Fischbach RHEINPFALZ Plus Artikel Biosphärenhaus soll wieder öffnen

Am 25. März 2023 soll das Biosphärenhaus wieder öffnen, dann unter neuen Betreibern.
Am 25. März 2023 soll das Biosphärenhaus wieder öffnen, dann unter neuen Betreibern.

Es ist nicht nur für Fischbach eine frohe Botschaft, die kurz vor Weihnachten verkündet wird. Das Biosphärenhaus, gerade erst aufgegeben, soll nun doch nach dem Winter wieder öffnen. Das ist das Ziel zweier junger Unternehmer, die das Areal übernehmen und weiterentwickeln wollen. Auf privatwirtschaftlicher Basis, aber unter Wahrung eines naturpädagogischen Ansatzes.

„Es wäre doch ziemlich schade, wenn da nichts mehr stünde.“ Dieser Gedanke kommt Raphael Wagenblatt Anfang November, als er an der Fischbacher Tankstelle steht und das gegenüber liegende Biosphärenhaus im Blick hat. Erst kurze Zeit vorher hatte die Ortsgemeinde Fischbach angekündigt, dass sie das Haus nach der Winterpause nicht mehr öffnen werde – weil sie den defizitären Betrieb nicht mehr alleine stemmen kann, geschweige denn Geld hätte für Investitionen in neue Attraktionen. Raphael Wagenblatt kennt Haus und Geschichte, er stammt aus Ludwigswinkel. Er nimmt Kontakt auf mit dem Fischbacher Ortsbürgermeister Michael R. Schreiber. Und ab dann geht alles sehr schnell – außerordentlich schnell, wie alle betonen.

Zuerst Pacht, dann Kauf

Seit Mittwoch ist die Sache offiziell spruchreif: Ralph Wagenblatt und Daniel Schneider, geschäftsführende Gesellschafter der DaRa-Gruppe mit den Geschäftsfeldern IT, Marketing, Gastronomie und Veranstaltungen, übernehmen das Biosphärenhaus. Ab Januar wollen sie das gesamte Areal von der Gemeinde zunächst für ein Jahr pachten, dann als Eigentümer weiterentwickeln. Das Areal – etwa 3,5 Hektar groß – mit seinen Bereichen Veranstaltung, Gastronomie und Übernachtung passe sehr gut zu ihrem Profil, stellt er fest. In Pirmasens betreibt das Unternehmen den Musikclub Quasimodo und die Sportsbar im Bahnhof, organisiert zudem Veranstaltungen wie das Rodalber Stadtfest. Etwa 150 Veranstaltungen planten sie 2023, berichtet Wagenblatt.

Die Ziele, die die 26-jährigen Unternehmer sich gesteckt haben, sind ehrgeizig: Bis Ende 2025 sollen etwa 100.000 Tagesgäste das Areal besuchen, was eine Wertschöpfung von etwa 2,5 Millionen Euro für die Region bedeute. Ein Ziel, das auf realen Werten beruht: Rund 260.000 Übernachtungen gebe es im Jahr im Dahner Felsenland, ergänzt Verbandsbürgermeister Michael Zwick, und dabei seien viele kleine Unterkünfte mit weniger als zehn Betten gar nicht erfasst. Das Potenzial an Gästen sei also deutlich höher. Die Bedeutung des Tourismus unterstreicht auch Ortsbürgermeister Michael R. Schreiber – eine Schließung des Hauses wäre dafür ein herber Schlag gewesen.

Ausstellung wird erweitert, Gastronomie erneuert

Damit die jährliche Besucherzahl von zuletzt etwa 30.000 wieder ansteigt, wollen die Unternehmer schrittweise einiges investieren: bis 2027/28 eine Summe in mittlerer siebenstelliger Höhe. Konkret wollen sie zunächst die Gastronomie und die Ausstellung im Biosphärenhaus angehen. Das Bistro unterm Dach mit seiner Terrasse in den Baumwipfeln und einem „einzigartigen Blick“ soll zum Restaurant umgebaut werden, kündigt Wagenblatt an. Aber nicht zu irgendeinem. Er könne sich vorstellen, dass es dort keine feste Speisekarte gebe, sondern der Koch täglich Neues anbiete. Daneben soll es für Familien, Radfahrer und Wanderer eine Außengastronomie hinter dem Haus geben.

Ausstellung wird erweitert

Die Ausstellung soll erneuert werden. Ziel sei es, so Wagenblatt, jedes Jahr ein Stockwerk neu zu gestalten. Zunächst soll die Ausstellung aber erweitert werden, wobei der Kassenbereich einbezogen wird. Denn Tickets wird es künftig digital geben. Für Wagenblatt ein Schritt in Richtung „Biosphäre 2.0“. Naturpädagogische Angebote könnten ebenfalls fürs Smartphone entwickelt werden, nennt er ein weiteres Beispiel. Dass kein Kassenpersonal mehr benötigt wird, erleichtert für ihn übrigens auch eine ganzjährige Öffnung des Hauses. Wie viele Mitarbeiter – zuletzt sieben Festangestellte plus Aushilfen – übernommen werden, steht laut Wagenblatt noch nicht fest. Aber es gebe von ihrer Seite Angebote.

Übernachtungsangebot soll erweitert werden

Den Schwerpunkt Naturerlebnis wollen die Investoren erhalten, ergänzt um Neues. Neben Feriencamps für Kinder und Jugendliche zu Naturthemen könnte etwa ein Computer-Camp angeboten werden. Vorstellen können sich die Unternehmer zudem Veranstaltungen für Firmen oder sogar Hochzeiten im Biosphärenhaus. Für Gruppen wäre ein eigener Transportservice zum Bahnhof Hinterweidenthal denkbar. Insgesamt soll das Übernachtungsangebot deutlich erweitert werden auf 80 bis 100 Betten, ein „Naturresort“ entstehen. Damit fänden auch mehrere Schulklassen gleichzeitig Platz – ein Punkt, den die von kommunaler Seite in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie 2021 ebenfalls angeführt hatte.

Erstes Ziel: Eröffnung am 25. März

Am 25. März soll das Biosphärenhaus samt Wipfelpfad wieder öffnen. Ein komplett verändertes Angebot werden die Besucher dann nicht vorfinden – es gebe „keine Revolution, sondern eine Reform“, formuliert es Raphael Wagenblatt. Damit kann auch die Landrätin gut leben. Für Susanne Ganster, die neben Verbands- und Ortsbürgermeister die weitere Begleitung des Projektes zusichert, ist der Einstieg zweier junger Unternehmer aus der Region ein echter „Glücksfall“. Und die Aussicht, dass dort „weder Achterbahn noch Spaßpark“ entstehen werden, wohl auch beruhigend.

In trockenen Tüchern ist das Ganze freilich noch nicht. Denn für den angestrebten Verkauf des Areals müssen einige Fragen geklärt werden. Auch mit der Aufsichtsbehörde ADD. Diese muss zustimmen, da in den Bau der Einrichtung einmal stattliche öffentliche Gelder geflossen sind.

Die Investoren: Raphael Wagenblatt und Daniel Schneider, die geschäftsführenden Gesellschafter der DaRa-Gruppe.
Die Investoren: Raphael Wagenblatt und Daniel Schneider, die geschäftsführenden Gesellschafter der DaRa-Gruppe.
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