Fischbach / Dahn
Aus dem Pfälzerwald in die Welt: Wertvolle Eichen sind gefragt
Im Pfälzerwald stehen ganz besonders wertvolle Eichen. Sie sind für ihre Qualität bekannt und werden weltweit geschätzt. In der Südwestpfalz finden sie sich vor allem in den Forstämtern Wasgau und Johanniskreuz.
Einmal im Jahr werden die Stämme in einem besonderen Verfahren, der sogenannten Submission, verkauft. Dabei bieten die Käufer nicht-öffentlich auf die geernteten Stämme. Wer den höchsten Betrag angibt, erhält den Zuschlag. Doch wo gehen die Stämme aus dem Pfälzerwald anschließend hin und was wird aus ihnen gefertigt?
Langsames Wachstum ist von Vorteil
Richard Weis ist Geschäftsführer des Furnier- und Sägewerks Mehling & Wiesmann GmbH aus Lohr am Main im Spessart. Er hat in diesem Jahr für 450.000 Euro Eichen aus dem Pfälzerwald gekauft, rund 320 Kubikmeter Holz. Auch beim Forstamt Wasgau ist Weis fündig geworden.
Er erklärt, was dieses Holz so wertvoll macht: „Die Bäume sind langsam gewachsen, die Jahresringe liegen sehr dicht beieinander.“ Das führe zu einem ganz besonderen Aussehen. Im Schnitt seien die Bäume zwischen 300 und 400 Jahre alt. Auch die Farbe sei außergewöhnlich, was wohl daran liege, dass die Eichen auf sehr armen Böden über einen langen Zeitraum gewachsen sind. „Sie wurden von vielen Förstergenerationen gut gepflegt“, sagt Weis. Bäume wie diese gebe es weltweit nur in der Pfalz und im Spessart. Der Standort, auf dem ein Baum gewachsen sei, lasse sich am Holz eindeutig erkennen.
Pfälzer Eiche in Apple-Stores und Jachten verbaut
Die Stämme werden im Sägewerk des Familienunternehmens zu Furnier weiterverarbeitet. Diese dünne Schicht aus Echtholz sei 0,6 Millimeter stark und werde verwendet, um Trägerplatten zu furnieren, aus denen hochwertige Möbel, Wandverkleidungen, Tische oder ähnliches gefertigt werden.
Der Bedarf an hochwertigen Furnieren sei weltweit da: „Wir haben einen hohen Exportanteil.“ Die Kunden kämen unter anderem aus Italien, Dänemark, England, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Asien und den Vereinigten Staaten. Die Verkaufstische in den Apple-Stores beispielsweise seien aus Eichenfurnier aus der Pfalz und dem Spessart gefertigt.
Doch auch in Jachten werden die Hölzer verbaut. Früher sei häufig Teakholz verwendet worden, das stehe jedoch nicht mehr in den gewünschten Mengen zur Verfügung. Stattdessen werde nun europäische Eiche genutzt, darunter besonders gerne Hölzer aus der Pfalz und dem Spessart.
Auf Holzqualität achten
Als Einkäufer achte er genau auf die Qualität des Holzes. „Als erstes prüfe ich, ob der Stamm gerade gewachsen ist, damit daraus gerades Schnittholz gefertigt werden kann.“ Wichtig sei auch die Holzfarbe. Weiter schaue er, dass der Stamm keine inneren Fehler aufweise, die sich in der Rinde abzeichneten. Eine gute Eiche könne pro Festmeter zwischen 2000 und 5000 Euro einbringen, überschlägt Weis. Bei gut 70 Prozent der Stämme wisse er bereits, für welche Kunden sie in Frage kommen.
Ein großes Problem seien mittlerweile die absterbenden Eichen, die vom Prachtkäfer befallen seien. Diese sorgten für Wurmlöcher bis ins Innere des Stammes, was zu einem großen Wertverlust des Holzes führe. „Anstatt 20.000 Euro ist so ein Stamm dann vielleicht noch 500 Euro wert“, sagt Weis. Je früher solche Bäume erkannt und aus dem Wald geholt würden, desto besser sei es für die Holzqualität. Insgesamt habe diese in den vergangenen Jahren nachgelassen. Dazu trügen die enormen Hitzeperioden bei, die die Bäume schädigten und anfälliger für Insektenbefall machten. Doch nicht nur die Qualität, auch die Holzmenge gehe zurück, hat Weis beobachtet. Das liege unter anderem an der Stilllegung von Wäldern, die nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden.
Immer schwerer, Arbeitskräfte zu finden
Diese Entwicklungen haben Auswirkungen auf die Unternehmerlandschaft. Früher habe es in Deutschland um die 40 Furnierhersteller gegeben, mittlerweile seien es nur noch zwei, beide liegen im Spessart.
Bei Mehling & Wiesmann seien derzeit 50 Mitarbeiter beschäftigt, doch es sei mittlerweile schwer, Arbeitskräfte zu finden, erklärt Weis. Ein anderes Problem sei die Konkurrenz durch Sägewerke in Ländern, die niedrigere Lohnkosten hätten. Für die verbliebenen Furnier- und Sägewerke in Deutschland sei es wichtig, dass sie mit einheimischem Holz versorgt werden und nicht alles in den Export gehe. „Wir sind bereit, hohe Preise zu bezahlen“, betont Weis. Um die 22.500 Euro habe er dieses Jahr für einen Stamm aus dem Forstamt Wasgau gezahlt. Auch aus ihm wird eine große Menge Furnierholz werden. Zur Einschätzung: Aus fünf Kubikmetern Holz ließen sich etwa 3500 Quadratmeter Furnier gewinnen, erklärt Weis.
