Kreis Südliche Weinstraße Zerbrechlicher Frieden

Drei Gebietskörperschaften, drei unterschiedliche Wege: In Landau sammeln die Leute leere Flaschen im Plastiksack, im Kreis Germersheim in Kunststoffboxen und im Kreis Südliche Weinstraße im besten Fall im Kofferraum des Autos, um sie an einen der Standplätze zu bringen, wie die Ansammlung der weißen, grünen und schwarzen Container im Fachjargon heißt. Es gibt sie in allen 75 Ortsgemeinden. 200 Behälter insgesamt. Den Anliegern der Weinstraße wird dabei mehr abgefordert als den Nachbarn jenseits der Kreisgrenzen: Sie sollen das Glas nach Farben sortiert in die passenden Gefäße werfen. Grün, braun, weiß. Sortenrein. So wollen es die Dualen Systeme Deutschlands (DSD), so will es die Industrie. „Wir haben weder rechtlich noch finanziell etwas mit der Entsorgung zu tun“, stellt Hans Volkhardt klar, Werkleiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Landkreises SÜW. „Wir sind für die Servicearbeit zuständig, indem wir Aufklärung leisten und bemüht sind, Standplätze für die Container zu finden.“ Das ist offenbar gar nicht so einfach. Immer wieder gibt es Klagen über Lärmbelästigung. So hat beispielsweise die Gemeinde Herxheim jüngst im Amtsblatt darauf hingewiesen, dass „die impulshaltigen Geräusche“, die beim Einwurf von Altglas entstehen, erheblich stören können. Seit Einführung des Dualen Systems 1991 wurde laut Volkhardt mehrfach über die Glassammlung diskutiert. Der Werksausschuss wolle den Bürgern nicht noch mehr Abfallbehälter – Sack oder Box – in den Haushalt stellen. Die Handhabung in Landau und im Kreis Germersheim genieße wohl Bestandsschutz, den heutigen Anforderungen der Industrie entspreche die Mischsortierung nicht. Bernhard Eck, Chef des Landauer Entsorgungs- und Wirtschaftsbetriebs (EWL) bestätigte, dass die Stadt großen Wert auf eine bürgerfreundliche und haushaltsnahe Entsorgung lege und das beim Entsorger stets habe festschreiben können. Ein großer Kritiker des Bring-Systems ist Klaus Knoll, Fachbereichsleiter Abfall im Ordnungsamt der Verbandsgemeindeverwaltung Herxheim. Doch seine Proteste liefen immer ins Leere. Er macht das Duale System Deutschland verantwortlich für die Misere. „Das ganze System ist total unbefriedigend. Glas ist eine Verpackung, deshalb müsste der Einzelhandel sie zurücknehmen. Doch die Hersteller haben sich über den Grünen Punkt freigekauft.“ Früher hätten zumindest Container an den Supermärkten gestanden. Dort gehören sie nach Knolls Meinung auch hin. Für Gemeinden ist der unfreiwillige Glashandel ein Zuschussgeschäft. Knoll rechnet vor: 2011 hatte die Gemeinde Herxheim Kosten von knapp 5200 Euro. 3400 Euro wurden ihr vom Dualen System Deutschland erstattet. Rund 1700 Euro musste Herxheim aus eigener Kasse zahlen. Im Jahr drauf waren es 1600 Euro. Regelmäßig spielen Knolls Leute die Männer von der Müllabfuhr. Sie sammeln herrenlose Transportgefäße ein, herumstehende Körbe oder vermeintlichen Glasabfall wie Spiegel – und bringen das Zeug zur Deponie. DSD zahlt dem Landkreis pro Einwohner 1,41 Euro jährlich für die Glasentsorgung. Davon gibt der Kreis laut Volkhardt 1,15 Euro an die Gemeinden weiter, 26 Cent behält er für Serviceleistungen und Beratung. „Wir dürfen aus unserem Gebührenhaushalt nichts drauflegen“, baut Volkhardt möglichen Eingaben vor. Auch er sieht die Schwachpunkte des Dualen Systems und rechnet fest mit einer Reform in absehbarer Zeit. (sas)

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