Rodalben
Aufbruch im Zentrum von Rodalben: Altes Haushaltswaren-Geschäft wird wiederbelebt
Um welches Gebäude handelt es sich?
Bei diesem markanten Bau in der Innenstadt von Rodalben handelt es sich um das ehemalige Haushaltswaren- und Geschenkartikelgeschäft August Matheis. Eingebettet in den Stadtkern wurde das Gebäude 1968 in der heutigen Form grundlegend von den Brüdern Ferdinand und Max Matheis erweitert und zu einem für damalige Verhältnisse modernen Geschäftshaus umgebaut, das auf drei Etagen Eisenwaren, Haushaltswaren und Geschenkartikel anbot. Bekannt war das Geschäft unter anderem für die große Auswahl an Spielzeug. Überregionale Besucher zog Matheis bei Eisenbahnfreunden von Märklin-Eisenbahnen an.
Aber auch Eisenwaren, vom kleinsten Nagel, einzeln abgezählt, bis zu Geschenkartikeln und Porzellanartikeln, waren hier erhältlich. 1988 zogen sich die beiden Brüder aus dem Geschäft zurück. Seit 2011 steht das Gebäude leer. 2013 stand im Raum, in dem Gebäude ein Ärztehaus mit Apotheke und Physiotherapiepraxis unterzubringen. Die Pläne wurden allerdings nicht realisiert. Dazu Matheis: „Den Stand von heute hatte das Konzept nicht erreicht.“ Jetzt scheint der Fortbestand des Gebäudes gesichert.
Wer sind die Investoren?
Der Dahner Peter Matheis, der ehemalige Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis und dessen Sohn Gero Matheis sind die Investoren. Peter Matheis ist der Sohn von Ferdi Matheis, Bernhard Matheis der Sohn von Max Matheis. „Das Gebäude, mit mittlerweile vier Umbaumaßnahmen, befindet sich seit sechs Generationen in Familienbesitz. Inzwischen wächst die siebte Generation heran“, erzählt Bernhard Matheis.
Oberste Priorität sei es, „auch aus ökologischen Gründen das Gebäude zu erhalten, nach modernsten energetischen Gesichtspunkten zu sanieren, damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, die Energiekosten für die Mieter deutlich zu reduzieren und dieses Haus im Zentrum von Rodalben zu etwas Besonderem zu machen“, betont der gebürtige Rodalber, der bereits in der Nachbarschaft ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert saniert und mit neuem Leben gefüllt hat. Peter Matheis, 68 Jahre alt, ist Pensionär und unterrichtete am Dahner Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium. Gero Matheis, 36 Jahre jung, ist studierter Betriebswirt.
Was ist geplant?
Im Erdgeschoss entsteht eine Apotheke. Auf 200 Quadratmetern Fläche können Kunden barrierefrei ihre Arzneimittel erwerben. In den drei Obergeschossen entstehen vier geräumige Wohnungen. „Die vier Wohnungen werden eine gehobene Ausstattung haben und vollständig barrierefrei sein. Ein Aufzug gewährleistet vom Erdgeschoss aus einen ebenfalls barrierefreien Zugang bis vor die Wohnungstür. Auch das Treppenhaus bietet mit seinen breiten ehemaligen Kaufhaustreppen einen komfortablen Zugang zu den Wohnungen“, merkt Matheis an.
Der Eingangsbereich zur Apotheke wird um 2,50 Meter nach vorne versetzt, sodass das Gebäude in der Flucht der übrigen Bestandbauten der Hauptstraße steht. Zwei der Wohnungen verfügen über eine großzügige Dachterrasse. Zur Dachgeschosswohnung etwa gehört eine 95 Quadratmeter große Dachterrasse mit imposantem Blick über Rodalben. „Jemand, der sich entscheidet, hier zu wohnen, wird alles, was man zum Leben braucht, auf kürzestem Weg erreichen“, erklärt Bernhard Matheis. Einkaufsmärkte, Ärzte, Bankfilialen, Bäckereien, Cafés, Bahnhof und Busbahnhof in unmittelbarer Nähe und eine Apotheke im Haus zeichnen diese Lage aus.
