Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Brillenfabrik Bernhard verkauft nachhaltige Fassungen auf der ganzen Welt

Gerhard Bernhard in seinem Reich der Brillen.
Gerhard Bernhard in seinem Reich der Brillen.

Gerhard Bernhard fertigt in seiner Brillenfabrik zusammen mit seinen 16 Mitarbeitern rund 25.000 Fassungen pro Jahr.

Seit über zwanzig Jahren fertigt Gerhard Bernhard in seiner Brillenfabrik Bernhard Brillenfassungen, seit 2010 am Standort in Waldfischbach. Im Gebäude der ehemaligen Libelle-Schuhfabrik in der Hauptstraße am Ortsausgang entsteht heute unter anderem eine eigene Brillenkollektion unter dem Namen „Frames & Cotton“.

Der 60-Jährige hat während seines Berufslebens immer wieder neu angefangen, wie er erzählt. Aufgeben sei für ihn nie eine Option gewesen. Das begann schon bei der Lehre 1978 in Pirmasens. Da gerade keine Optiker ausgebildet worden seien, habe er stattdessen Uhrmacher gelernt, sei zur Bundeswehr und habe dann die Ausbildung zum Optiker absolviert.

Erstes Geschäft in Rodalben

Erste Erfahrungen in Sachen Produktion habe er in Pforzheim gesammelt, wo er bei der Firma Metzler zehn Jahre im Vertrieb gearbeitet habe. Bereits währenddessen habe er das erste Geschäft in Rodalben betrieben und die Firma Mauthe in Pirmasens übernommen.

Ab 2004 begann er mit der ersten eigenen Produktion im Gebäude des Gründerzentrums auf der Husterhöhe. In den folgenden Jahren habe er einen Geschäftspartner gehabt und sei ins Banana Building gezogen, erinnert sich Bernhard. Doch dann folgte die Insolvenz.

Seit 2019 in früherer Schuhfabrik

Dennoch arbeitete Bernhard weiter: In einer kleinen Werkstatt in einem Wohnhaus in Erlenbrunn stellte er weiter Brillen her, schaffte sich zwei CNC-Fräsen an und kaufte teilweise seine alten Maschinen aus der Zeit vor der Insolvenz zurück, wie er sich erinnert.

Nach und nach baute Bernhard Geschäfte in Neunkirchen, Saarbrücken und in Pirmasens am Sommerwald auf, die Firma war auf Messen vertreten. 2010 schließlich sei der Umzug nach Waldfischbach erfolgt, wo die heutige Brillenfabrik entstand. „Zuerst im gegenüberliegenden Gebäude und ab 2019 im Fabrikgebäude der ehemaligen Libelle-Schuhfabrik in der Hauptstraße 24“, erzählt Bernhard.

16 Mitarbeiter beschäftigt

Ungefähr 1500 Quadratmeter des alten Libelle-Fabrikgebäudes würden derzeit genutzt, überschlägt der 60-Jährige. Von der Produktentwicklung über den Musterbau, von Einzelanfertigungen bis hin zur Serienfertigung würden sämtliche Herstellungsprozesse eigenständig in der Waldfischbacher Manufaktur ausgeführt. Derzeit seien 16 Mitarbeiter beschäftigt.

Wer das Firmengebäude betritt, fühlt sich in frühere Zeiten zurückversetzt. Im heutigen Showroom, in dem Bernhard seine Brillen-Modelle ausstellt, vereinen sich moderne Elemente wie ein großer Glastisch, Designerlampen und Lederstühle mit dem alten Fabrikantenflair des ehemaligen Konferenzzimmers.

Klassisches Handwerk und moderne Technik

Auf den alten Nussbaumholz-Regalen an der Wand liegen heute unzählige Brillenmodelle. Auch auf dem langen Flur ist die Geschichte der Schuhfabrik noch deutlich zu erkennen, beispielsweise an den alten Schildern an den Holztüren, in die Glasfenster eingelassen sind und durch die man den Mitarbeitern über die Schulter schauen kann. Sie schleifen und veredeln von Hand die Produkte.

In der Halle am Ende des Flurs verbirgt sich jedoch modernste Technik. Hier stehen mittlerweile sieben moderne CNC-Fräsmaschinen, mit denen die Fassungen produziert werden, wie Bernhard schildert. Anstelle von Leder für die Schuhe liegen heute auf den Regalen im Lager Acetat-Platten, das Rohmaterial für Brillenfassungen.

Umweltfreundlicher Kunststoff

Von diesem Rohmaterial rührt der Name „Frames & Cotton“ her, was so viel wie „Rahmen und Baumwolle“ bedeutet. Celluloseacetat sei ein pflanzenbasierter Kunststoff, der aus Naturfasern wie Baumwolle und Zellstoff gewonnen werde, erklärt Bernhard. Im Gegensatz zu erdölbasierten Kunststoffen sei Acetat umweltfreundlicher und biete eine Kombination aus Festigkeit, Flexibilität und ansprechender Optik.

Mittlerweile sei die Brillenfabrik Bernhard Entwicklungs- und Produktionspartner für Auftraggeber verschiedenster Unternehmensgrößen, erklärt der Firmengründer. So gehöre die internationale Marke Colibris, die eine große Online-Plattform betreibe, zu den Auftraggebern.

Rund 25.000 Fassungen pro Jahr

Die Fassungen aus der Manufaktur in Waldfischbach seien nahezu weltweit zu kaufen, schätzt Bernhard. Doch auch für kleinere Optikgeschäfte würden Brillen unter deren Label am Standort hergestellt. „Gemeinsam mit dem Kunden werden jeweils individuelle und perfekt passende Brillenfassungen entwickelt und dann in Waldfischbach produziert“, umreißt Bernhard. Rund 25.000 Brillenfassungen entstehen pro Jahr in Waldfischbach.

Auch Einzelkunden können sich im Fabrikverkauf eine Brille individuell anfertigen lassen: Dann berät Gerhard Bernhard seine Kunden, führt Sehtests durch, passt Brillen individuell an und repariert, sollte einmal etwas kaputt gehen. Das Sortiment der Brillenfabrik umfasse mittlerweile circa 900 verschiedene Brillenfassungen.

Nachfolger steht bereit

Er lege großen Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit, betont Bernhard. Die Produktion erfolge komplett unabhängig, die Lieferanten seien zertifiziert und stammten ausschließlich aus Deutschland, Österreich, Italien und Japan. Bauteile aus China werden in Waldfischbach nicht verarbeitet, so Bernhard.

Sein Handwerk betreibt er auch mit 60 Jahren immer noch mit Leidenschaft, betont Bernhard. Für die Zeit nach seinem Ruhestand sei ebenfalls schon vorgesorgt: Bernhards Sohn, der bereits im Betrieb arbeitet, soll langfristig in die Fußstapfen seines Vaters treten. „Das freut mich sehr“, sagt der Optiker.

Die Brillenfabrik Bernhard befindet sich in der ehemaligen Libelle-Schuhfabrik.
Die Brillenfabrik Bernhard befindet sich in der ehemaligen Libelle-Schuhfabrik.
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