Südwestpfalz
Das lange Warten auf die L475-Sanierung: Ortschefs im Wallhalbtal kritisieren Land
Für die Bürger stellt die Landesstraße 475 in vielerlei Hinsicht eine wichtige Anbindung dar: zur Verbandsgemeindeverwaltung und der Integrierten Gesamtschule in Thaleischweiler-Fröschen, zur Kreisverwaltung und den Gymnasien in Pirmasens, zur B10 und zur L270. Sie ist somit für viele Menschen der schnellste Weg zum Arbeitsplatz. Umso größer ist der Unmut über den schlechten Zustand der Strecke, der seit fast 30 Jahren Thema ist. Die Ortsbürgermeister von Herschberg, Maßweiler und Wallhalben sehen dringenden Handlungsbedarf seitens des Landes und der Straßenverkehrsbehörde.
Für Herschbergs Ortsbürgermeister Andreas Schneider ist es vollkommen unverständlich, dass man den schlechten Zustand der Strecke „seit ewigen Zeiten“ trotz aller Gefahren und Nachteile für die Bewohner bestehen lasse. Seit Jahren stelle dies zudem einen Nachteil für den Tourismus im Mühlental dar. Es sei ein Glücksfall, dass die noch vorhandene Gastronomie in der Weihermühle, der Kneispermühle und in Wallhalben nicht resigniert habe. Er kritisiert die „unbeugsame Hartnäckigkeit“, mit der Land und Straßenverkehrsbehörde den schlechten Zustand bestehen ließen. Stattdessen eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer zu erlassen, sieht er als sicheres Zeichen dafür, dass man gar keine Abhilfe schaffen wolle. Für „verwerflich“ hält er es, dass jetzt noch die Einhaltung der herabgesetzten Geschwindigkeit überprüft werde, obwohl doch der Straßenbelag das eigentliche Problem sei.
Semmet: Keine weitere wertvolle Zeit verstreichen lassen
Für Maßweilers Ortsbürgermeister Herbert Semmet ist die L475 von Landstuhl kommend nach Wallhalben, vorbei an der Kneispermühle und weiter durchs Weihermühl- ins Schwarzbachtal, eine wichtige Straße, die sich in einem ordentlichen Zustand befinden müsse. Dafür brauche es eine angemessene und bezahlbare Erneuerung – ohne dass für die Planung und aufgrund Finanzierungsproblemen weitere kostbare Zeit verstreiche. Denn Semmet befürchtet, dass dafür nochmals fünf bis acht Jahre vergehen könnten.
Eine Absage erteilte er Überlegungen, die Straße herabzustufen, um den schwarzen Peter den Gemeinden und dem Landkreis zuzuschieben. Es müsse aufhören, dass sich das Land sich aus der Verantwortung verabschiede und die Gemeinden und Gebietskörperschaften in die Schuldenfalle führe. Wer ernsthaft für gleiche Lebensbedingungen und Chancen in allen Regionen des Landes sorgen wolle, der solle den Weg einer gerechten und hilfreichen Lösung für das Mühlental gehen, sagt Semmet.
Sprengart: Zustand der Straße Hemmschuh für Tourismus
„Das Land will, dass sich Tourismus, Gastgewerbe, Handwerksbetriebe und die Beschäftigung auf dem Land besser entwickeln – dann muss man auch eine notwendige Infrastruktur fördern“, sagt Wallhalbens Ortsbürgermeister Peter Sprengart. Das unbeliebte Straßenstück vom Meilbächeltal über Thaleischweiler-Fröschen nach Pirmasens und Rodalben sei ein Hemmschuh für alle, die sich im romantischen Mühlental erholen wollten. Außerdem erschwere es den täglichen Weg vieler Pendler zum Arbeitsplatz und der Kinder zu ihren Schulstandorten.
Die – aus seiner Sicht mit unlauteren Begründungen – vom Land ins Auge gefasste Herabstufung zur Kreisstraße sei nicht akzeptabel. Man dürfe dies dem Landkreis und den Bewohnern entlang des Tals keinesfalls zumuten, betonte Sprengart. Er erwarte, dass Land und der Landesbetrieb Mobilität eine „nicht unnötig aufgeblähte Ausbauvariante“ finden werden.
Sanierung war bereits in 90er Jahren ein Thema
Zwei Episoden belegen, wie lange die marode Fahrbahn der L475 bereits Thema ist. Zum ersten „Erlebnistag Radl-Spaß für die Familie“ kamen 1996 völlig unerwartet 20.000 Gäste ins Wallhalbtal. Auch in den Folgejahren blieb die Veranstaltung ein Besuchermagnet. Bereits nach der Premiere hatte ein Gespräch mit dem Straßenverkehrsamt in Kaiserslautern ergeben, dass spätestens bis zur nächsten Auflage auf dem Abschnitt zwischen Konradsmühle und Faustermühle zumindest punktuell die Straßendecke ausgebessert sein werde. Dies zeigt, dass bereits vor rund 30 Jahren der Zustand der Landesstraße nicht mehr zufriedenstellend war.
Mehr als 20 Jahre ist es her, dass der damalige Staatssekretär Günter Eymael (FDP) bei einem Besuch des Battweiler Dorfladens zu spät kam. Er entschuldigte sich damit, dass „die unglaublich schlechten Straßen in der Westpfalz“ der Grund dafür waren…
