Leimen Das hatte die Gemeinde nicht erwartet: Leimen bleibt Erholungsort

Der westliche Teil von Leimen vom Kirchturm aus gesehen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2016.
Der westliche Teil von Leimen vom Kirchturm aus gesehen. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2016.

Leimen behält das Prädikat Erholungsort. Nach umfangreichen Recherchen, um geforderte Nachweise zu bringen, ist der Status bestätigt worden. Warum das schwierig war.

Der Erholungsort-Status von Leimen bleibt bestehen. Nach Prüfung der von der Gemeinde eingereichten Unterlagen hat die Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) bestätigt, dass der Ort weiterhin berechtigt ist, sich Erholungsort zu nennen.

Der Weg zu dieser Entscheidung war nach Angaben der Gemeindeführung arbeitsintensiv. In der Gemeinderatssitzung im Oktober des vergangenen Jahres war noch darüber informiert worden, dass die Gemeinde die Prädikate Luftkurort und Erholungsort nicht führen dürfe. Hintergrund war, dass zwar eine Anerkennungsurkunde als Erholungsort aus dem Jahr 1970 vorlag, jedoch ein aktueller Entwicklungsnachweis sowie eine Darstellung der gegenwärtigen Situation fehlten.

Die Sorge: „Das können wir nicht nachweisen“

Die ursprüngliche Anerkennung stützte sich auf wissenschaftliche Gutachten zu lufthygienischen und klimatischen Voraussetzungen, eine landschaftlich bevorzugte Lage, eine gepflegte touristische Infrastruktur, ein ausgeschildertes Wander- und Radwegenetz sowie auf Gästeübernachtungen mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 2,5 Tagen. Nach mehreren Jahrzehnten verlangte die ADD eine erneute und zeitgemäße Darstellung dieser Kriterien.

Als Frist zur Vorlage der erforderlichen Nachweise hatte die ADD den 5. November 2025 gesetzt. In der Oktobersitzung des Gemeinderates befand Ortsbürgermeister Alexander Frey: „Das können wir nicht nachweisen. Wir verzichten von unserer Seite nicht, dann sollen Sie uns das Prädikat aberkennen.“

Gesamtkonzept für Tourismus und Dorfmodernisierung

Doch der Erste Beigeordnete Michael Schwarz machte sich ans Werk. Er ist zukünftig auch für den Geschäftsbereich Dorferneuerung zuständig und übernahm mit Zustimmung von Frey die Aufgabe, sich um den Erhalt des Prädikats Erholungsort zu kümmern. Er erklärt: Für die ADD sei vor allem ein Gesamtkonzept entscheidend gewesen, in dem touristische Entwicklung und Dorfmodernisierung nachvollziehbar dargestellt werden. In diesem Zusammenhang sei auch ein Dorfcheck durchgeführt und es seien konkrete Maßnahmen der Dorferneuerung ausgearbeitet worden.

Ein wichtiger Bestandteil der Nachweise betraf die touristischen Kennzahlen. Zum 31. Dezember 2025 lebten in Leimen 976 Einwohner. Nach Angaben von Schwarz sind in der Gemeinde sechs Beherbergungsbetriebe gemeldet, die jeweils über zwei bis neun Betten verfügen; bei zwei Betrieben gibt es auch Beistellbetten.

Übernachtungszahlen als Schlüsselkriterium

Bei der statistischen Erfassung von kleinen, privaten Anbietern gebe es „ein Grundproblem“, erläuterte er. Private Beherbergungsquartiere (Anbieter und Betten) seien im Internet zu finden, ebenso die Übernachtungen am Campingplatz, so Schwarz. „Denn laut Statistischem Landesamt werden nur noch offiziell Betriebe ab zehn Betten geführt. Deshalb liegen weder bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz noch bei der Verbandsgemeinde Rodalben hierüber Zahlenmaterial vor.“ Um dennoch belastbare Daten vorlegen zu können, seien alle Vermieter persönlich kontaktiert worden.

Schwarz nennt für das Jahr 2022 bei 33 Betten insgesamt 3137 Übernachtungen, für 2023 bei gleicher Bettenzahl 4542 Übernachtungen und für 2024 genau 4319 Übernachtungen in Leimen. Auf Basis dieser Ermittlungen sei auch die geforderte durchschnittliche Aufenthaltsdauer von mindestens 2,5 Tagen belegt worden.

Schwarz: „Die Arbeit hat sich gelohnt“

Im Anerkennungsbescheid hält die ADD fest: „Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen zur Kontrolle der Anerkennungsvoraussetzungen für den Erholungsort Leimen bleibt festzuhalten, dass die erforderlichen Prädikatisierungsvoraussetzungen in ausreichender Form nachgewiesen wurden und die Gemeinde Leimen somit weiterhin berechtigt ist, die staatliche Anerkennung mit der Artbezeichnung „Erholungsort“ zu führen.“

Für die Gemeindespitze steht damit fest: „Die Arbeit hat sich gelohnt.“ Michael Schwarz betonte: „Wir haben es doch geschafft, unseren Erholungsstatus behalten zu dürfen. Ein großer Dank geht an die Betriebe, welche die Übernachtungszahlen an uns weitergegeben haben und sich intensiv weiter darum kümmern, diesen touristischen Pfeiler zu stabilisieren. Ohne dieses Engagement privater Vermieter wäre ein solches Ziel nicht dauerhaft zu halten.“

x