Wie weit ist die planerische Gestaltung?
Die Pläne sind bereits fertiggestellt. Der Bauantrag ist gestellt und liegt der Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde vor. Am Mittwoch hat der Stadtrat dem Bauantrag zugestimmt. „Die Unterstützung des Bauvorhabens durch die Baubehörde bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz, das städtische Beratungsbüro Bachtler, Böhme und Partner aus Kaiserslautern und dem Stadtbürgermeister Claus Schäfer war bisher hervorragend“, lobt Matheis.
Welche Vorstellungen hat der Architekt?
Architekt Christoph Arnold sagt, das in massiver Bauweise errichtete Gebäude besitze eine „sehr gute Bausubstanz“. Es ist inzwischen komplett entkernt. Die vier Wohnungen in den Etagen eins bis drei werden mit flexibler Grundrissteilung, barrierefrei, in einer Größe zwischen 100 und 130 Quadratmetern geplant. Insgesamt wird das Gebäude zum KfW-Standard Effizienzhaus 55 saniert. Dazu gehören ein Wärmedämmverbundsystem, neue Fenster, eine Heizung mit Wärmepumpe, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine neue Dachdämmung.
Wer betreibt die Apotheke?
Eigentümerin der barrierefreien Apotheke mit eigenem Labor im Erdgeschoss ist Julia Menges-Wadle. Die 33-jährige Rodalberin ist approbierte Apothekerin und hat bis zur Schließung in der Bruderfels-Apotheke von Konrad Stein gearbeitet. Auf den Schritt in die Selbstständigkeit freut sie sich. „Sie wird den Namen Bruderfels-Apotheke tragen“, erzählt sie. Der Name stehe für die bekannte und geschätzte Beratung der Kunden. „Es wird sowohl vor der Apotheke als auch im Hof Parkraum geben“, informiert Menges-Wadle.
Muss der Start der Apotheke warten, bis alles fertig ist?
Als Zwischenlösung soll eine Container-Apotheke auf dem Gelände der Arztpraxis Stein in der Neuhofstraße 1a installiert werden. Menges-Wadle geht mit viel Enthusiasmus heran: „Mir ist wichtig, der Kundschaft bis zur Eröffnung den gewohnten Service und die Beratung zuteilkommen zu lassen“, stellt sie fest. Ihr langjähriger Arbeitgeber, Konrad Stein, wird in beratender Funktion tätig werden, rückt also auf eigenen Wunsch hin ins zweite Glied.
„Umgekehrte Rollenverteilung wie früher“, merkt sie schmunzelnd an. Der 60-jährige Stein freut sich, die unternehmerische Verantwortung in jüngere Hände zu geben. Seine Wunschkandidatin sei ohnehin Menges-Wadle gewesen. Die Chemie passe im wahrsten Sinne des Wortes bei den beiden, ungeachtet der Rollenverteilung. Die Werte, für die die alten Bruderfels-Apotheken-Mitarbeiter standen, vor allem den Fokus auf das Wohl der Patienten zu legen, verfolge auch die Nachfolgerin aus Überzeugung.
Wie hoch sind die Investitionen?
Die Höhe der Investition beziffert Matheis mit etwa einer Million Euro. Das Gebäude liegt im innerstädtischen Bereich und gehört damit zum Sanierungsgebiet „Rodalben Innenstadt“. Für Sanierungsmaßnahmen stehen Zuschüsse aus Fördergeldern bereit. Die Zuschusshöhe hängt dabei von den Kosten der geförderten Maßnahmen und den zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Vor allem für die energetische Sanierung sind Fördermittel in Aussicht gestellt.
Wann soll alles fertig sein?
Läuft es nach den Vorstellungen des Architekten und der Investoren, soll die Apotheke noch 2026 bezogen werden können. Bis die Wohnungen fertiggestellt sind, dürfte es Mitte 2027 werden. „Wann mit den eigentlichen Sanierungsmaßnahmen begonnen werden kann, hängt entscheidend davon ab, wann das Bauantragsverfahren abgeschlossen ist und wie schnell leistungsfähige Handwerker gefunden werden“, informiert Matheis.