Lembach
Burg Fleckenstein: Ein Ort voller Rätsel und Geschichte [mit Bilderstrecke]
Mitten im elsässischen Wald, unmittelbar hinter der deutsch-französischen Grenze, liegt die Burg Fleckenstein. Mächtig erhebt sich die Festung auf einem Felsen aus Sandstein. Die Burg stammt aus dem 12. Jahrhundert, doch der Sandstein, auf den die Menschen damals bauten, ist Millionen von Jahren alt. Selten kommt man diesem so nah wie hier, ließen die Baumeister des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation doch einen Teil der Anlage direkt in den Fels graben.
Wer will, kann heute noch durch einen Turm steigen, der mitten durch einen Felsen führt. Von oben bietet sich eine weite Aussicht über den Pfälzerwald einerseits und die Nordvogesen andererseits. „Damals waren hier allerdings noch keine Bäume“, erzählt Betty Favreau, die Direktorin der Burg.
1680 erobert und zerstört
Sechs Jahrhunderte lang hat die Familie Fleckenstein, deren letzter Nachkomme 1720 starb, die Geschichte der Region geprägt. Ein besonders einschneidendes Erlebnis gab es im Jahr 1680, als die Burg von Soldaten des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV eingenommen und der herrschaftliche Wohnbereich zerstört wurde.
Lange habe die Burg leer gestanden, bis sie schließlich im Jahr 1889 unter Denkmalschutz gestellt wurde, informiert eine Broschüre. Heute sei Fleckenstein acht Monate im Jahr für Besucher geöffnet, erzählt Favreau. In dieser Zeit kommen rund 70.000 Besucher, die meisten aus einem Umkreis von bis zu zwei Fahrtstunden auf deutscher wie auf französischer Seite.
Wasserversorgung über Regenwasser
Auf dem Areal der Felsenburg, die nicht barrierefrei begangen werden kann, sind Überreste der Wehranlage zu besichtigen. „Fleckenstein hat alles, was die Menschen damals über Verteidigung wussten“, sagt Favreau. Mehrere Tafeln auf dem Gelände erklären dem Besucher, was heute noch zu sehen ist und was einmal zu sehen war. Leicht zu erkennen sind die tiefen Rinnen im Sandstein des Bodens. Hierdurch sei das Regenwasser für die Wasserversorgung geleitet worden, erklärt Favreau.
Wer mehr über die Geschichte der Burg erfahren will, kann für 60 Euro eine Burgführung buchen. Samstags gebe es um 14 Uhr eine kostenfreie Führung auf Französisch und Deutsch, die im Eintrittspreis inbegriffen sei und ohne Anmeldung besucht werden könne, so die Direktorin.
Im Innern der Burg stehen im Felsensaal Modelle, die die bauliche Entwicklung Fleckensteins darstellen. Einige Stufen tiefer haben die ehemaligen adligen Bewohner in einem Felsgewölbe ihren Auftritt: Auf mehreren Tafeln sind Porträts von Familienmitgliedern aus sechs Jahrhunderten abgebildet.
„Rätselburg“ bietet Zugang zum Wald
Neben der klassischen Burgbesichtigung, für die etwa eine Stunde veranschlagt wird, gibt es mit der „Rätselburg“ noch einen ganz besonderen Zugang, der sich an Kinder und Familien richtet und durch den angrenzenden Wald führt, der anderen Burgbesuchern verschlossen bleibt.
Während der direkte Weg zur Burg nach der Kasse und vorbei am Café startet, biegen die Besucher der Rätselburg auf dem Eingangsgelände in eine andere Richtung ab. Ein Animateur weist die Kinder in ihre Aufgabe ein: Sie sollen einem kleinen Jungen namens Kim dabei helfen, den Baron von Fleckenstein zu befreien, den ein Raubritter gefangen genommen hat. Zudem hat der Bösewicht durch einen Zauberspruch die Natur aus dem Gleichgewicht gebracht. Nur, wenn Kim gemeinsam mit den Kindern die vier Elemente des Universums findet, kann er die Welt retten.
Infos in drei Sprachen
Auf spielerische Art und Weise können die jungen Besucher 25 Aufgaben lösen und nebenher so einiges über die Burgen in der Nachbarschaft erfahren: über die Burg Loewenstein, die Burg Berwartstein und die Burg Trifels. Die Informationen dazu gibt es in drei Sprachen: Französisch, Deutsch und Englisch. Der Parcours der Rätselburg werde regelmäßig überarbeitet.
Bis alle Rätsel im Wald und auf der Burg gelöst sind, können zwischen 2,5 und drei Stunden vergehen, überschlägt Favreau. Wer den Weg über die Rätselburg wählt, sieht Fleckenstein aus einer Perspektive, die den übrigen Besuchern sonst verwehrt bleibt. Vor allem eine Eiche, die hoch über dem Boden aus dem Felsmassiv wächst, lässt Staunen.
Für das nächste Jahr ist auf der Burg einiges an neuen Konzepten geplant, unter anderem soll die bisherige Dauerausstellung Le P`tit Fleck im alten Burgbauernhof überarbeitet werden, gibt Favreau einen Ausblick.
Rund um die Burg
Auf einem Waldparkplatz in der Nähe der Burg kann kostenlos geparkt werden. Bis Mitte Oktober gibt es samstags, sonn- und feiertags einen Pendelbus Wissembourg-Fleckenstein. In der Nähe gibt es mehrere Wanderwege, darunter die vier Burgenwanderung, die in drei bis vier Stunden Gehzeit neben Fleckenstein noch zur Wegelnburg, Loewenstein und der Hohenbourg führt. Unterhalb von Fleckenstein verläuft der Köhlerweg, auf dem an verschiedenen Stationen Wissen über die Arbeit der Köhler vermittelt wird. Im Internet: www.fleckenstein.fr/de.
