Südwestpfalz
Bunter Neubürger: Nilgans wird in der Region zum Dauerbewohner
Am Bachlauf der Mühlen von Rieschweiler nutzt die Nilgans die Baumnester der Störche zum Schlafen. Dies wird auch bei Hornbach und im Feuchtgebiet bei Mauschbach beobachtet. Dies besorgt die Vogelkenner des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) vor Ort noch nicht. Der Weißstorch werde den Zwischenmieter nicht dulden, ist sich Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen ziemlich sicher. Ähnlich sei es auch bei den Kormoranen, die manchmal die Storchennester übernehmen wollten.
Die in einem Lebensraum fremden Arten können das vorhandene Gleichgewicht oft erheblich stören. Dadurch können lokale Arten verdrängt und manchmal sogar in ihrem Bestand bedroht werden. Vor allem, wenn beide das gleiche Nahrungsangebot und den Brutraum bevorzugen. Zur Abwehr solcher Gefahren hat die Europäische Union (EU) im Jahr 2014 eine Richtlinie über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung „invasiver gebietsfremder Arten“ beschlossen. Der Eindringling muss das Potenzial für die Ausbreitung über größere Gebiete besitzen und gleichzeitig erhebliche Schäden verursachen können. Häufig erfüllen eingeschleppte Arten nicht beide Aspekte gleichzeitig. Es braucht deshalb eine genaue Risikobewertung von Fachleuten. Im Jahr 2017 wurde die EU-Liste der Problemeinwanderer von 37 auf 49 Arten erweitert. Nun steht auch die Nilgans als „potenziell invasive Art“ auf dieser Liste.
Wenig beliebt ist die Nilgans, wenn sie in Freibädern und auf Liegewiesen Dauergast werden will. Dies gilt auch für Strandbäder, natürliche Badeseen, Weiher in Parkanlagen oder Freizeittreffpunkte am Wasser, Schiffsanlegestellen und Campingplätzen. Wie bei Gänsen üblich, hinterlassen die Tiere eine Verschmutzung, die ein Ärgernis ist und Gemeinden schon früh am Morgen viel Reinigungsarbeit abverlangt, um wichtige Freizeitbesucher nicht zu vertreiben.
Afrikanischer Vogel kam aus Großbritannien und Holland
Die Nilgans gehört nicht zu den heimischen Arten unserer Vogelwelt. Ihre Urheimat ist, wie der Name schon verrät, das südliche Afrika unterhalb der Sahara sowie Ägypten entlang des Nils. Die europäischen Vorkommen sind sogenannte Gefangenenflüchtlinge und Aussetzungen jener Gänse, die wegen ihres bunten Gefieders nach Europa gebracht worden waren. Sie lebten an Seen, Parks und Teichen oft adliger Familien in England und wurden bald in Zoos gehalten. Von Großbritannien, den Niederlanden und schließlich über den Rhein und seine Nebenflüsse kamen die ersten Nilgänse nach Deutschland. Das kühlere europäische Klima bekam den Tieren offensichtlich gut.
Die fremdländischen Gänse mögen gewässernahe Gebiete mit großen Grasflächen. Da die Nilgans bei uns fast keine natürlichen Feinde hat, vermehrt sie sich fast ungebremst. Außerdem ist sie bei den Brutplätzen nicht wählerisch, was sie so erfolgreich macht bei der Fortpflanzung. Sie brütet in Krähenhorsten, auf Plattformen von Wanderfalken oder Weißstörchen, in Baumhöhlen und auf Felsen – selbst auf Gebäuden, aber auch häufig in Uferzonen im dichten Pflanzen- und Schilfbereich versteckt. Bei der Suche geeigneter Brutplätze zeigen sich die Nilgänse besonders durchsetzungsfähig. Erfolgt die Brut nicht am Boden, ist der Nachwuchs sicher vor Füchsen und Hunden. Weitere Feinde sind Greifvögel, Marder, Uhus und Möwen.
Einwanderer mit hübscher Farbkombination
Nilgänse ernähren sich von Gräsern, Sämereien und Blättern. Sie gründeln entengleich nach Wasserpflanzen und mögen auch den Jungaufwuchs auf den Getreidefeldern. Zur Brutzeit ergänzen sie ihre Nahrung auch mit Würmern, Heuschrecken und Schnecken. Die Brutzeit liegt in den Monaten März bis Juni. Bei Nestverlust kommt es auch zu späteren Nachgelegen. Das Weibchen legt fünf bis zwölf Eier, die größer als ein Hühnerei sind. Die Brutdauer von einem Monat übernimmt das Weibchen allein, das Männchen bewacht den Brutplatz. Nilgänse gelten in dieser Zeit als extrem streitsüchtig, wenn vermeintliche Eindringlinge zu nahe kommen. Sie legen sich selbst mit Schwänen und Störchen an, obwohl sie in solchen Auseinandersetzungen kaum erfolgreich sind.
Die erwachsenen Gänse haben eine Flügelspannweite von bis zu 75 Zentimetern und wiegen mehr als drei Kilogramm. Sie sind durch die verschiedenen leuchtenden Erd- und Beigetöne besonders hübsch gezeichnet. Die hochbeinige Gans hat einen robusten Körperbau. Sie ist überwiegend rostbraun mit blassem Kopf und heller Unterseite. Sie hat eine kastanienfarbene „Brille“ ums Auge und den dunklen Bauchfleck. Auffallend ist das weiße Feld in der Flügeloberseite und das kastanienbraune Halsband. Die Lebenserwartung liegt bei über 15 Jahren.