Rodalben
Aldi-Neubau: Weiter warten auf grünes Licht
Gegen das Objekt sprechen vor allem Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms als Schutzschirm zum Erhalt lebendiger Innenstädte. Demnach liegt der neue Standort an der früheren Schuhfabrik Servas, die mittlerweile nur noch als Industrieruine existiert, zu weit von der Stadtmitte entfernt. Die Entfernung beträgt 400 Meter Luftlinie. Zudem überschreitet die Verkaufsfläche mit 1100 Quadratmeter das in der Randlage erlaubte Maß um 300 Quadratmeter.
Daran scheiterte das Bauvorhaben bereits im September 2017. Vor fünf Jahren sollte das Projekt auf dem Gelände der Gärtnerei Peifer, Am Rohrweiher, umgesetzt werden. Von den dortigen 20.000 Quadratmetern hätten sich 10.000 nutzen lassen (abzüglich Schutzstreifen und Grünflächen). Der Stadtrat hatte schon beschlossen, aus dem Gewerbegebiet im Bebauungsplan ein Sondergebiet Handel zu machen.
Vorhaben entspricht nicht den Vorgaben
„Bei dieser Planung“, kommentierte jetzt Nora Schweikert von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, „lag ein Verstoß gegen das Landesentwicklungsprogramm, konkret gegen den regionalen Raumordnungsplan Westpfalz, vor“. Das heißt: Führt der Einzelhandel ein innenstadtrelevantes Sortiment, ist die Ansiedlung nur in „städtebaulich integrierten Bereichen“ zulässig, also in der Innenstadt oder zumindest in Stadtteilzentren. Die Ansiedlung muss mit der Regionalplanung abgestimmt werden.
Zu den Sortimenten für die zentrale Nahversorgung gehören Nahrungs- und Genussmittel, Drogeriewaren, Schnittblumen und Zeitungen. Nicht relevant für die Innenstadt wären zum Beispiel Elektrogroßgeräte, Bürotechnik, Möbel, Matratzen, Fahrräder oder Baustoffe. Das ist der Haken beim beabsichtigen Bau eines Aldis in Rodalben.
Die VG habe im Frühjahr 2021 die Zulassung einer Zielabweichung von den Vorgaben beantragt – also eine Ausnahme. Die wurde im Oktober abgelehnt, so Schweikert.
Pläne für einen Markt und mehr
Wie im April bekannt wurde, plant dort die Firma Wolf und Sofsky, Zweibrücken, nun einen Wohnpark auf 21.500 Quadratmetern aus rund 30 Einzelgrundstücken und zwei kleineren Mehrfamilienhäusern. Der Aldi wiederum sollte ein Stück Richtung Innenstadt rücken. Seit März weiß man, dass der Investor den Standort der einstigen Schuhfabrik Servas in Betracht zieht. Für sein Ansinnen führte er im RHEINPFALZ-Gespräch eine Reihe von Gründen an. Mit dem Baurecht für den Discounter würde der „Missstand der alten Schuhfabrik“ entfallen und Platz für Neues entstehen. Geplant sei mehr als allein der Markt. Der Investor sprach vom zu begrünenden Dach und barrierefreien Bungalows von 50 bis 60 Quadratmetern (Tiny Houses), auch für betreutes Wohnen. In der Innenstadt verfüge Rodalben nicht über die erforderliche Gewerbefläche.
Die 300 Quadratmeter über die zulässige Verkaufsfläche hinaus sei den großzügigen Ein- und Ausgängen, der weiteren Kasse und den breiteren Gängen im Markt geschuldet. Dies solle die Genehmigungsbehörde berücksichtigen. Auch das ist ein Aspekt: Im Umfeld des Marktes entstünden Parkplätze, die bei Großveranstaltungen im Zentrum genutzt werden könnten, zumal die Innenstadt „in gerade einmal zehn Minuten“ zu erreichen sei.
Ein Thema für den Stadtrat
Ob die Argumente ziehen? Kreissprecher André Schattner sieht das Bauvorhaben erschwert durch die regionale Raumplanung, verwies aber auf die Zuständigkeit der SGD Süd. Auch Timm Kauhausen, Pressesprecher der ADD, verwies auf das Genehmigungsverfahren, das noch läuft. Möglichkeiten zur Unterstützung „im Rahmen der Stadterneuerung“ habe die ADD mit der Stadt Rodalben erörtert. „Ein konkreter Projektplan“ sei der ADD indessen nicht bekannt. Der Investor zeigte sich „jederzeit bereit, ein Zielabweichungs- und Raumordnungsverfahren durchzuführen, wenn von den Fachbehörden ein Signal kommt, dass am Ende ein positives Ergebnis stehen könnte“.
Bürgermeister Claus Schäfer unterstützt den neuerlichen Vorstoß des Investors. Er will den Aldi-Markt auf die Tagesordnung des Stadtrates am 8. November setzen. Aldi selbst bekennt sich nach wie vor zum Standort Rodalben. „Der Standort ist attraktiv“, ließ Johanna Bril von der Unternehmensgruppe Süd auf Anfrage der RHEINPFALZ verlauten. „Wir möchten dort weiterhin gerne eine Filiale eröffnen. Vor Ort wären wir jedoch Mieter und als solcher nicht unmittelbar an der Entwicklung des Standorts beteiligt.“