Kreis Südwestpfalz Beim CDU-Kreisparteitag spielt sich ein echter Krimi ab

Ja, das war ein echter Krimi beim Parteitag des CDU-Kreisverbandes Südwestpfalz am Freitagabend in Münchweiler. Nicht etwa die Rede des souverän wiedergewählten Parteivorsitzenden Christof Reichert (48 Jahre), das eilige Kurzreferat der Landtagsabgeordneten Susanne Ganster oder gar der etwas unstrukturierte Vortrag des Europaabgeordneten Werner Langen, sondern das Halbfinalspiel der Handball-EM, das mancher der über 150 Anwesenden gespannt über sein Handy verfolgte.

Als das Spiel um kurz nach 20 Uhr beendet war, tönte aus der Rodalber Mitgliederecke begeistert: „Deutschland ist im Finale!“, und die zuvor über die Smartphones gesenkten Köpfe im Saal richteten sich wieder gen Rednerpult. Dort war Langen gerade von der gekrümmten Euro-Banane auf das Thema Ölförderung gekommen. Zuvor hatte er den Zusammenhalt der Union trotz der Attacken aus der CSU und möglicher Unzufriedenheit der Mitglieder mit der langatmigen Flüchtlingspolitik der Bundesregierung beschworen, für schnelle Internetanschlüsse plädiert und behauptet, dass die Schließung des Flugplatzes Zweibrücken mit Zustimmung der Landesregierung vorbereitet und ausgeführt worden sei. Als Christof Reichert, selbst handballbegeistert, das Wort wieder ergriff, vermeldete er den Sieg des deutschen Teams – was im Saal allerdings längst keine Neuigkeit mehr war. In seiner Rede kanzelte er die rot-grüne Landesregierung ab, die abgewirtschaftet und die Region in Sachen B 10 verraten habe. Überhaupt die Straßen: Nicht mal drei Kilometer der Kreisstraßen könne man mit dem vom Land bereitgestellten Geld im Jahr sanieren. Für die insgesamt 266 Kilometer bräuchte man also fast 100 Jahre, um einmal alles zu erneuern. Er wendete sich gegen den Ausbau der Queichtalbahn für den Güterverkehr – das Land hat Zweigleisigkeit für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet –, verlangte aber die Elektrifizierung der Strecke für den Personenzugverkehr. Die meisten Dörfer in der Südwestpfalz seien mit Breitband unterversorgt; Ziel der CDU sei „Glasfaser bis vor jedes Haus“. Zum Thema Flüchtlingspolitik und Integration merkte Reichert an, dass die Mitglieder vor Ort verunsichert seien: „Man darf den Bogen nicht überspannen, die Menschen nicht überfordern.“ Ganster prangerte die Landesregierung an wegen des angerichteten Chaos’ durch die Windkraftpläne im Pfälzerwald sowie wegen zu wenig Polizisten und Lehrern, was sie auf eine „falsche Politik über viele Jahre“ zurückführte. Sie rief „Prestigeobjekte als Geldvernichtungsmaschinen“ in Erinnerung wie den Nationalpark, das Schlosshotel Bad Bergzabern und den Nürburgring. Auch sie warb für den Wahlkampf um Unterstützung auch durch jene, die andere oder frühzeitigere Entscheidungen in der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin erwartet hätten. Bei den Vorstandswahlen gab es keine Überraschungen. Für die als stellvertretende Vorsitzende ausgeschiedene Bettina Groh (Rodalben) – deren Namen Reichert übrigens zu keiner Zeit erwähnte – rückte Georg Schäfer nach, für Markus Pohl (Hauenstein) als neue Schatzmeisterin Martina Wagner. Deren Amt als CDU-Kreissprecher übernahm Georg Schreiner. Der Vorstand wurde um einen weiteren Mitgliederbeauftragten (Marcel Schäfer), einen Internetbeauftragten und um vier auf 16 Beisitzer erweitert. Das Frauenquorum wird laut Reichert nur durch die Frauen erreicht, die kraft ihrer Ämter im Vorstand sind. Das Durchschnittsalter des Vorstands beträgt 44 Jahre, das der Beisitzer 47 Jahre. Der Vorstand —Vorsitzender: Christof Reichert (48 Jahre, Hauenstein), 93 Prozent Zustimmung —Stellvertreter: Thomas Peifer (52, Thaleischweiler-Fröschen), 95 Prozent; Timo Hornung (30, Donsieders), 68 Prozent Georg Schäfer (51, Clausen), 84 Prozent —Schatzmeisterin: Martina Wagner (56, Kleinsteinhausen), 86 Prozent —Mitgliederbeauftragte: Dieter Schäfer (72, Schmalenberg), 97 Prozent; Marcel Schäfer (20, Hermersberg), 97 Prozent —Kreissprecher: Georg Schreiner (41, Dahn), 97 Prozent —Schriftführerin: Sarah Katharina Ernst (24, Pirmasens), 87 Prozent —Internetbeauftragter: Matthias Wagner (43, Waldfischbach-Burgalben) —Beisitzer: Tobias Dressler (29, Wallhalben), Hans Grieve (77), Hans-Dieter Haas (58), Peter Hartl (73), Florian Klein (20), Anja Pösse (47, alle Rodalben), Manfred Hellmann (52, Kettrichhof), Eleonore Huber (59, Obersimten), Leo Littig (51, Münchw.), Jörg Marx (29, Contwig), Markus Pohl (53, Hauenst.), Frank Radke (41, Fischbach), Marcel Schäfer (28, Horbach), Manfred Schary (49, Hinterweident.), Gabriele Tischer (47, Bechhofen), Wolf-Ulrich Weber (31, Waldfischb.-B.).

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