Verwaltung bereitet zwei Stimmzettel mit den Namen vor. Wolfgang Denzer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, faltete sie und steckte sie in Briefumschläge, die er in eine Wahlurne legte. Sie wurde mehrfach gedreht und gewendet, dann zog Frey einen Briefumschlag. „Die Wahl fällt auf Klaus Germann“, sagte der Ortsbürgermeister. Scheinbar waren alle Beteiligten so angespannt, dass nicht einmal aus den Reihen der CDU Applaus aufkam. Frey verpflichtete und vereidigte dann den pensionierten Polizeibeamten Germann als zweiten Beigeordneten. Auch Germann appellierte an den Rat zusammenzustehen, Einigkeit zu zeigen und in der Sache ohne persönliche Befindlichkeiten zu entscheiden.
