Westpfalz Ärzte für die Westpfalz: 15 angehende Mediziner auf dem Weg nach Ungarn

Der Verein „Ärzte für die Westpfalz“ schickt die ersten zwölf Abiturientinnen und drei Abiturienten nach Ungarn zum Medizinstudi
Der Verein »Ärzte für die Westpfalz« schickt die ersten zwölf Abiturientinnen und drei Abiturienten nach Ungarn zum Medizinstudium.

Zwölf Abiturientinnen und drei Abiturienten aus der Westpfalz sind die ersten Stipendiaten, die sich auf den Weg zum Medizinstudium ins ungarische Pécs machen. Jedes Jahr sollen weitere 15 folgen, die später hier den Ärztemangel beheben könnten.

Die 15 angehenden Medizinstudenten im Alter zwischen 19 und 24 Jahren aus der Westpfalz und dem Kreis Bad Kreuznach hatten in Deutschland wegen der fehlenden Abiturnote von 1,0 kaum eine Chance auf einen Studienplatz, wollen aber unbedingt Medizin studieren und können dies jetzt in Ungarn tun. Möglich macht es der neu gegründete Verein „Ärzte für die Westpfalz“ mit Stipendien von bis zu 7500 Euro pro Semester oder bis zu 3750 Euro für Teilstipendien. Das Geld kommt von Großspendern wie den westpfälzischen Sparkassen, der Stadt Pirmasens, der Frogblue AG in Kaiserslautern und vielen Privatspendern, die nicht genannt werden wollen.

Auch wenn die Abiturnote keine Rolle spiele für ein erfolgreiches Studium, wie Landrat Guth meinte, mussten die Stipendiaten dennoch ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Das Stipendium ist zudem an die Bedingung geknüpft, dass sich die Absolventen später verpflichten, mindestens drei Jahre als Arzt im Fördergebiet von Bad Kreuznach bis Schwanheim tätig zu sein. Die zugehörige Facharztausbildung und die Praxiszeiten absolvieren die Stipendiaten in der Heimatregion. Um die 16 ausgeschriebenen Stipendien hatten sich 78 Interessenten beworben. Eine Stipendiatin aus dem Kreis Kusel sprang kurz vor Studienbeginn aus persönlichen Gründen wieder ab. Aus Zweibrücken wurde kein Bewerber ausgewählt.

Zwei Studenten sind bereits dort

„Sie haben ein großes Abenteuer vor sich und sind Pioniere“, ermutigte der Donnersberger Landrat und Vereinsvorsitzende Rainer Guth die Stipendiaten vor der Abreise nach Ungarn. Zwei sind bereits dort, der Rest wird in den nächsten Tagen folgen. In der Westpfalz und dem Kreis Bad Kreuznach fehle es vorne und hinten an Medizinern. Allein in der Westpfalz fehlten aktuell 58 Hausärzte. „Das wird noch schlimmer“, befürchtet Guth, der monierte, dass in der Vergangenheit viel zu wenig für den Nachwuchs getan worden sei.

Das jetzt gewählte Modell mit einem Studium in Ungarn für Abiturienten, die den Numerus clausus in Deutschland nicht schaffen, hat der Verein nicht erfunden. In Sachsen gebe es das schon, so Guth. Für den Verein sei aber dennoch einiges an rechtlichen Hürden zu bewältigen gewesen, was Oliver Minakaran von der Pirmasenser Stadtverwaltung erledigt habe. Guth hat für den Verein die Universität in Pécs besucht und dort „liebenswerte und engagierte Menschen“ kennen gelernt. „Da möchte ich glatt selbst nochmal studieren“, meinte der Landrat.

Mehr Sponsoren und Spender benötigt

Das Projekt sieht er als Beispiel von Kommunen, die zeigen können, was möglich ist, wenn der Wille da ist. „Wir brauchen noch mehr Sponsoren und Spender“, warb Guth für das Projekt. Der Landrat des Donnersbergkreises ist aber zuversichtlich, da viele bisher noch gezögert hätten wegen der noch fehlenden Gemeinnützigkeit des Vereins. Außerdem erhofft sich der Verein noch Unterstützung von Seiten des Landes und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).

Aus Pirmasens tritt die Reise nach Ungarn die 20-Jährige Emma Röckel an. Sie habe schon immer Medizin studieren wollen. Die Abiturnote von 1,8 habe jedoch nicht ausgereicht, weswegen sich Röckel zunächst für ein Hebammenstudium entschieden hatte. Nach einem Jahr Studium sei sie noch mehr in dem Entschluss für ein Medizinstudium bestärkt worden und im Internet auf das Stipendium des Vereins gestoßen. Die frühere Schülerin des Immanuel-Kant-Gymnasiums will auf jeden Fall wieder nach Pirmasens zurück und später hier als Ärztin arbeiten.

Der Südwestpfalz verpflichtet

Genauso wie ihre Kommilitonin Laura Wehrum aus Höheischweiler. „Ich habe schon immer gesagt, dass ich nach dem Studium wiederkomme“, betont die 20-Jährige, die ebenfalls wegen ihres Abiturschnitts keine Chance auf ein Studium der Medizin in Deutschland habe. Mit dem Lernen der ungarischen Sprache habe sie schon begonnen, wobei das Studium in Pécs jedoch ohnehin auf deutsch oder englisch geführt werde. Wo sie nach ihrer Rückkehr in die Südwestpfalz arbeiten wolle, wisse sie noch nicht. Ob es ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis sein werde, wolle sie sich noch offenhalten.

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