Mauschbach RHEINPFALZ Plus Artikel 70 Jahre Landfrauen Mauschbach: Die Mütter des Sommerfestes

Ein Foto aus dem Jahr 2015, als das sanierte Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht wurde: die Mauschbacher Landfrauen Rosalinde Tiedt
Ein Foto aus dem Jahr 2015, als das sanierte Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht wurde: die Mauschbacher Landfrauen Rosalinde Tiedtke und Karin Reder (vorne von links), Ortsbürgermeister Bernhard Krippleben, Hannelore Stähly und Silvia Kolb (hinten von links).

Die Mauschbacher Landfrauen feiern in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. Die Vorsitzende erzählt die Entstehungsgeschichte und blickt auf bewegte Jahrzehnte zurück.

Vor 70 Jahren schlossen sich in Mauschbach zehn Frauen zu einem neuen Landfrauen-Ortsverband zusammen. „Drei davon waren damals in der Landwirtschaftsschule und haben sich dort kennengelernt“, erzählt Anna-Monika Weber, erste Vorsitzende der Mauschbacher Landfrauen, zur Historie. Die Landwirtschaftsschule war seinerzeit in Zweibrücken beheimatet – genauer gesagt in Bubenhausen oberhalb des Etzelwegs; dort, wo heute die Herzog-Wolfgang-Realschule steht. Die Schule sei im Grunde wie eine Berufsschule gewesen, sagt Weber – allerdings mit klarem Fokus auf Tätigkeiten rund um den Bauernhof und die Landwirtschaft.

Unmittelbar nach der Gründung schloss sich die Mauschbacher Ortsgruppe dem landesweiten Landfrauenverband an. Von Beginn an trafen sich die Frauen regelmäßig, oft im ehemaligen Gasthaus Weber. „Und dann standen sehr schnell auch schon die ersten Kochkurse an“, erinnert sich die Vorsitzende. Man müsse sich vor Augen führen, betont Weber, dass die Landfrauen damals für viele Frauen im Dorf nahezu die einzige Möglichkeit waren, sich auszutauschen, Gemeinschaft zu erleben und dem Alltag auf dem Hof oder im Haushalt zumindest zeitweise zu entkommen. Die Arbeit zu Hause und in der Landwirtschaft bestimmte das Leben. Der Ortsverband wurde so zu einer festen sozialen Stütze im Dorf – zu einem Ort der Begegnung, des Lernens und des Miteinanders.

Ursprung des Mauschbacher Sommerfestes

Mitte der 60er-Jahre veranstalteten die Mauschbacher Landfrauen erstmals ein Sommerfest – damals noch unter dem Namen Landfrauenfest. Provisorisch wurde, so berichtet Weber, ein Zelt auf dem Grundstück einer der Landfrauen aufgebaut. Drei Tage lang wurde dort gefeiert. Für Essen, Getränke und das Programm sorgten die Landfrauen selbst. „Dazu gibt es auch eine schöne Anekdote“, erzählt Weber schmunzelnd. Manche Landfrau, die drei Tage lang mitgeholfen habe, sei morgens beim Melken der Kühe vor Erschöpfung eingeschlafen. Denn die Frauen mussten neben den Festvorbereitungen und -diensten weiterhin auf dem Hof mit anpacken. Das Engagement für die Gemeinschaft kam also zusätzlich zu einem ohnehin arbeitsreichen Alltag.

Das Landfrauenfest wurde über Jahrzehnte hinweg gefeiert – bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Danach wurde die Traditionsveranstaltung in veränderter Form wiederbelebt: als Mauschbacher Sommerfest. „Wir haben uns mit den anderen Vereinen im Dorf, die zuvor jeweils für sich gefeiert haben, zusammengeschlossen und ein gemeinsames Sommerfest ins Leben gerufen“, erklärt Weber. Aus mehreren einzelnen Festen wurde so ein gemeinsames Ereignis für das ganze Dorf. Der Gedanke der Zusammenarbeit und des Miteinanders, der die Landfrauen seit jeher prägt, fand damit eine neue, zeitgemäße Form.

Auch die jungen Leute machen mit

Einige Jahre nach der Gründung begannen die Mauschbacher Landfrauen zudem mit ihren ersten Ausflugsfahrten. Zunächst waren es eintägige Fahrten, später mehrtägige Reisen. „Die Männer waren davon natürlich nicht sonderlich begeistert“, kommentiert Weber mit einem Augenzwinkern. Doch durfte eine Frau mitfahren, schlossen sich die anderen oft an. Für viele sei dies der Höhepunkt des Jahres gewesen. „Normalerweise kamen sie nicht großartig aus dem Dorf heraus“, gibt Weber zu bedenken. Die Erzählungen machen deutlich, wie stark die Geschlechterrollen damals noch festgeschrieben waren – und welche Bedeutung solche gemeinsamen Unternehmungen für die Frauen hatten.

Aktuell zählen die Mauschbacher Landfrauen 36 Mitglieder, berichtet Weber. Besonders freut sie sich darüber, dass auch junge Mauschbacherinnen Teil des Vereins sind. „Vor Corona ist das etwas eingestaubt. Nach der Pandemie konnten wir viele Junge begeistern, bei uns mitzumachen.“ Entscheidend sei es gewesen, das Angebot weiterzuentwickeln und neben traditionellen Kochkursen auch neue Themen aufzugreifen. So stehen in diesem Jahr unter anderem ein Whisky-Tasting sowie ein türkischer Grillkurs auf dem Programm. „Zu unserem türkischen Grillkurs kommt extra ein gebürtiger Türke, der uns das zeigt“, sagt Weber. Solche Veranstaltungen zeigten, dass der Verein offen für neue Impulse sei und zugleich seine Wurzeln bewahre.

Ihren 70. Geburtstag feiern die Mauschbacher Landfrauen intern am 8. März in der Hornbacher Pirminiushalle. Der Termin ist bewusst gewählt: Es ist das Datum des internationalen Frauentags und steht symbolisch dafür, wofür die Landfrauen seit sieben Jahrzehnten im Kleinen wirken – für Gemeinschaft, Engagement und die Stärkung von Frauen im ländlichen Raum.

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