Südwestpfalz Agroforst und Renaturierung: So könnten Wege aus der Klimakrise in der Südwestpfalz aussehen

Eine Agroforstfläche.
Eine Agroforstfläche.

Viele Förderprogramme können bei der Anpassung an den Klimawandel helfen. Es muss aber auch beantragt werden, sagen Experten.

Kreisbeigeordneter Manfred Seibel (Grüne) will in der Südwestpfalz sogenannte Agroforstprojekte auf den Weg bringen, in denen Baumreihen gegen Starkregen und Erosion angepflanzt werden sollen. Bei dem Fachgespräch zur Anpassung an den Klimawandel beklagten nun mehrere Teilnehmer, dass aktuell immer öfter Bäume auf Feldern und in Dörfern verschwänden, weil sie im Wege stünden. Kreistagsmitglied Anna Silvia Henne (SPD) monierte komplett baumfreie Neubaugebiete, obwohl in den Bebauungsplänen Bäume auf Straßen und Vorgärten vorgeschrieben seien. „Die Leute wissen nicht, wo sie ihr Auto hinstellen sollen, und asphaltieren den Vorgarten“, so ihre Beobachtung. Das Klima in den Dorflagen verschlechtere sich dadurch, sagte Henne.

Paul Sefrin (CDU), Erster Beigeordneter in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, monierte das Verschwinden von ganzen Baumgruppen und Hecken in der Landwirtschaft, da sie die Bauern störten. Das bleibe jedoch nicht ungestraft, wie Raphael Philipp von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung versicherte. Die Einhaltung von Bebauungsplänen sei Sache der Verbandsgemeinde.

Baukasten-Programm für Gemeinden

Hilfe versprach Andreas Ehrhard vom Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen des Landes. Im Februar werde es online ein Programm geben, mit dem Gemeinden wie in einem Baukasten Maßnahmen planen könnten und auch gleich sähen, welche Fördermöglichkeiten es gibt. An Projekten gegen die Folgen des Klimawandels gebe es weit mehr als nur Bäume zu pflanzen. Ehrhard nannte als Beispiel Kindergärten, die mit Bäumen verschattet werden, Matschanlagen für kühlende Sommeraktivitäten schaffen und Fassaden sowie Dächer begrünen könnten. In den Dörfern sollten Schottergärten beseitigt werden. Bürgerbeete könnten die Anwohner einbinden und große Stützmauern mit Begrünung das Mikroklima in heißen Sommern günstig beeinflussen.

Gegen Starkregen und Hochwasser helfen laut Ehrhard Renaturierungen. Große Asphalt- und Pflasterflächen sollten wieder entsiegelt und zu kleinen Parks in den Dörfern gewandelt werden. Außerhalb der Dörfer sollten Moore geschützt und erweitert werden, die dienten nicht nur dem Hochwasserschutz und kühlten im Sommer sondern speicherten gleich noch viel Kohlendioxid, zählte Ehrhard auf.

Grüne Schulhöfe in Vinningen und Dahn

Es werde schon viel getan, betonte die Klimaschutzmanagerin Stephanie Pons-Dechent, die seit Oktober in der Kreisverwaltung arbeitet. Bei den Feuerwehren gebe es immer mehr geländegängige Einsatzwagen für Waldbrände und Hochwassereinsätze. Löschwasser werde in Waldnähe bevorratet. Ganz konkret soll in den Schulhöfen in Dahn und Vinningen der Asphalt verschwinden und mit Grünanlagen etwas für die Aufenthaltsqualität getan werden. Der Pirmasenser Gartenbauamtsleiter André Jankwitz habe mehrere Referenzobjekte in Pirmasens gezeigt, berichtete die Klimaschutzmanagerin. Generell gelte für viele Projektideen, dass derzeit auf die Öffnung neuer Fördertöpfe gewartet werde.

Für bestimmte Projekte gebe es schon genug Fördergelder, sagte Philipp. Unter anderem gebe es einen speziellen Naturschutz-Fördertopf, der mit Geldern gespeist werde, die Investoren einzahlen, um sich damit Ausgleichsmaßnahmen für ihre Bauprojekte zu sparen. Als Ausgleich für Windräder werde beispielsweise viel in diesen Fördertopf eingezahlt, aus dem es Geld für Hecken, Baumpflanzungen, Moore und Renaturierungsprojekte gebe.

Wieso dann aber nichts passiere, fragte Kreistagsmitglied Henne. Es sei viel Geld für ein Klimaschutzkonzept ausgegeben worden und jetzt liege es in der Schublade.

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