Höheischweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Abseits des Laufstegs: Neue Ideen und gute Laune

Eine der wenigen Shows vor Publikum, die Karin Wadle 2020 bestritt, war die Lux Fashion Week Ende September, ...
Eine der wenigen Shows vor Publikum, die Karin Wadle 2020 bestritt, war die Lux Fashion Week Ende September, ...

Die Modebranche leidet unter der Corona-Pandemie. Kleine Designer verschwinden, große Unternehmen wie Tom Tailor und dessen Tochter Bonita rutschen in die Insolvenz, andere wie Esprit werden verkauft. Das Corona-Beben in der Branche hat sich im Terminkalender des Classic-Models Karin Wadle bemerkbar gemacht. Sie bleibt optimistisch.

„Ich habe ganz viele Kunden im Bereich Mode, die aufgeben mussten“, erzählt die Höheischweilerin und nennt als Beispiel Dirndl-Designer, denen der Markt völlig weggebrochen sei. „Es gibt welche, die den Sprung geschafft haben, online gut zu werben“, fügt sie an. Der Modehandel verzeichnet drastische Umsatzeinbußen, die Läden sind noch voll mit Winterware, da muss schon Platz für die Frühjahrsmode geschaffen werden. Eine, die sich trotz des Lockdowns behauptet, sei Ilka Knüttel mit ihren Modegeschäften in Pirmasens, erzählt Wadle: „Sie erreicht ihre Stammkunden, macht viel über Social Media.“

Zusammen mit dem Filmemacher Thorsten Feix hat Wadle Ende November ein paar kleine Spots gedreht, in denen sie Wintermode aus Knüttels Geschäft präsentierte. „Es sind ein paar Folgegeschichten geplant. Mit der Wintermode sind wir ja jetzt durch“, sagt sie. Mit Thorsten Feix und Jörg Wittmer hat sie ein gemeinsames Projekt in Angriff genommen. „Social Media für die Pfalz“ heißt es. „Wir wollen mit lustigen und kreativen Videoprojekten andere Vermarktungsformen erschließen“, berichtet sie voller Tatendrang. Wadle ist fest in der Region verwurzelt, sie möchte sich so für ihre Heimat einsetzen.

Höhepunkt in Luxemburg

Auch wenn sich die Pandemie massiv auf ihren Model-Terminkalender ausgewirkt hat, gab es im Herbst 2020 einen Höhepunkt. „Die Fashion Week in Luxemburg, das war ganz klar das Highlight des Jahres“, erzählt Wadle. Sie präsentierte die erste Kollektion der früheren Prinzessin Tessy von Luxemburg, die jetzt als Tessy Antony de Nassau Umhänge designt. „Es war toll. Die Stimmung war toll. Weil es keine After-Show-Party gab, war es aber auch schnell rum“, erinnert sie sich. Das Publikum war überschaubar. „Es waren nur eingeladene Gäste da, ganz wenig Presse“, beschreibt sie die Folgen der damaligen Corona-Bestimmungen im Nachbarland.

Für Wadle schloss sich im Großherzogtum ein kleiner Kreis. „Ich hatte 2020 meine letzte Show vor dem ersten Lockdown in Luxemburg, das war am 6. März“. Ende September, bei der Fashion Week, lief sie dann die erste Modenschau wieder vor Publikum. „In Luxemburg gab es die Fashion Week erst zum zweiten Mal. Und sie fand angesichts der Pandemie unter schwierigen Bedingungen statt“, ergänzt sie. Beeindruckt hat sie dabei die Internationalität der Models, „alle so Anfang 20“, ergänzt die 46-jährige zweifache Mutter lachend. Und sie äußert Respekt: „Wenn ich sehe, welche gereifte Persönlichkeiten das schon mit 20 Jahren sind, so weit war ich in dem Alter noch nicht.“

Nach sechs Stunden Vorbereitung – schminken, frisieren, umziehen und immer wieder warten – ging es in Luxemburg endlich auf den Laufsteg, wo sie die nachhaltig produzierten Capes der Modelinie „Human Highness“ der ehemaligen Prinzessin präsentierte. Umhänge, mit denen sich Wadle wohlfühlte und die ihr gefielen. „Ich hätte jedes dieser Teile gerne mit nach Hause genommen“, erzählt sie immer noch begeistert.

Der Kontakt zu Tessy de Nassau ist nach der Schau nicht abgerissen. „Es ist extra schön, wenn man jemanden schätzt und das auf Gegenseitigkeit beruht. Das ist ein sehr schönes Gefühl“, sagt Wadle. Im Oktober war sie erneut in Luxemburg beim Shooting der Kollektion, im November ging die Human-Highness-Internetseite online. Über den Online-Shop kann man die Capes kaufen. Das günstigste Teil ist für 580 Euro zu haben. Wadle freut sich, dass das Engagement in Luxemburg so gut gelaufen ist. „Tessy hat einen hohen Bekanntheitsgrad, für mich ist das auch klasse“, bemerkt sie.

Geplant sind weitere Fotoaufnahmen für ein Luxemburger Magazin. Doch da der zweite Lockdown die Modebranche erneut hart getroffen hat, ist Abwarten angesagt. „Was verschoben werden konnte, wurde verschoben“, sagt Wadle. Wahrscheinlich wird sich vieles wieder online abspielen. „Es hat sich vieles gewandelt. Es gab etliche Livestreams auf Facebook, viele Videos, auf Instagram ist viel passiert, Corona hat das alles verstärkt.“ Die Modepräsentation ist wie die gesamte Branche im Umbruch.

Pilates live aus dem Studio

Online ist derzeit auch in ihrem Beruf angesagt. Die studierte Sport- und Gesundheitstrainerin hält ihre Pilates-Kurse im Ergo-Fitnessstudio als Videokonferenzen. In den Studios dürfen derzeit nur Reha-Sport-Patienten trainieren. Wadle, die sonst auf dem Laufsteg so fokussiert ist, dass sie Foto- und Filmkameras kaum wahrnimmt, musste sich umorientieren. Im Studio steht sie nur einer Kamera gegenüber. „Ich bin da ganz alleine im Kursraum. Beim ersten Mal war ich total aufgeregt, weil niemand da war“, erzählt sie. Weil ihr Online-Kurs auch von Kunden der Ergofit-Partnerstudios in Annweiler und Landau gebucht wird, hat sie ein größeres Publikum. „Da sind dann bis zu 60 Leute dabei“, erzählt sie. „Diese Konferenz ist eine super Möglichkeit, um mit seinen Kunden in Kontakt zu bleiben“, lobt sie die Online-Vorzüge. Korrekturen, wenn sich in den Übungen kleine Fehler eingeschlichen haben, lassen sich nicht mehr so spontan beheben. „Ich biete da immer meine Hilfe an, das kann man hinterher gut per Video machen“, sagt sie.

... wo die Höheischweilerin die hochwertigen Capes aus der ersten Kollektion von „Human Highness“ präsentierte, ...
... wo die Höheischweilerin die hochwertigen Capes aus der ersten Kollektion von »Human Highness« präsentierte, ...
... die Tessy Antony de Nassau entworfen hatte. „Sie war hinterher total euphorisch“, erinnert sich Wadle gerne zurück.
... die Tessy Antony de Nassau entworfen hatte. »Sie war hinterher total euphorisch«, erinnert sich Wadle gerne zurück.
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