Höheinöd
Aufbruch am Ortsrand: Gemeinde Höheinöd sucht Ideen für alte Schuhfabrik
In der ehemaligen Schuhfabrik Mattil soll neues Leben einziehen. Die Ortsgemeinde Höheinöd startet dafür ein Interessenbekundungsverfahren. Ziel ist es, das ortsbildprägende Gebäude, das zuletzt vor allem als Standort für Funkantennen weithin sichtbar war, einer vielfältigen Nutzung zuzuführen.
Über mehr als 50 Jahre produzierte Mattil in Höheinöd Schuhe. Zeitweise beschäftigte das Unternehmen bis zu 2000 Mitarbeiter an Standorten im In- und Ausland, täglich entstanden bis zu 30.000 Paar Schuhe. In Höheinöd, wo Mattil 1922 gegründet wurde, endete die Produktion 1985. Geblieben ist ein 6750 Quadratmeter großes, mitten im Ort gelegenes Areal mit der ehemaligen Fabrik.
Nach dem Produktionsende wechselten Eigentümer und Nutzung mehrfach – die Pläne reichten bis zur Idee einer Mini-Eisenbahnanlage. Lange hatte die Gemeinde keinen Zugriff. 2024 gelang es dem damaligen Ortsbürgermeister Lothar Weber (SPD), Gebäude und Gelände für die Gemeinde zu erwerben. Der Gebäudekomplex soll – seine Substanz leidet durch Leerstand – einer zukunftsgerichteten Nutzung zugeführt werden, die zu Höheinöd passt.
Was soll mit dem Gebäude passieren?
Der Gemeinderat hat eine Informationsbroschüre erstellen lassen und beschlossen. Sie richtet sich an Interessenten, die kreative Nutzungsideen einbringen und umsetzen wollen. Zunächst läuft ein Interessenbekundungsverfahren zur Markterkundung; eine förmliche Ausschreibung ist es nicht.
Was sich in dem Gebäude mit bis zu vier Stockwerken realisieren lässt, soll nun geklärt werden. Denkbar ist vieles – von modernem Loft-Wohnen mit weitem Blick bis zu nicht störenden gewerblichen Nutzungen. „Wir sind für nahezu alles offen“, sagt Bürgermeister Mike Mangold.
Die Broschüre hält fest: Werkhalle, Verwaltungsgebäude, Lager und Vorplatz sind sanierungsbedürftig, die grundlegende Bausubstanz gilt jedoch als weiter nutzbar. Je nach Konzept ist eine genaue Prüfung erforderlich. Auch ein Abriss wird von der Gemeinde nicht ausgeschlossen.
Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, das Grundstück ist weitgehend eben. Auf dem Hallendach ist ein Mobilfunkmast installiert; der Vertrag läuft bis 2032. Eine Standortänderung des Mastes wäre voraussichtlich möglich.
In der Nachbarschaft liegen Wohngebäude und landwirtschaftliche Betriebe. Das Plangebiet gehört vollständig der Ortsgemeinde und steht komplett für eine Neuentwicklung zur Verfügung. Eine Erschließung ist über die Langgasse und die Straße „Auf der Heide“ möglich.
„Lebendiges, soziales und integratives Quartier“
Im Exposé formuliert die Gemeinde ihre Vorstellungen, die im Rat gemeinsam entwickelt wurden: Gewünscht ist ein „lebendiges, soziales und integratives Quartier im Herzen von Höheinöd“, dessen Nutzungen den Charakter der Gemeinde stärken. Vorstellbar sind vielfältige Wohnangebote – von Raum für junge Familien bis zum Seniorenwohnen – ergänzt durch Möglichkeiten zum Arbeiten oder zur medizinischen Versorgung. Im flachen Vorgebäude sieht die Gemeinde zudem Potenzial für einen kleinen Einkaufsmarkt, etwa nach dem Vorbild von Tante Enso in Heltersberg oder einem Wasgau24-Markt.
Um das Gebiet für Investoren steuerlich attraktiver zu machen, prüfen die Ratsmitglieder die Vor- und Nachteile eines förmlichen Sanierungsgebiets. Bürgermeister Mangold und die Beigeordneten stehen dazu mit der Innenentwicklungslotsin des Landkreises Südwestpfalz, Michelle Christiner, in Kontakt. Zunächst muss geklärt werden, ob eine Sanierung notwendig ist – der Blick auf die Fabrik spricht dafür.
Mit Aspekten wie höheren steuerlichen Abschreibungen in Sanierungsgebieten und der Möglichkeit, dass auch Selbstnutzer von Wohneigentum steuerliche Belastungen geltend machen können, setzt sich der Rat nun auseinander. Eine Entscheidung fällt zu einem späteren Zeitpunkt. „Für Investoren wäre das steuerlich sicher interessant“, sagt Ratsmitglied Eugen Heim (CDU).